Kommunalwahl in Filderstadt Diese jungen Leute zieht es in die Politik
Auf den Listen für die Gemeinderatswahl in Filderstadt finden sich auch ganz junge Männer und Frauen. Warum wollen sie in der Kommunalpolitik mitwirken? Was treibt sie an?
Auf den Listen für die Gemeinderatswahl in Filderstadt finden sich auch ganz junge Männer und Frauen. Warum wollen sie in der Kommunalpolitik mitwirken? Was treibt sie an?
Sich für andere einsetzen, für Gerechtigkeit einstehen und für eine bessere Bildungspolitik kämpfen: Das sind nur einige der Gründe, warum junge Leute in den Gemeinderat von Filderstadt gewählt werden wollen. Wir haben uns unter jungen Kandidatinnen und Kandidaten umgehört.
Derwes Agirman, 20, aus Bonlanden steht für die Freien Wähler auf Listenplatz 17. Nicht so weit vorne wie manch alter Hase, aber er ist „zufrieden“. Immerhin: In Filderstadt kennen ihn viele. Seit gut sechs Jahren ist er Mitglied des Jugendgemeinderats. „Schon in der Schule habe ich gemerkt: Ich will mich einsetzen“, sagt er. Die logische Konsequenz ist für ihn die Kandidatur für die Kommunalwahl, denn „ich will weiter politisch aktiv sein“. Bei den Freien Wählernstimme für ihn nicht nur die Arbeit, sondern auch das Verhältnis untereinander. Besonders wichtig findet er neben Umweltthemen, die Interessen Gleichaltriger durchzusetzen. Und auch für junge Menschen mit Migrationsgeschichte möchte er Vorbild sein. Derwes Agirman hat einen Realschulabschluss gemacht, danach Abitur, jetzt studiert er im zweiten Semester Jura. Er betont: Einsatz lohnt sich.
Warum er für die Gemeinderatswahl kandidiert, und das mit 21? Bei Paul Schmid kommt die Antwort schnell: Es gehe ihm um die soziale Gerechtigkeit, zum einen beim Wohnungsbau, denn „die Preise hier sind absurd“, und zum anderen bei der Mobilität, denn „Teilhabe kann nur stattfinden, wenn man von A nach B kommt“. Als Student – er studiert Chemie- und Bioingenieurswesen – wisse er nur zu gut, wie wichtig ein funktionierender Nahverkehr sei. Paul Schmid kandidiert für die SPD. Animiert hätten ihn Freude, und „ich stimme mit den Werten der SPD überein“, sagt das Juso-Mitglied. Der junge Mann aus Bernhausen steht auf Listenplatz 13. Nicht sehr aussichtsreich, aber auch nicht komplett chancenlos. Er hätte auf jeden Fall Lust, politisch mitzugestalten, und sollte er nicht klappen mit dem Gemeinderat, will er sich trotzdem einbringen.
Als Neuling gleich auf Listenplatz fünf? Robin Folk gibt sich vorsichtig optimistisch. Der 20-Jährige aus Harthausen tritt für die FDP an. Derzeit gibt es lediglich drei FDP-Gemeinderäte, und Folk hofft, „dass wir den Fraktionsstatus erhalten“. Der Jurastudent mischt bei den Jungen Liberalen und in der Liberalen Hochschulgruppe mit. Für ihn gebe es keine politische Strömung, die besser mit den Themen junger Menschen kompatibel ist. „Liberalismus, Freiheit, ich glaube, es gibt nichts, was für einen jungen Menschen wichtiger ist, als sein eigener Freiraum.“ Entsprechend wolle er sich im Gemeinderat für junge Themen einsetzen, etwa für eine bessere Bildungspolitik, ebenso aber auch für die Wirtschaft, zum Beispiel über mehr Parkmöglichkeiten in den Ortszentren. „Demokratie ist etwas, woran alle arbeiten müssen“, sagt Robin Folk.
Erst 17, aber schon Kreisverbandsvorsitzende der Grünen Jugend im Kreis Esslingen: Carla Reichardt aus Bonlanden kann als Minderjährige politische Erfahrung vorweisen. Für die Filderstädter Grünen steht sie nun nicht nur auf Listenplatz sieben für die Gemeinderatswahl, sondern auch auf Platz sechs für die Kreistagswahl. „Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Feminismus waren mir immer wichtig“, erklärt sie, ein Schülerpraktikum bei der Landtagspräsidentin Muhterem Aras habe ihr Politikinteresse verfestigt. Entsprechend hat sich die Auszubildende Themen überlegt, die sie für ihre Heimatstadt angehen möchte: Klimaschutz und Gleichberechtigung, aber auch eine Sanierung der Realschule in Bonlanden oder mehr Treffpunkte für Jugendliche. „Mir ist einfach meine Zukunft enorm wichtig. Ich will einfach nicht die Person sein, die sagt: Ich habe nichts gemacht.“
Joshua Alber, 20 Jahre alt, tritt für die CDU auf dem aussichtsreichen Listenplatz zwei an. Als Mitglied bei der Feuerwehr, im Jugendgemeinderat und als Jungscharleiter kennen den Schüler aus Sielmingen auch viele im Ort. Nun möchte Joshua Alber noch ein Ehrenamt draufpacken. „Mein politisches Interesse wurde durch den Jugendgemeinderat geweckt“, sagt er, mit den – christlichen – Werten der CDU könne er sich am ehesten identifizieren. Im Ortsverein engagiert er sich auch im Vorstand. Das Politikgen hat in seiner Familie eine gewisse Tradition: Sein Großvater Karl Alber war Stadtrat, wenn auch für eine andere Fraktion. „Ich finde es wichtig, dass junge Leute am Tisch sitzen“, sagt er. Was er anpacken will, sollte er ins Stadtgremium gewählt werden? Mehr Wohnraum, mehr Sportmöglichkeiten und Treffpunkte für Jugendliche sowie mehr Unterstützung fürs Ehrenamt.
Passiv
Bei der diesjährigen Kommunalwahl dürfen in Baden-Württemberg erstmals Jugendliche ab 16 Jahren gewählt werden. Sie besitzen also das passive Wahlrecht, um für Gemeinde- und Ortschaftsräte, Kreistage sowie für die Verbandsversammlung der Region Stuttgart zu kandidieren. Damit hat Baden-Württemberg Neuland betreten. In allen anderen deutschen Bundesländern können nur Volljährige gewählt werden.
Aktiv
Das aktive Wahlrecht – das Recht, zu wählen – haben 16- und 17-Jährige in Baden-Württemberg bereits seit zehn Jahren. Auch bei Bürgermeisterwahlen dürfen sie mitbestimmen. Zudem haben sie 2014 das Recht erhalten, an Bürgerbegehren, -entscheiden und -versammlungen teilzunehmen, also an Verfahren der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene. Im Umkehrschluss können Jugendliche auch zu ehrenamtlicher Arbeit, etwa als Wahlhelferinnen und -helfer, herangezogen werden.