Kommunalwahl in Hemmingen Die Spaßpartei macht ernst

Von Stefanie Köhler 

Im Mai wählt Hemmingen einen neuen Gemeinderat – und die jungen Aktivisten von Die Partei wollen künftig ein Teil des Gremiums sein. Um die Bürger für das Geschehen im Ort zu interessieren, wählen sie eine ganz eigene Strategie.

Lassen sich für die Wahl in den Hemminger Gemeinderat aufstellen (von links): Markus Walker, Andre Runge, Moritz Jestrych, Roman Krause, Hendrik Krause, Patrick Schmidt und Tobias Schmidt Foto: privat
Lassen sich für die Wahl in den Hemminger Gemeinderat aufstellen (von links): Markus Walker, Andre Runge, Moritz Jestrych, Roman Krause, Hendrik Krause, Patrick Schmidt und Tobias Schmidt Foto: privat

Hemmingen - Eines meinen sie derzeit ernster als alles andere: Die Partei will in den Hemminger Gemeinderat einziehen. Sieben Kandidaten sind für die Kommunalwahl am 26. Mai nominiert. „Wir wollen uns politisch engagieren und einbringen“, sagt Patrick Schmidt. Der 22-jährige Industriefachwirt kandidiert auf dem letzten Listenplatz. Er betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Die Partei längst keine reine Spaßpartei mehr sei. Bestes Beispiel dafür sei Martin Sonneborn: Der 53-jährige Gründer des Satiremagazins „Titanic“ rief 2004 die Partei ins Leben und sitzt seit 2014 im Europaparlament. Geht es nach Sonneborn, bleibt das so – er tritt wieder bei der Europawahl an.

Das Leben im Ort „aufmischen“

Zurück nach Hemmingen. In der Gemeinde wolle die Partei das Leben „aufmischen“, wie Patrick Schmidt es formuliert. Die zehn Mitglieder des Ortsverbands rechnen sich dafür gute Chancen aus. Sie haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Thema Wahl beschäftigt. „Wir können es schaffen. Für einen Sitz im Gemeinderat sind rund 1500 Stimmen nötig“, meint Hendrik Krause. Das Wahlverfahren bevorzuge kleine Parteien.

Der 23-Jährige sitzt mit Patrick Schmidt und dem Chef des Ortsverbands, Markus Walker, in einer Hemminger Kneipe. Krause und Walker, beide Studenten der Elektrotechnik, tragen Anzug und Krawatte, Patrick Schmidt hat sich für eine Jacke des VfB Stuttgart entschieden. Er trinkt Bier, vor den zwei anderen steht je ein Glas Wein. „Wir sind offen für alle, die gute Ideen haben oder aktiv mitdiskutieren wollen. Wir haben keinen Parteizwang“, sagt Markus Walker. Die Mitglieder im Ortsverband deckten die „breite Gesellschaft“ ab. Da sei es egal, ob man – wie er – einen schlechten Anzug anziehe, oder für einen schlechten Verein mitfiebere.

„Wir machen Politik nicht lächerlich“

Die jungen Aktivisten sind davon überzeugt, dass sie – jedenfalls in Hemmingen – ernstgenommen werden, wenn auch vor allem von Jüngeren. Sie seien die Zielgruppe, grundsätzlich spreche man aber alle Altersgruppen an. „Wir machen Politik nicht lächerlich, wir haben lediglich eine andere Herangehensweise an Themen“, sagt Markus Walker. Damit meint er: „Wir gehen ernste Themen spaßig an.“ Das geschieht mit provokanten und überspitzten Slogans und Plakaten, mit denen sie die Leute an ernste Themen heranführen, sie zum Nachdenken bringen wollen. „Wir machen Themen publik und diskutieren dann sachlich“, sagt Walker und kritisiert: Das sei bei der Diskussion um die Glemstalschule etwa längst nicht mehr der Fall. Gleichwohl mache man manchmal auch bloß Spaß.

Das Ziel, dass sich die Bürger mehr für das Geschehen im Ort interessieren, hätten sie zum Beispiel mit ihrer Kampagne zur Grundschule erreicht. Diese kam wegen eines Feuchtigkeitsproblems und Schimmel in die Schlagzeilen. Das Partei-Plakat zeigt ein Pferd und die Schule nebeneinander: „Verwechslungsgefahr: Echter Schimmel – Schimmel an der Hemminger Schule“. Die Aktivisten hätten „viele positive Rückmeldungen“ erhalten.

Spontan auf Themen reagieren

Was sie neben der Glemstalschule noch beschäftigt? Der Dauerstau im Ort, den man doch mit einem Tunnel lösen könne. Was finanziell freilich nicht umsetzbar sei. Oder dass es im Neubaugebiet Hälde eine Bushaltestelle ohne Wartehäuschen gibt. Bei Regen würde man nass, moniert Walker. „Im Notfall bauen wir eben selbst ein Dach.“ Ein „steifes Parteiprogramm“ gebe es nicht. „Wir reagieren lieber spontan auf Themen“, sagt Patrick Schmidt. Er verzichtet wie die anderen bewusst darauf, sich einer der großen Parteien anzuschließen. Wer sich da einbringen will, brauche einen langen Atem, ist er sich sicher. Bekommt die Partei tatsächlich einen Sitz im Gemeinderat, wollen trotzdem alle mitentscheiden. „Das soll keine One-Man-Show werden“, betont Hendrik Krause.

Der Hemminger Ortsverband wurde im Februar vorigen Jahres gegründet. Mittlerweile gibt es im Kreis Ludwigsburg mehr als 180 Aktivisten der Partei, verteilt auf acht Ortsverbände. „Wirklich aktiv“ seien derzeit neben Hemmingen aber nur die Ableger in Markgröningen und in Vaihingen/Enz.