Kommunalwahl in Stuttgart Auch Grünen-Stadträtin im Wahlkampf bedroht

Ein zerstörtes Wahlplakat von Grünen-Stadträtin Gabriele Munk in Weilimdorf. Foto: red

Ein weiterer gravierender Vorfall im Kommunalwahlkampf: Gegen die Grünen-Stadträtin Gabriele Munk ist eine Morddrohung ausgestoßen worden; der Fall ereignete sich bereits im April. Wie im Fall des Linken-Stadtrats Luigi Pantisano ermittelt der Staatsschutz.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Gabriele Munk hat mit sich gerungen, ob sie den Vorfall öffentlich machen soll. Nach reiflichem Überlegen und angesichts der Tatsache, dass Linken-Stadtrat Luigi Pantisano eine gegen ihn gerichtete ähnliche Drohung vergangene Woche zur Anzeige gebracht hat, war für die Grünen-Stadträtin klar: „Ich lasse das nicht auf sich beruhen und möchte, dass das aktenkundig wird.“ Zumal es am vergangenen Wochenende zu massiven Beschädigungen von Grünen-Wahlplakaten im Wolfbusch und im Pfaffenäcker gekommen sei.

 

Der Mann drohte und stieg aus dem Auto aus

Zum Auftakt des Kommunalwahlkampfes am 28. April hatte Munk, die dem Stuttgarter Gemeinderat seit 15 Jahren angehört, gemeinsam mit ihrem Mann am Hubertusplatz in Weilimdorf ein Wahlplakat aufgehängt. Währenddessen hielt der Fahrer eines schwarzen Audi neben dem Ehepaar an und schrie aus dem Fenster: „Euch sollte man aufhängen!“ Eine unverhohlene Morddrohung, der etliche Pöbeleien folgten. Nach der Verbalattacke fuhr der Mann nicht etwa davon, sondern stieg aus.

So erinnert sich Munk an den Vorgang. Ihr Mann und sie seien zunächst „völlig perplex“ gewesen, sagt sie. „Um die Situation zu deeskalieren“, hätten sie dem Audi-Fahrer, den Munk „als etwas über 30 und sportlich beschreibt“, demonstrativ den Rücken zugewendet. Schließlich entfernte er sich. Eine belastende Situation für das Ehepaar – „und das gleich zum Auftakt des Wahlkampfs“, wie die Grünen-Stadträtin berichtet.

Luigi Pantisano hatte vergangene Woche von einem ähnlichen Vorfall am 18. Mai an der Ecke Senefelder- und Lerchenstraße im Stuttgarter Westen berichtet. Beim Erneuern von Wahlplakaten wurde der Linken-Stadtrat seiner Schilderung zufolge aus einem Auto heraus mit den Worten attackiert: „Töten sollte man euch, nicht wählen!“ In beiden Fällen ermittelt der Staatsschutz, wie die Polizei bestätigt.

Grünen-Stadträtin: Anfeindungen nehmen zu

„Die Drohung macht schon etwas mit einem“, sagt Gabriele Munk. Sie lässt sich jedoch nicht einschüchtern. „Natürlich mache ich weiter Wahlkampf“, sagt sie. Allerdings sei sie seit dem Vorfall vorsichtiger geworden und achte mehr auf ihre Umgebung: „Ich halte Augen und Ohren offen.“ Auch habe sie ihr Handy jetzt immer griffbereit.

Negative Erfahrungen mache sie auch am Wahlstand, erzählt Munk. So sei ein Mann auf sie zugekommen und habe ihr bedeutet: „Sie sind aber mutig, hier zu stehen.“ Auch das könne man als Drohung auffassen, sagt die 66-Jährige gebürtige Cannstatterin. Zwar gebe es immer wieder auch Zuspruch, insgesamt sei im Wahlkampf jedoch eine „Verrohung“ und eine Zunahme von Anfeindungen festzustellen. Diskussionen seien teils gar nicht mehr möglich. Ernüchtert stellt sie fest: „So etwas habe ich bisher nicht erlebt.“

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