Kommunalwahl in Stuttgart Warum Schwimmen ein Wahlkampfthema ist

Christian Günther ist ein leidenschaftlicher Hobbyschwimmer. Für das von der Verwaltung vorgestellte Bäderkonzept hat er kein Verständnis. Foto: privat

Die Öffnungszeiten der Hallenbäder könnten gekürzt werden, was viele empört. Ein Bürger erklärt, warum das von der Verwaltung angedachte Bäderkonzept seiner Meinung nach nicht aufgeht. Außerdem sagen die politischen Gruppierungen ihre Meinung.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Filder - Der Vorschlag der Verwaltung, die Öffnungszeiten der Hallenbäder einzuschränken, damit Schulen und Vereine diese häufiger nutzen können, hat viel Unmut verursacht. Plieningen würde es besonders hart treffen. Das Hallenbad im Wolfer hat bisher zumindest freitags von 7 bis 22 Uhr für die Öffentlichkeit auf. Künftig könnte es ein reines Schul- und Vereinsbad werden. In Vaihingen sollen Gäste nur noch dienstags den gesamten Tag, donnerstags von 16 bis 22 Uhr und sonntags von 8 bis 17 Uhr schwimmen dürfen. In Sonnenberg dürfen Schwimmer bisher jeden Tag ihre Bahnen ziehen. Das könnte bald Vergangenheit sein. Denn dienstags und freitags soll das Bad komplett für Schulen und Vereine und mittwochnachmittags ausschließlich für Vereinssportler reserviert werden.

 

Eigentlich sollte der Bäderausschuss des Stuttgarter Gemeinderats bereits im März über das neue Konzept entscheiden. Doch nach den andauernden Protesten und der Ablehnung durch viele Bezirksbeiräte wurde die Abstimmung auf Juli vertagt. Die Öffnungszeiten der Hallenbäder sind so zu einem Wahlkampfthema geworden.

Die Kürzung der Öffnungszeiten schränkt die Bürger ein

Einer der vielen empörten Bürger ist Christian Günther. Der Mann aus dem Steckfeld ist Mitglied im Schwimmclub (SC) Möhringen. „Ich bin kein Wettkampfsportler, aber ein begeisterter Hobbyschwimmer“, sagt Günther. So oft er kann, radelt er freitagmorgens vor der Arbeit zum Plieninger Hallenbad, um dort seine Bahnen zu ziehen. Dann trifft er auf seine Stammschwimmergruppe, die Woche für Woche pünktlich um 7 Uhr im Bad ist. „Für die Gruppe war es fürchterlich, als sie erfuhr, dass sie künftig vielleicht nicht mehr in ihr Bad kann“, sagt Günther. Wochenlang sei dies das Gesprächsthema Nummer eins gewesen. „Das Besondere an Plieningen ist, dass der Freitag ein Warmbadetag ist“, sagt Günther. Für ihn selbst sei das nicht so wichtig, für viele ältere Menschen aber schon. Eines muss Günther zugeben: Freitagmorgens sei das Bad relativ leer. „Wir sind im Schnitt nur acht Schwimmer im Wasser. Aber genau das ist ja das Schöne“, sagt der Hobbyschwimmer.

Wenn das Bad in Plieningen für die Öffentlichkeit schließt, ist das für Günther „noch keine Katastrophe“, wie er sagt. Denn als Vereinsmitglied schwimmt er zusätzlich jeden Dienstagabend in Sonnenberg. „Ich habe so oder so noch Möglichkeiten, schwimmen zu gehen“, sagt Günther. Doch alle, die in keinem Verein seien, träfen die im Bäderkonzept vorgeschlagenen Kürzungen der Öffnungszeiten hart. „Weil es unglaublich einschränkt. Man muss dann immer ganz genau überlegen, wann man wo noch schwimmen kann“, findet Günther. Eines ist dem Familienvater wichtig: „Kinder müssen schwimmen können.“ Doch Günther bezweifelt, dass der Nachwuchs das in der Schule lernt. Die Klassen seien oft zu groß, das Niveau der Kinder zu unterschiedlich, die Abstände zwischen den Einheiten im Bad zu weitläufig, und dass alle Kinder in einem Verein schwimmen lernen können, sei auch illusorisch. „Die Vereine haben jetzt schon lange Wartelisten bei den Schwimmkursen. Die haben gar nicht die Kapazitäten und die Trainer, um noch mehr Kindern das Schwimmen beizubringen, selbst wenn sie mehr Zeiten in den Bädern bekämen“, sagt Günther.

Eltern sollten ihren Kindern das Schwimmen beibringen

Er sieht eher die Stadt und die Eltern in der Verantwortung. „Nicht nur die Vereine, auch die Stadt muss Schwimmkurse anbieten, und die Eltern müssen mit ihren Kindern ins Bad gehen und üben“, so der Vater zweier Kinder. Dazu brauche es eine entsprechende Infrastruktur: „Es stünde der Stadt Stuttgart daher schon gut zu Gesicht, wenn sie die Öffnungszeiten der Bäder auf einem hohen Niveau hielte.“

Von einem Spaßbad, sagt Günther, wolle er gar nicht erst reden. Ein solches gebe es nämlich in der gesamten Landeshauptstadt nicht: „Wer in ein Spaßbad will, muss ins Fildorado nach Bonlanden oder ins F3 nach Fellbach.“ Sonnenberg biete als Familienbad wenigstens noch einen minimalen Spaßfaktor für Kinder. Außerdem sei es bekannt für seine Babyschwimmkurse. Im Sinne der Familienfreundlichkeit seien die Öffnungszeiten des Bads an der Kremmlerstraße deshalb so zu belassen wie bisher. Günthers Fazit: „Das Bäderkonzept der Stadt Stuttgart geht meiner Meinung nach nicht auf.“

Was sagen die politischen Vereinigungen zum Bäderkonzept?

Die Grünen wollen sich dafür einsetzen, „den Bestand an Bädern zu pflegen, zu erweitern und zu sanieren, und wo nötig auch neue Lehrschwimmbecken zu realisieren“. Die Grünen sind gegen die Sommerschließungen der großen Bäder und wollen, dass das Plieninger Hallenbad auch künftig von der Öffentlichkeit genutzt werden kann.

Die CDU schreibt: „Es bedarf anderer Konzepte, um mehr Schwimmzeiten für Schulklassen zu generieren.“ Die Partei schlägt vor, im Winter Traglufthallen über Freibädern zu installieren, um dort auch bei Kälte schwimmen zu können.

Die SPD begrüßt „die grundsätzliche Zielsetzung, Schulen und Vereinen mehr Schwimmzeiten zur Verfügung zu stellen, damit alle Kinder schwimmen lernen“. Allerdings wolle man die Sommerschließung von Hallenbädern verhindern und dafür mehr Personal ermöglichen.

Die FDP setzt sich „für geöffnete Hallenbäder ohne Einschränkungen ein“. Saisonale Schließzeiten und verkürzte Besuchszeiten wegen Schulschwimmens und Personalmangels müssten vermieden werden. Die FDP fordert mehr Lehrschwimmbecken. Übergangsweise könne Schulschwimmen parallel zu den Öffnungszeiten stattfinden.

Die Freien Wähler freuen sich, dass „ein neues Bäderkonzept in Vorbereitung ist“. Es sei wichtig, dass alle Kinder schwimmen können. Man wünsche sich eine gute Balance zwischen öffentlichen Badezeiten und der Nutzung durch Schulen und Vereine. Freuen würden sich die FW, „wenn öffentliche Badezeiten intensiv genutzt werden würden“.

„Wir fordern die Beibehaltung der öffentlichen Badezeiten im bisherigen Umfang“, schreibt SchUB.

BZS23 formuliert: „Wir wollen keinerlei Einschränkungen in den Öffnungszeiten, sondern einen Ausbau.“

Die Piraten geben an: „Mehr Zeiten für Schulen und Vereine sind sinnvoll, aber es wurde zu wenig geprüft, ob nicht durch Personalaufstockung und bessere Zeiteinteilung das Angebot erhalten oder sogar ausgebaut werden kann.“

Die SÖS sieht es als Aufgabe der Kommune an, den Bäderbetrieb zu gewährleisten und lehnt eine Kürzung der Öffnungszeiten ab.

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