Kommunalwahl in Weil der Stadt Freie Wähler werden stärkste Kraft

Der Ratssaal im Rathaus wird für den Gemeinderat auch in Zukunft zu eng. Foto: Simon Granville

Wo 2019 die Grünen die Nase vorne hatten, überholen jetzt die Konservativen. Die Linke schafft es erstmals in den Rat.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

2019 hatten die Grünen in Weil der Stadt Grund zum Jubeln: Bei der Kommunalwahl holten sie mit 28,6 Prozent die meisten Stimmen, hatten mit drei Prozentpunkten die Nase vor CDU und Freien Wählern. Jetzt steht fest: Diesen Vorsprung konnten die Weiler Grünen bei der Gemeinderatswahl am Sonntag nicht mehr halten. Einen ganz so drastischen Abwärtstrend wie die Bundeskollegen bei der Europawahl legten sie aber trotzdem nicht hin – und halten ihren Stimmanteil immerhin bei 20,8 Prozent. Das sind mehr, als in so manch umliegender Kommune.

 

Auch die CDU schafft es in Weil der Stadt nicht auf den ersten Platz, bekommt im Vergleich zum Wahlergebnis 2019 aber rund einen Prozentpunkt mehr und landet damit bei insgesamt 26,3 Prozent. Die meisten Stimmen mit 28,5 Prozent haben bei der Wahl am Sonntag stattdessen die Freien Wähler ergattert, die damit ebenfalls zugelegt haben – 2019 holte die Wählervereinigung 25,1 Prozent der Stimmen in Weil der Stadt. Die SPD verbessert sich minimal, von 10,2 auf 10,7 Prozent. Stärkeren Zuwachs gab es bei der FDP, die am Sonntag 10,6 Prozent der Stimmen holte (2019: 7,1 Prozent) und damit drei statt nur einem regulären Sitz im künftigen Gemeinderat ergattert. Und eine Partei wird bald Premiere im Gemeinderat feiern: Die Linke hat es zwar nicht mit einem regulären, dafür mit einem Ausgleichssitz ins Gremium geschafft.

Historisches Ergebnis für die Freien Wählern, Premiere für Die Linke

Dieses wird in der kommenden Legislaturperiode insgesamt 28 Sitze zählen – einer mehr als bisher. Aus Gründen der Rechtssicherheit war die Unechte Teilortswahl in Weil der Stadt angepasst und dabei unter anderem die Anzahl der regulären Sitze im Rat von 22 auf 24 erhöht worden. Hinzu kommen jetzt vier Ausgleichssitze, die an CDU, Freie Wähler, SPD und Linke gehen. Die stärkste Kraft im neuen Gemeinderat werden somit die Freien Wähler mit insgesamt acht Sitzen, es folgen die CDU mit sieben, die Grünen mit sechs, SPD und FDP mit jeweils drei und Die Linke mit einem Sitz. Die AfD stellte in Weil der Stadt übrigens keine Kandidaten zur Wahl.

Bei den Parteien macht sich am Montagabend unterdes Feierlaune breit, der Bürgermeister hat zum Empfang geladen. „Das ist ein historisches Wahlergebnis“, freut sich Lea Bauer, die für die Freien Wähler im Gemeinderat bleibt. Acht Sitze – so viel habe es für ihre Fraktion noch nie gegeben. CDU-Fraktionsvorsitzender Florian Scharpf ist ebenfalls „sehr glücklich“. Zwar hätte er sich gewünscht, dass seine Partei stärkste Kraft wird. „Aber ich kann damit leben, da die Freien Wähler und wir uns oft sehr einig sind.“

Keine Trübsinn bei den Grünen

Trauer herrscht derweil auch bei den Grünen nicht. Über 20 Prozent – eine gute Position, sagt Ortsverbands-Sprecher Helmut Schulenberg-Schell. Zufrieden ist auch SPD-Stadtrat und Ortsverbandsvorsitzender Felix Mayer, besonders mit dem landesweiten Ruck ins Konservative, wie er sagt. Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender Hans Dieter Scheerer freut sich über den erstmaligen Fraktionsstatus seiner FDP, der mit drei Sitzen erreicht ist. Und nicht zu vergessen bleibt Die Linke, die an diesem Abend den historischen Einzug in das Weiler Gremium schafft: „Das war echt eine Zitterpartie“, sagt der zukünftige Stadtrat Moritz Riexinger. „Aber wir sind echt stolz.“

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