Kommunalwahl Stuttgart Für die neuen Kindertagesstätten fehlt noch Personal

Die Stadt muss mehr Erzieher gewinnen. Sonst stehen die neuen Häuser leer. Foto: dpa
Die Stadt muss mehr Erzieher gewinnen. Sonst stehen die neuen Häuser leer. Foto: dpa

Der alte Gemeinderat in Stuttgart hat ein großes Ausbauprogramm beschlossen. Doch was helfen Plätze, die nicht besetzt werden können? Weiterhin fehlen in der Landeshauptstadt Erzieherinnen.

Lokales: Viola Volland (vv)
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Stuttgart - Es ist nur wenige Jahre her, da erschien die Suche nach einem Krippenplatz in Stuttgart regelrecht aussichtslos. Die Wartelisten waren unendlich lang, wer keine Beziehungen und sich nicht schon vor der Geburt gekümmert hatte, musste vielfach schauen, wo er bleibt. Und heute? Gibt es in Stuttgart immer noch Wartelisten und Mütter, die verzweifelt einen Platz für ihr Kind suchen und keinen bekommen – zumindest nicht zu ihrem Wunschtermin. Aber die Situation beginnt sich zu entspannen.

Für 42 Prozent der Unter-Dreijährigen gibt es in Stuttgart laut dem Jugendamt einen Krippenplatz, das hat die jüngste Erhebung ergeben. Im März vor einem Jahr waren es dagegen 36,1 Prozent – 2008 lag der Wert nur bei 23,8 Prozent. Dass sich die Zahlen so positiv entwickeln, hängt mit dem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zusammen, der seit August 2013 für Kleinkinder ab einem Jahr gilt. Die befürchtete Klagewelle ist in Stuttgart aber ausgeblieben. Für Jugendamtsleiter Bruno Pfeifle ist bereits das Erreichte „ein Quantensprung“. So soll es weitergehen. Zusätzliche 1200 Plätze für Unter-Dreijährige sind im aktuellen Doppelhaushalt finanziert. Sobald diese geschaffen sind, kann die Stadt eine Versorgungsquote von knapp 62 Prozent vorweisen. Das gilt als „bedarfsgerecht“. Allerdings wurden vielfach Fertigbauten beschlossen – und die sind nur eine Übergangslösung. Eine Dauernutzung ist baurechtlich nicht möglich.

Alte Kitas teils in einem nicht tragbaren Zustand

Auch der Gesamtelternbeirat gießt Wasser in den Wein. Zwar begrüßt er die Beschlüsse. Doch was hilft das viele Geld, wenn es nicht ausgegeben wird? „Es dauert viel zu lange, bis die Baugenehmigungen durch sind“, kritisiert Monika Schneider, die für die Eltern der städtischen Kitas spricht. Außerdem dürfe man bei all den Ausbauplänen die Substanz nicht vergessen. Alte Kindertagesstätten seien in der Prioritätenliste nach unten gerückt und teils in einem nicht tragbaren Zustand, kritisiert Monika Schneider.

Die wohl wichtigste Herausforderung für die Stadt bleibt die Personalfrage. Der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern ist groß. „Man hat zwar Plätze für die Kinder, aber keine Erzieherinnen – leere Häuser helfen uns aber nicht weiter“, meint Thorsten Kussmann vom Gesamtelternbeirat (GEB), dessen Sohn in eine katholische Einrichtung geht. Nur über eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen sei dem Mangel zu begegnen. Den 100-Euro-Zuschlag, den die Stadt Erzieherinnen auf den unteren Einkommensebenen nun zahlt, sieht der GEB nicht als ausreichend an. Gut sei, dass die Stadt die praxisintegrierte Ausbildung inklusive Verdienst anbiete. Hier müsse es aber mehr Plätze geben.

Ganztag ist nicht gleich Ganztag

Positives kann die Stadt bei der Ganztagsbetreuung vermelden, besonders bei den Drei- bis Sechsjährigen. Aktuell sind Pfeifle zufolge 68 Prozent der Plätze für Kinder im Kindergartenalter Ganztagesplätze – im März 2013 waren es 51 Prozent. „Ende 2015 liegen wir bei 80 Prozent, das ist bedarfsgerecht“, sagt Pfeifle. Eltern wissen allerdings: Ganztag ist nicht gleich Ganztag. Mit Betreuungsverträgen über acht, teilweise sieben Stunden, ist ein voller Arbeitstag nicht abzudecken, dennoch gilt solch ein Platz als Ganztagsplatz. Der Jugendamtsleiter weist zwar darauf hin, dass 65 Prozent der Gruppen für Drei- bis Sechsjährige bis zu zehn Stunden öffnen könnten – und bei den Null- bis Dreijährigen könnten 50 Prozent aller Gruppen bis zu zehn Stunden aufhaben. Doch ob Eltern in der Praxis auch solch einen langen, ihrem Bedarf entsprechenden Vertrag erhalten, ist eine ganz andere Geschichte.

„Man muss die Öffnungszeiten arbeiterfreundlich machen“, fordert deshalb Thorsten Kussmann. Die Stadt kann das Angebot jedoch nur dann erweitern, wenn sie genügend pädagogisches Personal für die zusätzlichen Stunden zur Verfügung hat. „Auch die Öffnungszeiten hängen mit den Erzieherinnen zusammen“, ist auch dem Elternvertreter Kussmann klar.

Gute Noten von den Eltern

Immerhin, was die Qualität der Einrichtungen angeht, scheinen die meisten Eltern zufrieden zu sein. In einer trägerübergreifenden Umfrage, deren Ergebnisse diesen Februar vorgestellt wurden, haben sie den Kindertagesstätten im Durchschnitt gute Noten gegeben. Im Einzelnen gab es aber auch negative Ausreißer nach unten. Auf dem Ergebnis der Umfrage sollte man sich nicht ausruhen, meint Monika Schneider. So sei bei den städtischen Einrichtungen das Einsteinkonzept „ins Stocken geraten“, das den Forschergeist der Kleinen wecken soll. Auch hier sieht sie den zukünftigen Gemeinderat deshalb in der Pflicht.

Kommunalomat zur Wahl in Stuttgart




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