Die Nominierung der Grünen-Kandidaten für die Gemeinderatswahl im nächsten Jahr wirkt nach. Der Sprecher der unabhängigen Nachwuchsorganisation Grüne Jugend, Jason Levin Barna, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Er hatte in der Versammlung nicht nur „unerträglich viele Heuchler und Heuchlerinnen in der Partei“ wahrgenommen, die nur behaupteten, für Vielfalt zu stehen, sondern glaubte, diese Ansicht auch noch in den sozialen Medien verbreiten zu müssen – inklusive der Aufforderung an die Realos: „Bitte geht zur CDU oder zur FDP und lasst die Menschen, die es braucht, um Dinge zu verändern, richtige Politik machen“.
Nur drei Bewerber mit Migrationshintergrund vorne
Anlass für seine Attacke war die verlorene Kampfkandidatur von Maria Tramountani, die sich im Internationalen Ausschuss als sachkundige Bürgerin engagiert und vom elften auf den weniger aussichtsreichen Rang 19 abrutschte. Auf den ersten 20 Plätzen stehen mit der „Stuttgarterin des Jahres“, der Ukrainerin Afina Albrecht, mit Mehmet Ilkes und Tramountani nur drei Grüne mit Migrationshintergrund.
Die Kritik Barnas war auch im Staatsministerium aufmerksam registriert worden. Jedenfalls hat die Landessprecherin der Grünen Jugend, Aya Krkoutli, eine SMS aufs Handy mit der Frage bekommen, was denn bei den Stuttgartern abgehe. „Es herrschte dort Verwirrung, keine Verärgerung“, stellte Krkoutli aber klar. Sie kann nachvollziehen, das sich Barna eine vielfältigere Liste habe vorstellen können. Mit der Wortwahl sei sie aber nicht einverstanden. Barna frage sich zudem schon länger, ob er noch in der richtigen Partei sei.
Rücktritt stand schon vorher fest
Der Ex-Sprecher sagt, sein Rückzug sei schon vor seiner Nachricht festgestanden, die Reaktionen hätten ihn aber bestärkt, den Schritt zu unternehmen. Aus der Partei sei er noch nicht ausgetreten – anders als die Sprecherin von Fridays for Future in Stuttgart, Ajla Salatovic. Sie ist von den Grünen zur Partei Die Linke gewechselt.
Ex-Fraktionschef hat es sich anders überlegt
Auf der Kandidatenliste fehlt auch der Name von Andreas Winter, bis vor kurzem noch Sprecher der Gemeinderatsfraktion. Dabei hatte ihn im Juli eine von der Kreismitgliederversammlung beauftragte Kommission im ersten von sechs Zehner-Blöcken platziert – also mit einem sicheren Listenplatz ausgestattet. Der Vorschlag war vom Kreisvorstand einstimmig bestätigt worden. Seitdem sei in ihm aber „der Gedanke gereift, dass es jetzt genug ist“, erklärte Winter. Das habe er dem Kreisvorstand vor der Wahl am vorvergangenen Wochenende mitgeteilt. Allerdings war Winter nicht unumstritten. Eine Kampfkandidatur wäre denkbar gewesen. Einem womöglich unrühmlichen Abgang kam der langjährige Frontman zuvor.
Simone Fischer unter Wert platziert
Erstaunen herrscht nun auch über Platz neun für Simone Fischer. Sie ist als Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung ein Glücksfall für die Partei im Wahlkampf, sodass ihr Platz drei hinter den unangefochtenen Spitzenkandidaten Petra Rühle und Björn Peterhoff eigentlich hätte sicher sein müssen. Diesen Rang nimmt Alicia Böhm, die Vorsitzende der Grünen Jugend Stuttgart, ein.