Komponist aus Esslingen Konstantinos Kalogeropoulos: „Ecken und Kanten machen ein Stück liebenswert“

Gegen die Bezeichnung „musikalischer Tausendsassa“ hat der Esslinger Pianist, Dirigent, Komponist, Klavierlehrer und Chorleiter Konstantinos Kalogeropoulos nichts einzuwenden. Foto: /Gaby Weiß

Der Esslinger Pianist und Komponist Konstantinos Kalogeropoulos sieht als aufmerksamer Beobachter der Musical-Szene die Entwicklung hin zu immer bombastischeren Produktionen kritisch. Er präsentiert nun an der Esslinger WLB ein Kammer-Musical und eine Gala-Show mit Rock-, Pop- und Musical-Hits.

Das Musical erobert sämtliche Bühnen: Sei es am New Yorker Broadway oder im Londoner West End, in Musical- und Stadttheatern oder bei Amateur-Produktionen in Vereinen und an Schulen. Das populäre Musiktheater begeistert mit einer Mischung aus Gesang und Musik, Tanz und Schauspiel das Publikum. Einer, der sich mit Haut und Haaren dem Musical verschrieben hat, ist der Esslinger Pianist, Dirigent, Komponist und Musikwissenschaftler Konstantinos Kalogeropoulos, der die Entwicklung der Sparte sehr genau beobachtet. Und der nun an der Württembergischen Landesbühne (WLB) in Esslingen ein Kammer-Musical und eine Gala-Show mit Rock-, Pop- und Musical-Hits präsentiert.

 

Kontrapunkt zum Bombast an den großen Musical-Theatern

„Musicals sind inhaltlich enorm vielfältig, es gibt tragische, spannende, gesellschaftskritische und humorvolle Stoffe. Im Musical-Format lässt sich vieles erzählen: Dramatisches und Unterhaltsames, Lustiges und Tiefgründiges, Historisches und Aktuelles“, beschreibt Konstantinos Kalogeropoulos seine Faszination für dieses Genre, das – je nach Inszenierung – mit Elementen aus Drama, Komödie, Revue, Ballett, Varieté und Operette aufwartet. An der WLB gastiert er mit dem Kammer-Musical „Die Tagebücher von Adam und Eva“ nach einem Buch von Mark Twain: „Natürlich gibt es in dieser ersten großen Lovestory der Weltgeschichte den verführerischen Apfel und den Baum der Erkenntnis. Aber es gibt in meiner Inszenierung nur wenig schmückendes Beiwerk. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche: Zwei tolle Sänger und Darsteller, schöne Kompositionen und eine gut erzählte Geschichte“, betont Kalogeropoulos, der an diesem Abend am Klavier auch für die Live-Musik zuständig ist.

Bewusst setzt er mit seiner Inszenierung einen Kontrapunkt zur Entwicklung an den großen Musical-Theatern, die immer häufiger auf Bombast setzen: „Da geht nichts ohne gigantische Lightshow, ohne üppiges Bühnenbild, ohne gewaltige Bühnentreppe. Da jagt ein Effekt den nächsten. Da muss es einfach immer lauter ‚Bäm!‘ machen.“ Darunter leide manchmal das korrekte und schöne Singen, bedauert er und sagt, dass bei Groß-Produktionen immer wieder Teile des Gesangs vom Band eingespielt werden. „Das geht gar nicht. Das ist kein Handwerk, und das ist schon gar keine Kunst“, urteilt er hart.

Auf kleinere Musical-Produktionen wie etwa „Once“ oder die „Blues Brothers“ an der WLB lässt er dagegen nichts kommen: „Da haben die Darsteller auch die Freiheit, eine persönliche Note hineinzubringen und ihre Rollen aus sich selbst heraus zu interpretieren. Das hat viel mehr Tiefe und Gewicht. Das Authentische macht das Theater doch erst lebendig.“ Der Perfektionismus der Riesen-Musicals schleife alles glatt: „Dabei machen doch gerade Ecken und Kanten so ein Stück charmant und liebenswert.“ Zumal die immer üppiger werdende Ausstattung ihren Preis habe: „Die Tickets werden immer teurer. Das kann und will sich wirklich nicht jeder leisten.“

Die meisten Musicals – von wenigen Ausnahmen abgesehen – enthalten eine Liebesgeschichte, die in ein Happy End mündet, und meistens gibt es auch eine witzige Figur, die für Lacher sorgt. „Für viele bedeutet der Theaterbesuch, für ein paar unbeschwerte Stunden aus dem Alltag im Beruf, in der Familie, in der Partnerschaft abzutauchen. Wir leben leider in einer Welt voller Probleme, Krisen und Leid, da möchte man auf der Bühne nicht unbedingt noch mehr Probleme, Krisen und Leid miterleben. Das Leichte, das viele Musicals rüberbringen, tut gut in diesen Zeiten“, betont der Musiker.

Ein Hoch auf das Musical

Obwohl Musicals häufig zur „leichten Muse“ gezählt werden, haben es die musikalischen Arrangements oft in sich, weiß der promovierte Musikwissenschaftler. Als Vollblut-Musiker reizt ihn am Musical, dass es stilistisch ein breites Spektrum abdeckt – vom klassischen Arrangement über Swing, Soul, Pop und Schlager bis hin zu Rock und Jazz. Wobei er die Entwicklung durchaus kritisch beobachtet: „Früher gab es noch ausgefeiltere Arrangements. Heute wird leider häufig auf Ohrwurmqualität, auf Pop und Schlager gesetzt.“ Und aus Kostengründen würden viele Produktionen die Zahl der Live-Musiker reduzieren. Kalogeropoulos schätzt konzertante oder halbszenische Aufführungen mit Musikern und Darstellern: „Da entsteht ein konzentriertes Klangfundament. Da geht es um die Musik.“ Er selbst schätzt das Format der Gala, die sich aus dem Fundus erfolgreicher Melodien bedient. So wie seine „Piano Impact. Absolute! Live!“-Show, in der er nun schon zum vierten Mal an der WLB Hits aus Musical, Pop und Rock präsentiert.

Der Macher und seine Veranstaltungen

Der Musiker
Seit er drei Jahre alt ist, spielt Konstantinos Kalogeropoulos Klavier, bis heute übt er täglich etwa zwei Stunden. Nach dem Abitur am Esslinger Georgii-Gymnasium hat er in Stuttgart Musik studiert, sich Masterabschluss, Diplom und Doktortitel erarbeitet. Er ist als Pianist auf Kreuzfahrtschiffen, an Musical-Theatern und bei Pop-Formationen im Einsatz, er hat eigene CDs eingespielt, steht als Dirigent am Pult und ist als musikalischer Leiter an Bühnen in ganz Deutschland gefragt, er produziert eigene Show-Konzepte, und er unterrichtet an der Esslinger Musikschule und leitet zwei Chöre.

Die Shows
Am Samstag, 29. März, gibt es um 19 Uhr im Schauspielhaus der WLB mit „Piano Impact. Absolute! Live!“ zum vierten Mal Hits aus Musical, Pop und Rock. Eine Live-Band und Konstantinos Kalogeropoulos am Piano begleiten stimmgewaltige Musical-Darsteller, den Projektchor der Sängerlust Kornwestheim und das Showteam des TV Hochdorf. Am Sonntag, 30. März, um 15 Uhr ist im Podium 1 der WLB das Kammer-Musical „Die Tagebücher von Adam und Eva“ zu erleben. Karten gibt es unter www.wlb-esslingen.de, unter 07 11 / 96 88 04-110 oder an der Theaterkasse (Strohstraße 1).

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