Komponist schreibt Marsch für Musikverein Ditzingen Zum Geburtstag spielt der Weltenbummler

Von Stefanie Köhler 

Er heißt „Ditzinger Weltenbummler“ und ist ein Werk nur für die Stadtkapelle: Zum 100-Jahr-Jubiläum in 2019 hat Franz Watz dem Ditzinger Musikverein einen Marsch komponiert. Jetzt heißt es üben, üben, üben.

Der Komponist Franz Watz (links) übergibt dem Dirigenten Peter Pfeiffer den Jubiläumsmarsch.. . . . danach spielen die Mitglieder des Musikvereins Stadtkapelle das Werk zum ersten Mal in großer Besetzung. Foto:  
Der Komponist Franz Watz (links) übergibt dem Dirigenten Peter Pfeiffer den Jubiläumsmarsch.. . . . danach spielen die Mitglieder des Musikvereins Stadtkapelle das Werk zum ersten Mal in großer Besetzung. Foto:  

Ditzingen - Zu schnell, zu langsam, zu forsch, zu lasch: Der Ditzinger Musikverein Stadtkapelle hat noch einige Proben vor sich, bevor das Werk der Werke sitzt. Gemeint ist der „Ditzinger Weltenbummler“, der Konzertmarsch, den der Komponist Franz Watz anlässlich des 100. Geburtstags in 2019 für den Musikverein geschrieben hat – und den die Musiker jetzt zum ersten Mal in großer Besetzung eingespielt haben. Die Aufregung unter den rund 64 Bläsern war groß. Schließlich überreicht ein Komponist nicht alle Tage sein Werk druckfrisch und persönlich und übt es auch gleich mit den Musikern. Dabei gab der Haitersbacher (Kreis Calw) den Bläsern einige Anregungen mit. Ihm sei klar gewesen, dass das Werk mehrere Proben erfordere.

„Der Stress ist vorbei, jetzt können wir musizieren“, sagte der 69-jährige Franz Watz, bevor er sich vor die Bläser stellt und die Hände hebt, um als Dirigent den Takt anzugeben. Er bedanke sich „für die Gelegenheit, so ein Stück schreiben zu dürfen“. Seine Hoffnung: Die Musiker verlassen später fasziniert von der Melodie den Raum. Das Stück kommt jedenfalls gut an. „Mir gefällt, was ich höre“, sagt etwa der Vereinsvorsitzende Hans-Martin Bittler.

Es gab nur zwei Vorgaben an den Komponisten

Für den Musikverein stand schon voriges Jahr fest, dass er zum Jubiläum eine Komposition in Auftrag gibt, und zwar einen Marsch. Die Entscheidung fiel auf Franz Watz, „weil er einer der namhaftesten Komponisten für Blasmusik ist“, sagt das Mitglied des Vorstands und Festkomitees, Werner Feiel. Er selbst kenne den Komponisten, der auch Arrangeur und Dirigent ist, seit rund 30 Jahren. Zudem spielte der Musikverein in der Vergangenheit viele seiner Kompositionen.

Eine Voraussetzung für den Jubiläumsmarsch sei gewesen, dass er immer spielbar ist, in jeder Besetzung. „Trotzdem sollte er nicht zu einfach sein“, sagt Werner Feiel. Ansonsten habe man keine Vorgaben gemacht. Im Frühjahr schickte Franz Watz einen ersten Entwurf, dieser wurde mit rund 13 Musikern gespielt. „Das war gleich ein Treffer“, sagt Werner Feiel. Den Marsch im Januar der Öffentlichkeit zu präsentieren, kann er kaum erwarten. „Das ist unser Marsch. Und unsere Partnerkapellen bekommen ihn als Geschenk“, sagt Werner Feiel voller Vorfreude.

Der Brunnen heißt offiziell anders

Dagegen freut sich der Komponist, dass die Musiker seinem „festlich-seriösen“ Werk den, wie er findet, kreativen Titel „Ditzinger Weltenbummler“ gaben. Namensgeber ist der Brunnen in der Marktstraße. „Uns ist der Bezug zu Ditzingen wichtig“, sagt Feiel. Zwar ist die Figur des Künstlers Daniel Wagenblast auf „Weltenfahrer“ getauft, doch „alle nennen den Brunnen Weltenbummler“. Der Verein habe bei der Stadt gefragt, ob er den Marsch Weltenbummler nennen dürfe. Sie hatte keine Einwände, zumal der Brunnen offiziell „Weltenfahrer mit Boot“ heißt.

Nach rund vier Tagen hatte das Konzept für den Marsch laut Franz Watz gestanden. „Melodien hat ein Komponist immer im Kopf“, sagt der 69-Jährige. Danach musste er die verschiedenen Einzelstimmen zu Papier bringen. Hausaufgaben hat übrigens auch Franz Watz mit heim genommen: Ein paar Querflöten brauchen tiefere Töne.

Der Feuerwehr sei Dank

Gründung
Nach dem Ersten Weltkrieg beschlossen die Menschen in Deutschland, die Vereinsarbeit wieder aufzunehmen. Auch die Freiwillige Feuerwehr Ditzingen wurde wieder aktiv. Ein Angehöriger hatte die Idee, eine Musikkapelle zu gründen, die zur Wehr gehört. Ursprünglich sollten die Musiker die Kameradschaft und Geselligkeit fördern. Zudem wollten die Ditzinger mithalten: Im Ort gab es bis 1919 keine Musikkapelle – anders als in den Nachbargemeinden. 14 junge Männer mit Liebe zur Musik meldeten sich auf einen Aufruf hin, der Lehrer und Musiker Gottlob Maisch wurde zum Dirigenten ernannt. Im Gasthaus Zur Rose fand am 20. Juni die erste Musikstunde statt.

Wachstum Im Jahr 1966 wurde Ditzingen in feierlichem Rahmen zur Stadt erhoben – und der Musikverein bekam die Bezeichnung Musikverein Stadtkapelle. Inzwischen gehören dem Musikverein fast 400 Mitglieder an, darunter 65 aktive Musiker in der Stadtkapelle und mehr als 40 aktive junge Leute von neun bis 18 Jahren in den Jugendblasorchestern.

Jubiläum Für das 100-Jahr-Jubiläum im kommenden Jahr hat der Verein ein Programm bis nach Weihnachten zusammengestellt. Den Auftakt der Feierlichkeiten macht der Festakt am 11. Januar in der Hirschlander Karl-Koch-Halle, wo auch der Jubiläumsmarsch „Ditzinger Weltenbummler“ erstmals aufgeführt wird. Im März kommt die Tiroler Blasmusikformation Viera Blech in die Ditzinger Stadthalle.




Veranstaltungen