Konfirmandentreffen nach 50 Jahren Abschied von der Sommerrainkirche
Ehemalige Konfirmanden und Mitglieder des Jugendclubs im Sommerrain haben sich nochmals in der Sommerrainkirche getroffen, um Abschied von dem Haus zu feiern.
Ehemalige Konfirmanden und Mitglieder des Jugendclubs im Sommerrain haben sich nochmals in der Sommerrainkirche getroffen, um Abschied von dem Haus zu feiern.
Es war ein ganz besonderes Erlebnis für alle – das Treffen der ehemaligen Konfirmanden in der Sommerrainkirche, zu dem Karl-Heinz Steidle seine früheren Mit-Konfirmanden und Besucher des Jugendclubs eingeladen hatte, um sich von dem Gebäude zu verabschieden. Dort soll voraussichtlich ein Mehrgenerationenhaus ähnlich dem Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus entstehen. Rund 20 ehemalige trafen sich jetzt wieder, die im Jahr zuvor Goldene Konfirmation gefeiert hatten. Das Besondere: Ihr Pfarrer Gottfried Berger war mit dabei. Er ist jetzt 89 Jahre alt und sagt: „Es war gigantisch“, wenn er an das Zusammensein der Ehemaligen der Jahrgänge 1958 bis 1962 denkt.
Die Ex-Konfirmanden hatten sich an einer langen Tafel in der Kirche zum Brezelfrühstück getroffen. Sie erinnerten sich an die damalige Zeit und dass ihr Pfarrer die Gruppe zusammengehalten habe. Berger hatte damals den Jugendclub gegründet, weil er den Konfirmanden nach dem Fest weiterhin etwas bieten wollte: „Man kann sie nicht nach der Konfirmation einfach wegrennen lassen.“ Und so bot der Pionier in der Jugendarbeit den einstigen jungen Leuten freitags in der Kirche einen Platz zum Treffen an. „Ohne den Mesner Rudi Strobel wäre es nicht möglich gewesen“. Er hat für Gulaschsuppe gesorgt. Es wurden Ausflüge und Freizeiten gemacht. Und gab auch mal kritische Momente, an die sich Berger auch erinnert. So seien einmal „fremde Jungs“ in die Clique gekommen. Als er den Treff gegen 20 Uhr beenden wollte, traf ihn eine Faust im Gesicht. Die Nasenscheidewand war gebrochen. Im damaligen Friedrich-List-Heim wurde er behandelt. Eingestuft wurde die Sache von ihm als „Berufsunfall“ für den Pfarrer, als er gefragt wurde, wer es zahlt.
Es habe Widerstände gegeben, so Berger. Der Jugendclub sei nicht unumstritten gewesen. Es habe einige Zerstörungen gegeben wie beispielsweise Böller in Briefkästen. Er habe immer geradestehen müssen, habe aber auch Gemeindeglieder gefunden, die in den Club mit gegangen seien und die Jugendlichen mit beaufsichtigt hätten. In Zeiten der RAF-Terrors hat er den Gewerkschafter Willi Bleicher in den Jugendclub geholt, den er kannte. „Das war der Höhepunkt.“ Er habe über seine Zeit im Konzentrationslager berichtet. Das sei sehr eindrücklich gewesen, so Berger.
Der Pfarrer freute sich nun, wie sich die Ehemaligen „wahnsinnig ins Zeug gelegt“ und ihn im Schwarzwald ausfindig gemacht haben, „eine späte Genugtuung und Streicheleinheit“. Der frühere Konfirmand Steidle, gelernter Schreiner und Kaufmann, erinnerte die lange Tafel in der Kirche auch an das in Rom erlebte Leonardo da Vinci-Bild vom letzten Abendmahl.
Er freute sich nicht nur über den gemeinsamen Luftballonstart zum Thema Frieden mit persönlichen Wunschkarten, auch über die Gemeinschaft am Tisch und formulierte es in seinen Gedanken an die Ehemaligen so: „Mitten im Lärm der Welt, mitten in den unsäglichen Zerstörungen der gegenwärtigen Kriege sehe ich und spüre ich, wie wichtig die kleinen Zeichen sind, in denen wir Gottes Nähe erleben dürfen. Im geteilten Brot, in einem freundlichen Blick, in einem Gebet, im gelingenden Miteinander.“ Somit habe dieser Sonntag für ihn und die anderen eine besondere Symbolik, in Dankbarkeit, in Freude und Frieden, auch, wenn die Sommerrainkirche für immer geschlossen werde.
Auch die ehemalige Konfirmandin Sigrid Kost, 66, die noch im Sommerrain wohnt, empfand das Treffen als „sehr schön und gelungen“. Sie war 1973 dort konfirmiert worden. Wichtig sei die Erinnerung, was entstanden sei, dass es vom Glauben erhalten werde und das Erlebnis, wie viel Verbundenheit noch da sei. Kost wünscht sich, dass auf dem neuen Areal wieder etwas entsteht, „wo sich Gemeinschaft entwickeln kann“. Im kommenden Jahr wollen sie sich wieder treffen. Und besonders an den Mesner erinnern – mit Gulaschsuppe, wie Berger sagt.