Konflikt am Persischen Golf Großbritannien droht dem Iran - Trump alarmiert

Von red/dpa 

Die Zwischenfälle in der Golfregion häufen sich in gefährlichem Maße. Der Iran hat einen unter britischen Flagge fahrenden Öltanker festgesetzt. Der US-Präsident schickt Soldaten nach Saudi-Arabien.

Die Behörden der Provinz Hormusgan teilten mit, die „Stena Impero“ sei in den Hafen von Bandar Abbas eskortiert worden. Foto: AFP
Die Behörden der Provinz Hormusgan teilten mit, die „Stena Impero“ sei in den Hafen von Bandar Abbas eskortiert worden. Foto: AFP

London/Teheran/Washington/Berlin - An der Straße von Hormus droht die Konfrontation mit dem Iran gefährlich außer Kontrolle zu geraten. Iranische Revolutionsgarden (IRGC) haben kurz hintereinander zwei britische Tanker festgesetzt; nur einer konnte kurze Zeit später weiterfahren. Im Schulterschluss mit den USA droht Großbritannien dem Iran mit ernsten Konsequenzen. Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, Soldaten nach Saudi-Arabien, dem Erzfeind des Irans, zu verlegen. Nach Informationen von US-Medien geht es um bis zu 500 Soldaten. Die Verlegung dient nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom vom Freitagabend der Abschreckung. Saudi-Arabien hatte die Stationierung zuvor begrüßt.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt sprach am Samstag von einem riskanten Manöver der iranischen Revolutionsgarden. Die Aktion am Freitagabend deute darauf hin, dass der Iran einen „gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens“ beschreite, schrieb Hunt im Kurznachrichtendienst Twitter. Über mögliche Gegenmaßnahmen wollten das Außenministerium in London auf Anfrage keine Auskunft geben.

Für Hunt ist der Vorfall im britischen Gibraltar wohl der Auslöser des iranischen Vorgehens. Dort war Anfang Juli ein Supertanker mit Öl aus dem Iran, das für Syrien bestimmt gewesen sein soll, an die Kette gelegt worden. Die Lieferung verstoße gegen EU-Sanktionen, hieß es. Am Freitag ordnete der Oberste Gerichtshof Gibraltars an, die Dauer der Festsetzung des Schiffes um 30 Tage bis zum 20. August zu verlängern.

Deutschland und Frankreich zeigten sich solidarisch mit Großbritannien. „Die Bundesregierung verurteilt die Festsetzung von zwei Handelsschiffen im Golf auf das Schärfste“, erklärte ein Sprecher des Berliner Außenministeriums am Samstag. „Dies ist ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die zivile Schifffahrt, der eine ohnehin angespannte Lage gefährlich weiter verschärft.“

Der neue Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte zuletzt um 1,14 US-Dollar auf 63,07 Dollar zu.

Der britische Außenminister sagte am Freitagabend in einem Interview des Senders SkyNews, seine Regierung erwäge zunächst keine militärische Antwort: „Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen.“

Vor einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London hatte Hunt mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo gesprochen. Es gab demnach Versuche, den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad zu kontaktieren.

Trump will sich mit britischer Regierung abstimmen

Trump will sich eng mit der britischen Regierung abstimmen. „Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen“, sagte Trump am Freitag (Ortszeit) vor Journalisten.

Das US-Militär teilte mit, es habe Aufklärungsflugzeuge in der Region im Einsatz, die im internationalen Luftraum operierten. Die Vereinigten Staaten treiben derzeit eine militärische Initiative namens „Operation Sentinel“ zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran.

Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Die Iranischen Revolutionsgarden hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Die Behörden der Provinz Hormusgan teilten mit, die „Stena Impero“ sei in den Hafen von Bandar Abbas eskortiert worden.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, der Tanker habe sein GPS-Signal ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für die Ausfahrt der Schiffe vorgesehen ist, in die Meerenge eingefahren und habe eine Kollision riskiert.

Die schwedische Reederei „Stena Bulk“, der das Schiff gehört, teilte dagegen mit, der Tanker habe sich an sämtliche internationalen Vorschriften gehalten. Mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern fuhr. Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die „Stena Impero“ gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormus passiert hatte.

Kurz darauf wurde der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Mesdar“ des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde die „Mesdar“ nach dreieinhalb Stunden wieder freigegeben. Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff verlassen.

Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete zu diesem Vorfall, die Besatzung sei routinemäßig von der Marine über die Umweltvorschriften im Persischen Golf aufgeklärt worden.

Während die Situation droht, aus dem Ruder zu laufen, beauftragte Trump den republikanischen Senator Rand Paul, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Der Senator habe seine Hilfe angeboten, erklärte Trump. „Wir werden sehen, was passiert.“

Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt, die das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden sollen. Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.