Konflikt bei Mercedes Rettung für 400 von 600 Leiharbeitern in Rastatt

Ein Blick in die Rastatter Mercedes-Produktion Foto: picture alliance/dpa/Uli Deck
Ein Blick in die Rastatter Mercedes-Produktion Foto: picture alliance/dpa/Uli Deck

Genugtuung im Arbeitnehmerlager: Hunderte Zeitarbeiter, die Mercedes-Benz in Rastatt zum Ende September zunächst nicht weiter beschäftigen wollte, werden demnächst unbefristet übernommen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Rastatt - Der Druck von Betriebsrat und IG Metall hat gewirkt: Statt, wie angekündigt, 600 Leiharbeiter zum 30. September auf die Straße zu setzen, stellt Mercedes in seinem Rastatter Werk viele von ihnen in absehbarer Zeit fest ein. Damit konnte ein größerer Konflikt zwischen Arbeitgeber und Belegschaft vermieden werden.

Konkret erhalten 398 Dekra-Beschäftigte von Mercedes eine Übernahmegarantie. Die Übernahmen sollen schrittweise vom Februar 2022 bis März 2023 erfolgen. „Die Beschäftigungs- und Standortsicherung stand für uns immer an vorderster Stelle“, sagte Murat Sür, der Betriebsratsvorsitzende in Rastatt. Nun sei für annähernd 400 Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsplatz gesichert worden. „Durch die Übernahmen gewährleisten wir auch, dem Anspruch als Leadwerk der Compact-Cars gerecht werden.“

„Konflikt wird Spuren hinterlassen“

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht betonte: „Unser Einsatz hat sich gelohnt.“ Somit sei vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Leiharbeit eine verbindliche Perspektive Benz gegeben worden, die sich jahrelang für den Erfolg des Unternehmens eingesetzt hätten. „Diese Lösung ist anständig.“

Matthias Bressler-Bieth, Mitglied der Verhandlungskommission, resümiert: „Das Ergebnis stellt zumindest den sozialen Frieden wieder her.“ Der Konflikt werde aber mit Sicherheit Spuren hinterlassen.

„Soziale Verpflichtung in Krisenzeiten“

Roman Zitzelsberger, der baden-württembergische Bezirksleiter der IG Metall, hatte noch in der Vorwoche von einem „Skandal sondersgleichen“ gesprochen. Es dränge sich der Verdacht auf, „dass sich das Unternehmen einen schlanken Fuß machen will“– indem es die Übernahmeverpflichtung nicht einlöst, weil die Leihkräfte kurz vor ihrem 48. Beschäftigungsmonat stehen. „Auch in Krisenzeiten muss das Unternehmen seiner sozialen Verpflichtung nachkommen“, mahnte er nun.

Der zweite Bevollmächtigter der IG Metall Gaggenau, Bodo Seiler, kündigte für die Gewerkschaft an, den anstehenden Prozess eng zu begleiten. Nun müssten noch gute und pragmatische Lösungen für die restlichen Leiharbeiter gefunden werden, die noch nicht über eine längere Einsatzzeit bei Mercedes-Benz in Rastatt verfügten.

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