Konflikt im Nahen Osten Das neue Power-Duo in Nahost?

Von Thomas Seibert 

Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten lassen neue Bündnisse in der Region entstehen. Die neuste und sehr erstaunliche Entwicklung: Saudi-Arabien und Israel nähern sich im Kampf gegen das Regime im Iran immer weiter an.

Auf den Golan-Höhen stehen sich die Gegner Israel und Iran fast Auge in Auge gegenüber. In einer israelischen Stellung weist ein Schild den Weg nach Damaskus. Foto: AP
Auf den Golan-Höhen stehen sich die Gegner Israel und Iran fast Auge in Auge gegenüber. In einer israelischen Stellung weist ein Schild den Weg nach Damaskus. Foto: AP

Jerusalem - Im Konflikt mit dem Iran erhält Israel Beistand von ungewohnter Seite. Per Twitter betonte der Außenminister Bahrains, Scheich Khalid al-Khalifa, der jüdische Staat habe das Recht auf Selbstverteidigung. Da das kleine Bahrain häufig als Sprachrohr des großen Nachbarn Saudi-Arabien fungiert, ist die Unterstützungsbekundung für Israel bedeutend. Diese Annäherung ist nur eine von mehreren neuen Entwicklungen im Nahen Osten. Was steckt hinter den neuen Allianzen? Irans Nachbarn fürchten den wachsenden Einfluss Teherans. Der Iran mischt im Irak und in Syrien ebenso mit wie im Jemen und im Libanon. Ziel sei die Errichtung eines „schiitischen Bogens“ von Teheran bis zum Mittelmeer, sorgen sich die sunnitischen Staaten der Region. In dem Streit spielen die religiösen Differenzen zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen nur eine untergeordnete Rolle – es geht um die Macht im Nahen Osten. Mancherorts füllen die Iraner ein Vakuum. Im Irak profitierten sie vom Desaster des dortigen US-Feldzuges. In Syrien stehen sie dem Regime von Präsident Baschar al-Assad bei, im Jemen helfen sie den Huthi-Rebellen. Wer steht auf der Seite der Iraner? Teheran kann sich auf die syrische Regierung und auf die Hisbollah im Libanon verlassen. Mit Einschränkungen darf der Iran auch auf Russland zählen. Beide Staaten ziehen in Syrien an einem Strang, allerdings will Moskau eine iranische Vorherrschaft und den Bau einer iranischen Atombombe verhindern. Zusammen mit der Türkei bilden Russland und der Iran ein Trio, das im Syrien-Konflikt eng kooperiert. Mit Ankara hilft der Iran auch dem Golf-Emirat Katar, das von Saudi-Arabien und drei anderen arabischen Staaten seit dem vergangenen Jahr mit einem Embargo belegt wird. Wie sieht die Annäherung aus? In den Augen der saudischen Führung hat der Iran längst Israel in der Rolle des Hauptfeindes in der Region abgelöst, auch wenn die Araber offiziell nach wie vor den jüdischen Staat ablehnen. Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman, genannt MBS, hat Israels Existenzrecht anerkannt und soll dem jüdischen Staat einen Geheimbesuch abgestattet haben. Vorsichtig wird die Annäherung auch konkret umgesetzt. So erteilte Saudi-Arabien im Frühjahr der indischen Fluggesellschaft Air India die Erlaubnis, bei Flügen von und nach Israel den saudischen Luftraum zu durchqueren, was bis dahin streng verboten war. Der israelische Armeechef Gadi Eisenkot deutete Ende vergangenen Jahres eine geheimdienstliche Zusammenarbeit seines Landes mit Saudi-Arabien an. Ist eine feste Allianz zwischen Israel und den Saudis zu erwarten? Ob sich Israel und Saudi-Arabien künftig zu einem echten Duo in der Region entwickeln können, ist offen. Unterschiedliche Interessen, die saudische Innenpolitik und die harte israelische Haltung im Umgang mit den Palästinensern bremsen die Partnerschaft. So würde Saudi-Arabien gerne die pro-iranische Hisbollah im Libanon ins Visier nehmen, doch Israel konzentriert sich lieber auf die Gefahr, die von den iranischen Truppen in Syrien ausgeht. MBS hat zudem einige Probleme zu Hause. Nachdem das saudische Königshaus den Widerstand gegen Israel jahrzehntelang zum Grundsatz erhoben hat, ist eine offene Parteinahme für den jüdischen Staat für MBS höchst gefährlich. Die saudische Bevölkerung sei für einen jähen Schwenk zugunsten des jüdischen Staates nicht zu haben, sagt Bilal Saab vom Middle East Institute in Washington. Die iranische Regierung nutzt dies für seine Zwecke. Revolutionsführer Ali Khamanei nennt Saudi-Arabien, die Hüterin der heiligsten Stätten des Islam, wegen des pro-westlichen Kurses in Riad aber einen „Sklaven“ Amerikas. Liebend gerne würde MBS deshalb Kompromisse Israels in der Siedlungsfrage oder bei anderen Streitthemen sehen, um eine Vertiefung des Bündnisses mit Israel innenpolitisch rechtfertigen zu können. Bisher zeigt die Regierung von Benjamin Netanjahu aber keinerlei Neigung dazu. Welche Position beziehen die USA? Die israelisch-saudische Allianz wird von der Regierung Donald Trumps nach Kräften vorangetrieben. Langfristig schwebt Trump eine Konstellation vor, in der starke Partner der USA den Nahen Osten kontrollieren und Washington damit ein kostspieliges Engagement ersparen. Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragter Jared Kushner, ein frommer Jude, ist ein enger Freund von MBS. Die neue anti-iranische Front zeigte sich auch darin, dass Trump nach seiner Entscheidung zur Aufkündigung des Iran-Abkommens am Dienstag den lautesten Applaus aus Israel, Saudi-Arabien und Bahrain erhielt.