Konflikt Schiffe, wie gemacht für eine Invasion

Schiffe mit ausgefahrenen Rampen in chinesischen sozialen Medien Foto: cf

Chinas Militär hat Schiffe gebaut, die auf Pläne für eine Invasion Taiwans hindeuten. Auf der demokratischen Insel, die China ihr Eigen nennt, ist man alarmiert.

Diese Schiffe sind riesig. An einem Strand in Südchina stehen sie hintereinander, verbunden durch 120 Meter lange Brücken, und bilden eine Art Straße auf der See. Sie sehen aus, als könnten sie schweres Militärfahrzeug wie Panzer transportieren. Durch Schiffe und ausfahrbare Brücken wird so ein fester Transportweg errichtet.

 

Zu sehen sind die Schiffe in einem acht Sekunden langen Video, das in China kursiert und über das das Militärportal Naval News berichtet hat. Beim Anschauen des Kurzfilm drängt sich unweigerlich die Frage auf: Ist dies ein neuer Angriffsplan Chinas? Erstmals berichtete die auf maritime Nachrichten spezialisierte Webseite im Januar über die „Shuqiao“ genannten Schiffe. Das von Peking aus regierte Festlandchina sieht Taiwan als Teil des eigenen Territoriums.

Um zwei separat regierte Staaten handelt es sich seit dem Chinesischen Bürgerkrieg, der 1949 endete, als die siegreichen Kommunisten um Mao Tse-tung das Festland übernommen und sich die Nationalisten um Chiang Kai-shek auf die Insel Taiwan abgesetzt hatten. Bis in die 1980er wurde Taiwan als Diktatur regiert, heute ist es eine Demokratie. Der Pekinger Ein-Parteienstaat will sich mit dem Zustand nicht zufrieden geben. Zumal es für Staatschef Chinas Xi Jinping nicht um Folklore geht. Hätte China Taiwan unter Kontrolle, hätte das Militär einen besseren Zugang zu den Weltmeeren, was für eine expandierende Großmacht von zentraler Bedeutung ist. Beim Nationalen Volkskongress Anfang März wurde erneut eine klare Wehretaterhöhung beschlossen. Seinem Militär hat Xi das Ziel gegeben, bis 2027 bereit für eine Invasion Taiwans zu sein.

Die neue Technologie soll offenbar dabei helfen. „Diese Lastschiffe sind für das Szenario einer Taiwan-Invasion gebaut worden“, urteilt Andrew Erickson, Professor für Militärstrategie am China Maritimes Studies Institute in den USA, gegenüber der Zeitung „The Guardian“. Ein taiwanischer Politiker, der zuvor im Militär arbeitete, zeigt sich unbeeindruckt: Taiwan habe ein neues Artilleriesystem, das die Schiffe zerstören könnte. Je mehr China es mit diesen Riesenschiffen versuche, desto leichter für Taiwan.

Von anderer Seite kommt der Hinweis, dass die Lastschiffe wohl kaum die erste Reihe in einer Invasion spielen würden, sondern erst dann zum Einsatz kämen, wenn Pekings Militär schon Taiwans Luftwaffe und Marine geschwächt hätte. Die Länge der Träger, schätzen Fachleute, könnte es ermöglichen, einen unwegsamen Strand oder Küstenfelsen zu überbrücken – und auf diese Weise Panzer und Soldaten auf der Insel abzuladen. In Taiwan selbst ist man derzeit besonders alarmiert. Diese Woche erklärte die Immigrationsbehörde die Aufenthaltserlaubnis einer beliebten Influencerin aus Festlandchina, die in Taiwan lebt und die Pläne Xis für eine Invasion nach Taiwan über Tiktok bewirbt, für ungültig. Trotz der höchst angespannten Beziehungen zwischen Taiwan (offiziell: Republik China) und Festlandchina (offiziell: Volksrepublik China) ist es – zumal in einem Staat mit Presse- und Meinungsfreiheit – ein recht ungewöhnlicher Schritt.

Taiwans seit rund einem Jahr regierender Präsident William Lai, der die wirtschaftliche Abhängigkeit von Festlandchina reduzieren will und sich immerzu international um Beistand bemüht, nennt die Regierung in Peking eine „feindliche ausländische Macht“. Am Donnerstag betonte er zudem, dass die Sicherheit seines Landes durch das Festland mehrfach bedroht sei. Spionage und Infiltrierung gefährdeten die nationale Souveränität Taiwans.

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