Wieder sind in Ludwigsburg Schüsse gefallen. Wieder in der Oststadt – aber nicht auf Menschen. Foto: Simon Granville
Der Konflikt zweier Security-Unternehmen geht trotz mehrerer Festnahmen weiter. In der Nacht auf Dienstag wurde auf ein Büro in der Oststadt geschossen.
Vor einem unscheinbaren Bürogebäude in der Oststadt herrscht eine spürbar angespannte Stimmung. Die Polizei sichert Spuren, äußert sich jedoch nicht zu den Ereignissen der vergangenen beiden Nächte. Kein Wunder: Der Fall Frost – der wohl aufsehenderregendste Kriminalfall der Region – scheint erneut in offene Gewalt umgeschlagen zu sein.
In der Nacht zum Montag wurde ein Brandanschlag auf ein Security-Büro in der Hindenburgstraße an der Ecke Jägerhofallee in Ludwigsburg verübt – nur 500 Meter entfernt vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Darüber hinaus wurden in der Nacht darauf, am frühen Dienstagmorgen gegen 1.30 Uhr, mehrere Schüsse auf den Eingangsbereich des Büros abgegeben. Verletzt wurde offenbar niemand.
Am Dienstagmorgen ist die Spurensicherung der Polizei vor Ort. Foto: Simon Granville
Ein Auto, möglicherweise ein VW, soll laut Pressemitteilung der Polizei anschließend mit hoher Geschwindigkeit über die angrenzende Jägerhofallee in unbekannte Richtung davon gefahren sein. Die Polizei führte noch in der Nacht eine großangelegte Fahndung durch, die jedoch zu keinem Ergebnis führte.
Zwei voneinander unabhängige Quellen bestätigen, dass es sich bei dem betroffenen Security-Unternehmen um jenes aus dem Fall „Frost“ handelt. Es ist dieselbe Firma, in der die beiden Männer arbeiten, auf die am 26. April vergangenen Jahres geschossen wurde. Auch der Mann, der am 12. Mai in Tamm angeschossen und dabei schwer verletzt wurde, ist bei diesem Security-Unternehmen beschäftigt.
Aus dem Umfeld der Betroffenen ist zu hören, dass bei den Opfern Verwunderung über den erneuten Ausbruch der Gewalt herrscht. Auch die Ermittler der Sonderkommission Frost sowie die zuständigen Staatsanwaltschaften dürften überrascht gewesen sein. Trotz mehrerer Razzien und Festnahmen in diesem Tatkomplex scheint die Fehde offenbar unvermindert weiterzugehen.
Die Hintergrundgeschichte
Der Fall Frost begann mit den Schüssen am 26. April in der Oststadt. Es folgten ein Brandanschlag auf ein Auto in Bietigheim-Bissingen sowie der mutmaßlich versuchte Mord in Tamm. Seit dem Sommer ermittelt in diesem Zusammenhang die eigens eingerichtete Sonderkommission „Frost“.
Im Herbst schlugen die Ermittler immer wieder zu. Zwei Niederländer wurden im Zusammenhang mit dem Angriff in Tamm festgenommen. Anfang November folgten die ersten Festnahmen im Fall der Schüsse in der Oststadt. Am selben Tag durchsuchte die Sonderkommission zudem Objekte, die mit der Brandstiftung in Bietigheim-Bissingen in Verbindung stehen sollen.
Eine Woche später griff die Soko „Frost“ erneut durch – diesmal wieder im Zusammenhang mit den Schüssen in Tamm. Die Wohnungen von vier Beschuldigten wurden durchsucht. Sie sollen die mutmaßlichen niederländischen Täter beauftragt und unterstützt haben.
Die Polizei hat die Spuren des Angriffs bereits festgehalten. Foto: Simon Granville
Eine ganz neue Dimension erhielt der Fall schließlich am 14. November. Der zuvor wie ein Bandenkrieg wirkende Konflikt zweier Security-Firmen entwickelte sich zu einem Korruptionsskandal. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn teilte mit, dass sie aufgrund von Hinweisen der Soko „Frost“ gegen sieben Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, unbefugt Daten weitergegeben zu haben.
Richter befinden sich nicht unter den Beschuldigten. Gegen einen Wachtmeister sowie zwei mutmaßliche Auftraggeber wurden Haftbefehle erlassen. Sie befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Ob die Daten den Tatkomplex Frost betreffen und welche Art der Information herausgegeben wurde, ist bislang unklar.