Am Samstag hat Thomas Leitz ein letztes Mal Boote verliehen, am Sonntag zog er sie endgültig aus dem Wasser. Sein Pachtvertrag wurde nicht verlängert. Der Stadtteilausschuss Eglosheim, Oberbürgermeister Matthias Knecht und Landrat Dietmar Allgaier hatten noch vergeblich versucht, zwischen Leitz und der Hofkammer des Hauses Württemberg zu vermitteln – doch die Fronten sind verhärtet. Für Leitz ist Schluss, eine Rückkehr der Boote ist derweil ungewiss.
Die Geschichte von Thomas Leitz und dem Bootsverleih beginnt in den 1980er Jahren. Als Zwölfjähriger habe er bereits Besuchern aus den Booten geholfen und auf ein wenig Trinkgeld gehofft, sagt Leitz. „Ich war häufiger hier auf dem Gelände als irgendwo sonst.“ Ein Wegbegleiter nennt ihn einen „echten Monreposler“. Der damalige Bootsverleiher Rolf Jäger nimmt den jungen Leitz unter seine Fittiche, zeigt ihm das Geschäft und die Werkstatt.
Leitz ist Ende 20 und als Schreiner tätig, als ihn Rolf Jäger fragt, ob er den Verleih übernehmen will. „Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, vor allem, ob ich wirklich im Sommer jedes Wochenende arbeiten will“, erinnert sich Leitz. Zudem der Druck, im Sommer genug Geld zu verdienen, um damit durch den Winter zu kommen. Am Ende schlägt Leitz ein, übernimmt im Sommer 1999 den Verleih und bringt erst einmal die Bootsflotte auf Vordermann.
So kam es zum Konflikt
Viele Besucher der Domäne Monrepos kennen Leitz, das merkt man an diesem letzten Betriebstag – immer wieder wird er in Gespräche verwickelt. Unter anderem von Elke Melber, laut eigener Aussage Stammgast des Bootsverleihs. Schon als Kind sei sie mit ihren Eltern hier herum geschippert. „Ohne die Boote wird etwas fehlen, das gehört zum Monrepos einfach dazu“, sagt Melber. Sie sei traurig, aber auch wütend auf die Hofkammer, dass keine Lösung gefunden wurde. „Hier wird den Menschen die Freude genommen.“
Zeitsprung in den August 2023, der Anfang vom Ende des Bootsverleihs. Die Hofkammer des Hauses Württemberg will Gespräche mit ihrem Pächter Thomas Leitz aufnehmen, es geht um ein neues Konzept für den Pachtvertrag. Laut Recherchen dieser Zeitung soll es dabei unter anderem um neue Auflagen für den Bootsverleih und einen höheren Pachtpreis gegangen sein. Die Instandhaltung des Sees für den Bootsbetrieb übersteige die Pacht bei Weitem, rechtfertigt die Hofkammer die Erhöhung. Die Monate vergehen, doch Pächter und Verpächter finden nicht zueinander.
Es ist Februar 2024, die Wolken verdunkeln sich weiter. Laut der Hofkammer hätten Baumpfleger etliche Bäume entdeckt, die in den See und damit auf Boote stürzen könnten. Zum Start der Saison werden die Kanäle um die Inseln abgesperrt, doch die Gefahr für die Besucher bestehe weiter, so die Hofkammer. Zudem hafte die Hofkammer-Spitze falls ein Unfall passiert. Der Bootsbetrieb muss eingestellt werden, der Pachtvertrag wird nicht verlängert. Es gehe um die Sicherheit, sagt die Hofkammer. Alles nur vorgeschobene Argumente, entgegnet Thomas Leitz. Die Hofkammer betont, dass sie Leitz eine Brücke gebaut habe, um vielleicht schon im nächsten Jahr weiterzumachen. Davon habe er nichts mitbekommen, erwidert der Bootsverleiher.
Beziehung „irreparabel geschädigt“
„Die Beziehung zwischen den beiden Vertragspartnern ist wohl irreparabel geschädigt“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht, der mit Landrat Allgaier und dem Stadtteilausschuss Eglosheim versucht hatte, eine Lösung zu finden. Knecht scheint hin- und hergerissen, er versteht die Motive beider Seiten. Mit der emotionalen Diskussion sei eine Grenze gegenüber der Hofkammer überschritten worden, gleichzeitig sei der Zeitpunkt des Pachtendes „unglücklich“. Wenigstens eine Vertragsverlängerung bis zum Herbst sei wünschenswert gewesen.
Das Ende des Pachtvertrags müsse nicht das Ende des Bootsverleihs sein, deutet derweil die Hofkammer in dieser Woche an. Es stehe ein Gesprächstermin mit dem Landratsamt an, bei dem man klären möchte, ob Bäume im „großen Umfang“ gefällt werden dürften. Falls das möglich ist, könnte die Sicherheit wieder hergestellt werden und die Boote zurückkehren. Das alles aber ohne Thomas Leitz, da sind sich beide Konfliktparteien ausnahmsweise einig.
Zurück am See, der letzte Tag des Bootsverleihs. Ein Mann drückt Leitz einen Zettel in die Hand, darauf Name und Nummer eines Bootsverleihs am Königssee. Er habe so viele Erinnerungen an das „Bootle fahren“ und wolle helfen, sagt Andreas Geisler aus Ludwigsburg. Dabei habe er sich an einen Ausflug nach Bayern erinnert: „Die haben dort genau die gleichen Ruderboote, vielleicht kaufen die welche ab.“ Der Tipp kommt gelegen, denn Leitz will einen Schlussstrich ziehen und in den kommenden Wochen seine Boote nach und nach verkaufen. Das große Geld erwartet er dabei nicht: „Neu waren die Tretboote einmal 10 000 Euro wert, jetzt kann ich froh sein, wenn ich noch 2000 dafür bekomme.“ Und dann? Das wisse er nicht, 25 Jahre sei der Verleih sein Leben gewesen. Zurück in den Schreinerberuf wolle er nicht, sagt der 57-Jährige. „Ich kann diese ganzen Maschinen nicht mehr bedienen, und auf Montage gehe ich auch nicht mehr.“