Konjunktur EZB: Keine Hinweise auf unkontrollierte Inflation

Der kräftige Anstieg der Teuerungsraten dürfte nach Einschätzung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel bald beendet sein. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Foto: dpa
Der kräftige Anstieg der Teuerungsraten dürfte nach Einschätzung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel bald beendet sein. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die stark steigenden Preise machen vielen Verbraucher Sorge. Unterschätzen Europas Währungshüter die Inflation? Die Notenbank versucht, den Menschen etwas Hoffnung zu machen.

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Frankfurt/Main - Der kräftige Anstieg der Teuerungsraten dürfte nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bald beendet sein.

"Wir gehen davon aus, dass im November der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht ist und dass die Inflation im kommenden Jahr wieder allmählich zurückgehen wird, und zwar in Richtung unseres Inflationsziels von zwei Prozent", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Und tatsächlich gehen die meisten Prognosen sogar davon aus, dass die Inflation unter diese zwei Prozent fallen wird. Und insofern kann man eigentlich keine Hinweise darauf sehen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät."

Die Teuerungsraten klettern seit Monaten sowohl in Deutschland als auch im Euroraum insgesamt. Die Werte entfernten sich zuletzt immer mehr vom Ziel der EZB, mittelfristig im Währungsraum bei einer Inflation von 2 Prozent für stabile Preise zu sorgen. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft, Verbraucher können sich für einen Euro dann weniger kaufen als zuvor.

Verständnis für Sorgen

Sie könne sehr gut verstehen, dass viele Menschen sich derzeit Sorgen machten über die sehr hohen Inflationsraten, sagte Schnabel. "Aber man muss eben verstehen, dass das zu tun hat mit dieser sehr außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation der Pandemie: Nach den Lockdowns ist die Wirtschaft erstaunlich schnell wieder angesprungen, die Nachfrage ist angestiegen, und die Unternehmen sind mit der Produktion nicht mehr hinterhergekommen." Die Folge seien Lieferengpässe und Rohstoffknappheiten.

Hinzu kämen statistische Sondereffekte, "dass wir nämlich heute deshalb so hohe Inflationsraten haben, weil die Preise vor einem Jahr besonders niedrig waren", erklärte Schnabel. Betrachte man den Vergleich zum Zeitpunkt vor der Pandemie, betrage die Teuerungsrate in Deutschland durchschnittlich nur ungefähr zwei Prozent.

Schnabel betonte, die EZB sei dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet: "Wenn wir sehen, dass sich die Inflation dauerhaft auf einem höheren Niveau als zwei Prozent festsetzen könnte, dann werden wir natürlich ganz entschlossen reagieren."

Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldpolitik die Inflation noch anzuheizen, weil die Notenbank über Anleihenkäufe Milliardensummen in die Märkte pumpt. Zudem hält die EZB die Zinsen seit Jahren auf einem Rekordtief. "Wir haben natürlich das Instrumentarium, um die Geldpolitik zu straffen", sagte Schnabel. "Aber im Moment wäre es eben ein Fehler, die Zinsen frühzeitig zu erhöhen und damit den Aufschwung zu bremsen. Denn das würde im Wesentlichen zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen und würde an der aktuell sehr, sehr hohen Inflation gar nichts mehr ändern können."

© dpa-infocom, dpa:211129-99-183295/2

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