Konjunktur in Baden-Württemberg Mehr Aufträge für Wirtschaft im Südwesten

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Die Lage der Wirtschaft im Südwesten hat sich etwas verschlechtert, die Aufträge ziehen jedoch an. Dies ist das Fazit einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern.

Die Krise in der E Foto: dpa
Die Krise in der E Foto: dpa

Stuttgart - Nachdem sich die Lage der Wirtschaft im Südwesten zum Auftakt des Jahres etwas verschlechtert hat, setzen viele Unternehmen nach der jüngsten Umfrage der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHK) nun auf eine allmähliche Belebung der Konjunktur in den kommenden Monaten. Demnach registriert jedes vierte Unternehmen steigende Auftragseingänge, nur noch jeder fünfte Betrieb berichtet über eine schlechtere Auftragslage. Damit meldeten die hiesigen Unternehmen insgesamt zum ersten Mal seit dem Herbst des vergangenen Jahres wieder eine steigende Nachfrage.

Frische Impulse kommen dabei vor allem aus dem Ausland, insbesondere aus den asiatischen und südamerikanischen Schwellenländern. Die Inlandsnachfrage bereitet dagegen der Mehrheit der Unternehmen nach wie vor gewisse Sorgen. Zwar haben sich die Bestellungen aus dem Inland weiter stabilisiert, ihr Abwärtstrend ist aber noch nicht gestoppt. An der Umfrage haben sich knapp 4100 Unternehmen aller Branchen, Landesteile und Größenklassen beteiligt.

Die konjunkturelle Erholung ist nach Einschätzung von Andreas Richter, dem Hauptgeschäftsführer der Stuttgarter IHK, jedoch alles andere als ein Selbstläufer. Die Unternehmen seien derzeit sehr vorsichtig bei Investitionen oder bei der Einstellung neuer Mitarbeiter, berichtete Richter bei der Präsentation der Umfrageergebnisse. Die Investitions- und Beschäftigungspläne haben sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig verschlechtert. Aus Gesprächen mit Unternehmern wisse er, dass es viele Anfragen für Aufträge gebe, die aber noch nicht freigegeben würden, sagte Richter. Wenn sich die Hoffnung der Unternehmen in den kommenden Monaten erfülle, könnte die Konjunktur im nächsten Jahr auf Touren kommen.

Verunsicherung schafft nach Angaben von Richter die Verschlechterung der Lage in den vergangenen Monaten. „Die andauernde Krise in der Eurozone hat nicht dazu beigetragen, das Vertrauen in die europäische Wirtschafts- und Währungspolitik zu stärken“, sagte Richter. Die Krise habe zu sinkendem Absatz und Umsatz sowie zu einer geringeren Kapazitätsauslastung geführt. Aktuell beurteilen 37 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut. Zum Jahresbeginn waren es noch 43 Prozent. Etwa ein Zehntel der Betriebe, mehr als bei der letzten Umfrage, sind nicht zufrieden. Im langfristigen Vergleich ist die aktuelle Situation nach Angaben der IHK jedoch weiterhin als recht ordentlich bis gut zu bezeichnen.

Auch die Steuerpläne der Sozialdemokraten und Grünen führen nach Angaben des IHK-Hauptgeschäftsführers zu Verunsicherung. Die Wiedereinführung der Vermögensteuer könnte nach Berechnungen der IHK dazu führen, dass die Steuerquote auf 70 Prozent steige. Dies würde vielen Unternehmen die notwendigen Mittel für Forschung und Entwicklung entziehen, kritisierte Richter. Außerdem könnte es sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken. Viele Unternehmen würden zunächst einmal abwarten, wie die nächste Bundestagswahl ausgeht.

Als gefährlich bezeichnete Richter auch die Diskussion über Handelssanktionen gegen China. Die EU-Kommission hat grünes Licht für Strafzölle auf Solarmodule aus China gegeben, die allerdings noch nicht umgesetzt wurden. Die chinesische Regierung hat bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht. Von einem Handelskrieg zwischen Europa und China wären die exportstarken Unternehmen im Südwesten in hohem Ausmaß betroffen, warnte Richter.

Trotz der schleppenden Konjunkturentwicklung in den vergangenen Monaten zeigt sich der Arbeitsmarkt im Südwesten laut Umfrage weiterhin robust. Die meisten Unternehmen (67 Prozent) wollen ihre Belegschaften in diesem Jahr in etwa konstant halten, 16 Prozent wollen Stellen streichen, 17 Prozent sind auf der Suche nach zusätzlichen Fachkräften. Rund ein Drittel der Unternehmen befürchten, dass sie die benötigten Fachkräfte nicht in ausreichender Zahl finden werden.