Konjunktur Krisen-Sorgen im Südwesten

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Vor allem die Industrie leidet unter sinkenden Aufträgen. Dies gilt etwa für Autozulieferer. So drohen bei Bosch Stellenstreichungen. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Auch aus dem Ausland kommen keine Impulse für die Südwestwirtschaft. Foto: picture-alliance/ dpa/Maurizio Gambarini
Auch aus dem Ausland kommen keine Impulse für die Südwestwirtschaft. Foto: picture-alliance/ dpa/Maurizio Gambarini

Stuttgart - Der Landesverband der Industrie (LVI) blickt skeptisch auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung. „Die Aufträge gehen zurück, Impulse aus dem Ausland bleiben aus“, sagte Heinrich Baumann, der Präsident des Industrieverbandes, unserer Zeitung. „Wir gehen zwar nicht von einer anhaltenden Rezession aus, aber wir erkennen gegenwärtig auch keine Trendwende“, erklärte Baumann. Die Unternehmen litten in diesem Herbst nicht nur unter den üblichen Schwankungen der Konjunktur, sondern auch unter politischen Risiken wie Handelskonflikten, Protektionismus und Brexit.

Rückgang im Maschinenbau

Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Maschinenbauverbandes VDMA in Baden-Württemberg, meinte, es sei unklar, ob die Konjunktur nur eine Delle habe oder ob es zu einer Rezession komme. Die Kapazitäten der Maschinenbauer seien dank der Bestellungen aus 2018 noch für etwa acht Monate ausgelastet. Inzwischen habe sich der Wind aber gedreht. Von Januar bis August seien die Aufträge um 15 Prozent zurück gegangen. „Wir spüren, dass die Investition im Automobilbereich, insbesondere bei den Zulieferern, zurückgehen“, berichtete Birk. Der Maschinenbau ist mit rund 320 000 Beschäftigten die nach der Zahl der Arbeitsplätze größte Industriebranche im Südwesten.

Eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart war kürzlich zu dem Ergebnis gekommen, besonders die Industrie leide unter der gegenwärtigen konjunkturellen Entwicklung. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Bedeutung der Industrie in Baden-Württemberg besonders hoch. Die Kammer erwartet für die nächsten zwölf Monate im Südwesten ein Wachstum um ein Prozent. Viele Unternehmen trennen sich inzwischen von Leiharbeiten.

Der Handel stützt die Konjunktur

Besser als in der Industrie ist die Entwicklung im Handel. „Wir bleiben bei unserer Prognose eines Umsatzwachstums um zwei Prozent“, sagte Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg. „Der Konsum bleibt eine Stütze der Konjunktur“, meinte Hagmann, die auch mit einem guten Weihnachtsgeschäft rechnet.

Nachdem sich die 50 größten Unternehmen in Baden-Württemberg 2018 trotz schon damals wachsender Sorgen noch gut geschlagen haben, kämpfen sie nun mit zunehmenden Problemen. Daimler, nach wie vor der größte Konzern im Südwesten, musste schon zweimal darauf hinweisen, der Gewinn falle schlechter aus als erwartet. Ein Lichtblick für den Autobauer sind die Ergebnisse im dritten Quartal. Der Fahrzeughersteller trennt sich allerdings von Leiharbeitern. Auch Bosch, der zweitgrößte Industriebetrieb im Land, will die Zahl der Beschäftigten reduzieren. Beim Stuttgarter Autozulieferer Mahle gibt es bereits eine Einigung über den Abbau von 380 Stellen.