Baden-Württemberg Baubranche schlittert in die Krise

Auf die Baubranche warten schwere Zeiten. Foto: picture alliance/dpa/Carsten Hoefer

Der aktuelle Wohnungsbaureport der L-Bank zeichnet ein düsteres Bild von der Situation des Gewerbes im Land. Doch für Häuslebauer gibt es einen Hoffnungsschimmer.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Die Stimmung in der Baubranche ist so schlecht wie lange nicht mehr – doch Häuslebauer können auch Hoffnung schöpfen: Glaubt man dem gerade erschienenen Wohnungsbaureport der L-Bank, dann sind zwar auch im ersten Quartal des neuen Jahres die Baupreise in Baden-Württemberg weiter gestiegen – im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent. Allerdings dreht sich, so die Einschätzung der Experten, die Preisspirale mittlerweile etwas langsamer – im ersten Quartal lagen die Preise um 2,1 Prozent höher als im vierten Quartal 2022. Deshalb sei 2023 mit einem moderateren Preisanstieg zu rechnen. Dabei gibt es Unterschiede: Besonders stark waren die Preissteigerungen mit knapp 17 Prozent bei Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen.

 

Für die Baubranche selbst ist indes noch kein Silberstreif am Horizont in Sicht. So lässt sich das Ergebnis der aktuellen Quartalsumfrage der L-Bank zusammenfassen. Edith Weymayr, die Vorsitzende des Vorstands der Förderbank des Landes Baden-Württemberg, formuliert es so: „Die Stimmungslage im Wohnungsbau hat sich sogar weiter verdüstert. Es verfestigt sich der Eindruck, dass das Jahr 2023 für die Baubranche extrem schwierig werden dürfte.“

Niederschmetternde Diagnose

Die Zahlen zu Weymayrs Diagnose liefert der Wohnungsbaureport. Der Geschäftsklimaindex in der Baubranche hat mittlerweile den tiefsten Stand seit Juni 2009 erreicht. Waren die Bauunternehmen vor drei Monaten zumindest mit der aktuellen Auftragslage noch einigermaßen zufrieden, so ist das nun nicht mehr der Fall. Der Index für die Geschäftslage fällt auf die Nulllinie – und die Geschäftserwartungen sind weiter sehr pessimistisch.

Der Wohnungsbaureport der L-Bank stützt damit nicht nur die Einschätzung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Dessen Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller hatte Ende Februar stagnierende Beschäftigtenzahlen und einen realen Umsatzverlust prognostiziert. Zudem hatte er erklärt, dass 40 Prozent der Betriebe im Baugewerbe mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten rechneten.

57 Prozent gehen von einer deutlichen Verschlechterung aus

Die Befragung der L-Bank hat nun sogar noch miserablere Ergebnisse gebracht. Demnach gehen 57 Prozent aller Betriebe davon aus, dass sich schon in den kommenden sechs Monaten die Situation deutlich verschlechtern wird. Nachdem die Bautätigkeit im laufenden Quartal bereits deutlich nachgelassen hat, rechnen die Wohnungsbauunternehmen auch im weiteren Jahresverlauf mit einem weiteren Rückgang.

Zwei Drittel der von der L-Bank befragten Unternehmen, so Weymayr, berichteten zudem von Behinderungen bei der Ausführung ihrer Bautätigkeiten. Schon jetzt klagen 16 Prozent der befragten Unternehmen über leere Auftragsbücher. Werte in dieser Größenordnung wurden zuletzt in den Jahren 2008 und 2009, also während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, verzeichnet. Elf Prozent der Befragten berichten von Finanzierungsproblemen – auch das ist ein vergleichsweise extrem hoher Wert.

Abwanderung der Fachkräfte wird befürchtet

Allerdings ist es nicht nur die nachlassende Konjunktur, die den Baufirmen zu schaffen macht. 22 Prozent der Befragten klagen über einen wachsenden Fachkräftemangel, der die eigene Arbeit behindere.

Auf einen weiteren wichtigen Aspekt, der gerade in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewinnen könnte, hatte vor Kurzem die Gewerkschaft IG Bau hingewiesen – und vor Entlassungen gewarnt. Würden Fachkräfte nach Hause geschickt, drohe ein ähnlicher Effekt wie in der Gastronomie, hatte das IG-Bau-Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt erklärt: „Wer einmal geht, der ist weg. Der kommt, wenn man ihn wieder braucht, auch nicht zurück.“

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