Konkurrenz aus China Warum deutsche Autobauer die Konkurrenz so oft unterschätzen

BYD verkauft in Stuttgart bereits Autos in einer eigenen Niederlassung. Der Marktanteil ist bisher gering, doch BYD lässt nicht locker. Im Gegenteil. Foto:  

Deutschlands erfolgsverwöhnte Autobauer neigen immer wieder dazu, Konkurrenten zu unterschätzen. Heute können sie sich dies nicht mehr leisten, meint unser Kommentator.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Aus gutem Grund sind es langgediente deutsche Autoingenieure gewohnt, sich als Speerspitze des Fortschritts zu betrachten. Viele neue Technologien traten von hier aus ihren Siegeszug in der Welt an. Schwerer tun sie sich schon immer mit Ideen, die nicht von ihnen selbst stammen.

 
Bei der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland untermauerte BYD den Anspruch, auf dem deutsche Markt Fuß zu fassen. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Horst Galuschka

Als die Politik Dieselrußfilter forderte, um die Feinstaubwerte zu senken, winkte man gelangweilt ab – „Coladosen“ im Auspuff waren des eigenen Anspruchs nicht würdig. Am Ende rannte man Peugeot hinterher. Auch die Hybrid-Technologie wurde so lange als minderwertig betrachtet, bis man eine Aufholjagd gegenüber Toyota startete. Von der anfänglich belächelten Konkurrenz durch Tesla und später durch chinesische Hersteller ganz zu schweigen.

Längst aber hat sich Tesla als harter Konkurrent im Markt festgesetzt; und die Deutschen laufen Gefahr, auch die Konkurrenz aus China zu unterschätzen. Der Marktstart von BYD in Deutschland mit einem komplett neu entwickelten Geländewagen zeigt, wie innovativ das Unternehmen bei der E-Technologie vorgeht. Und dass man nicht nur in China die deutschen Hersteller an den Rand drängt, sondern sie nun auch in deren europäischen Heimatmärkten aufsucht.

Ist immer nur das Beste gut genug?

Billige Technologien, die deutsche Hersteller lange links liegen ließen, werden in China perfektioniert und zur gefährlichen, kostengünstigen Konkurrenz für deutsche Autobauer entwickelt, denen oft nur das Beste gut genug ist. Doch das vermeintlich Zweitbeste rückt inzwischen verdammt nah an die Ergebnisse deutschen Perfektionsstrebens heran – und setzt sich manchmal sogar bereits an die Spitze. Vom hohen Ross aus hat man aber einen schlechten Blick auf die Märkte. Etwas Demut täte den Deutschen gut – sie sollten sich zunehmend als Verfolger verstehen und nicht mehr als derjenige, der – wie man früher selbstgefällig sagte – den Fortschritt von der Spitze aus definiert.

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