Erstmals wurden die Kosten für den Tunnelabschnitt – zwei Röhren – genannt: 976 Millionen Euro. Die Tunnel verkürzen die Fahrzeit auf der Gesamtstrecke um 3,5 Minuten. Das sei „ganz entscheidend, um den Deutschlandtakt zu realisieren“, so Bilger. Pro Tag seien bei der Berechnung 30 Güterzüge unterstellt, sie würden nicht auf den Gäubahngleisen durch Stuttgart rollen.
Mehrere Neu- und Ausbauabschnitte
Mit dem Deutschlandtakt sollen Verkehrsknoten bis 2030 zu festen Zeiten verknüpft werden. Bundesregierung und Bahn AG wollen so Fahrgäste gewinnen und das Klima schützen.
Insgesamt würde die Strecke mit Ausbauten für 2,1 Milliarden Euro um 20 Minuten beschleunigt. Wesentliche Abschnitte liegen zwischen Sulz und Epfendorf sowie Rietheim und Tuttlingen (dann zweigleisig). Zwischen Neckarhausen und Sulz solle es einen Tunnel geben, dazu Abschnitte, auf denen künftig mit 160 Kilometer pro Stunde gefahren werden kann.
Im Bundesverkehrswegeplan sind bisher 551,3 Millionen Euro für die Strecke vorgesehen, davon 317,3 Millionen für Aus- und Neubauten. Damit sollten elf Minuten Fahrzeitverkürzung erreicht werden. Bilger zeigte sich zuversichtlich, dass die Aufstockung der Mittel für die Gäubahn gelingt. Es gebe dafür „bessere Anschlüsse, kürzere Wartezeiten und die Direktanbindung des Flughafens“.
Böblingen verliert Anschluss
Doch nicht alle würden profitieren. Böblingen sei nicht mehr als Halt für Fernzüge vorgesehen, in Singen werden diese nur an der Station Landesgartenschau halten, räumte Bilger ein. Die Vorzüge für Böblingen würden aber überwiegen, dort sei dann ein 15-Minuten-Takt auf der S-Bahn möglich. „Andere Varianten würden für den Deutschlandtakt nicht gehen, die Vorteile überwiegen eindeutig“, so der Staatssekretär. „Aus meiner Sicht geht das nicht“, sagte Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in einer Stellungnahme zur Umfahrung von Böblingen und Singen. Es müsse „sehr schnell die Machbarkeit geklärt werden“. Hermann befürchtet, dass Stuttgart mit den neuen Plänen über sehr viele Jahre von der Gäubahn abgehängt wird. Sie würde in Stuttgart-Vaihingen enden, dann müsste auf die S-Bahn umgestiegen werden. Das sei „eine Herausforderung“, räumt Bilger ein.
Klare Worte fand Bilger zu den Aufgaben der Deutschen Bahn AG. Sie plant den Flughafenanschluss der Gäubahn bisher im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 so, dass die bestehenden Gleise der S-Bahn genutzt werden. Nach dem Halt am Airport fahren die Züge über den Fildertunnel zum Tiefbahnhof. Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hatte Bilgers Plan bei der jüngsten Sitzung des S-21-Lenkungskreises als „planerische Fiktion“ und „vergoldete Variante“ abgetan. Die bisherige Planung bei S 21, die die Bahn als Abschnitt 1.3b führt, sei „die beste“.
Finanzierungsvertrag muss geändert werden
Bilger formulierte am Donnerstag eine Art Absolutheitsanspruch: „Es besteht der gesetzliche Auftrag, dieses Projekt des Bundesverkehrswegeplans umzusetzen, das heißt, die Bahn wird sich beteiligen und auf den Weg machen.“ Das soll nicht nur für die Bahn, sondern, freundlicher formuliert, auch für die S-21-Projektpartner gelten. Bilger appellierte, „Abgrenzungsfragen“ zu S 21 schnell zu klären. Die Bahn solle die für 1.3b vorgesehen Mittel für die Tunnel verwenden. Dazu müsste der S-21-Finanzierungsvertrag geändert werden. Dass mit der Gäubahn auch die Klage der Bahn gegen das Land auf Übernahme von Mehrkosten bei S 21 geklärt werden könnte, erwartet er nicht. Es sei aber „bedauerlich, wenn staatliche Unternehmen vor Gericht ziehen“. Die CDU im Landtag begrüßte Bilgers Nachricht, Die Abgeordneten Nicole Razavi und Thomas Dörflinger forderten das Landesverkehrsministerium zur Unterstützung auf.
Vorbehalte gegen Tunnel
Gegen die Flughafentunnel gibt es Vorbehalte und Ablehnung. Das Aktionsbündnis gegen S 21 sieht sie als Offenbarung der Funktionsunfähigkeit des Gesamtprojekts. Stuttgart 21 sei nicht „deutschlandtaktfähig“, die Tunnel allein seien nicht wirtschaftlich, so Steffen Siegel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel bezeichnete die Pläne als „extrem teure, langwierige und vermeidbare Investition“. 20 statt elf Minuten Reisezeitverkürzung verbesserten die Anschlüsse nicht. Das Prinzip des Deutschlandtakts seien nicht möglichst schnelle, sondern „möglichst passende Fahrzeiten“.