Konstantin Wecker Lieder wider Hass und Angst auf der Killesberger Freiluftbühne

Von Christof Hammer 

Dem „Weltenbrand“ zum Trotz: Konstantin Wecker und das Bayerische Kammerorchester bespielen die Killesberger Freiluftbühne mit wohltuendem musikalischem Humanismus.

Konstantin Wecker war auf der Killesberger Freiluftbühne in seinem Element. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 6 Bilder
Konstantin Wecker war auf der Killesberger Freiluftbühne in seinem Element. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Killesberg - Lange hat man Konstantin Wecker nicht mehr mit einem Orchester musizieren hören, und das, obwohl er von Anfang an konzertant gedacht und komponiert hat. Schüler bei Carl Orff wollte Wecker einst sogar werden, doch der chorverliebte Komponist und Initiator der neuen deutschen Musikpädagogik war dafür schon zu betagt.

Nun, knapp ein halbes Jahrhundert später, bringt der Münchner Liedermacher sein Werk mit richtig großem Besteck auf die Bühne. Nicht nur ein kleines Kammerorchester wie einst Anfang der 80er-Jahre steht ihm bei seiner „Weltenbrand“–Tournee zur Seite, sondern ein zwölf Köpfe starkes Streicher-, Holz- und Blechbläser-Ensemble, das sich beim Konzert in der bestuhlten, mit knapp zweitausend Besuchern gut gefüllten Killesberger Freiluftbühne geradezu als Glücksfall entpuppt.

Bunter Mix aus der ganzen Welt

Mit Schmiss und Schmalz und Swing geht die Bayerische Philharmonie unter Leitung von Mark Mast zu Werke und ergänzt sich mit der vierköpfigen Wecker-Band um Pianist Jo Barnickel zu einem Klangkörper, der sich auf Klassisches und Karibisches ebenso gut versteht wie auf nahöstliche Töne und mitunter sogar ganz schön rockt. Mehr noch: Weckers Liedtexte, in Versmaß, Wortgewalt, Sprachmelodie und -rhythmik noch immer maßstabsetzend für die deutsche Songpoeten-Szene, erblühen durch dieses so klangfarbenreiche wie kulturenvielfältige Ensemble aus fast aller Herren Länder erst zu ganzer Blüte, kommen ihrem Wesen so nah wie selten.

Egal, ob Wecker den modernen „Killerkapitalismus“ seziert, seinen kräftigen Bariton bewegend zarte Liebeslyrik hauchen lässt oder Gedichte von Rilke, Brecht und Mühsam zitiert: In der mal stupend-straffen, mal ganz schwelgerischem Schönklang verpflichtenden Gangart klingt das, von alten („Es herrscht wieder Frieden im Land“, „Hexeneinmaleins“) über neue Klassiker („Sage nein!“) bis hin zu Bearbeitungen wie Lucio Dallas „Caruso“ berührend weltoffen, humanistisch und herrschaftsfern.

Beklemmend aktuell ist die politisch-gesellschaftliche Dimension dieser teils 40 Jahre alten Kompositionen, und eigentlich wünschte man sich, dass die Zeitenläufe sie mittlerweile obsolet gemacht hätten. Da die Welt aber ist wie sie ist, bleibt zu hoffen, dass diese Lieder wider den Hass und die Angst noch oft gespielt und gehört werden – ob mit Orchester oder ohne.