Kontrollaktion in Fellbach Auto-Poser im Visier der Polizei

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In Fellbach sind am Wochenende verstärkt getunte Fahrzeuge kontrolliert worden. Der örtliche Polizeichef Jan Kempe reagiert damit auch auf Klagen von Anwohnern.

Aufgemotzte Autos  sind laut, ihre Fahrer gefährden beim sogenannten Posen oft Unbeteiligte. Foto: Lichtgut/Jan Reich
Aufgemotzte Autos sind laut, ihre Fahrer gefährden beim sogenannten Posen oft Unbeteiligte. Foto: Lichtgut/Jan Reich

Fellbach - Die sogenannten Auto-Poser, die die Motoren ihrer aufgemotzten Wagen aufheulen lassen, rauben in Fellbach manchem Anwohner den letzten Nerv. Beispielsweise Egon Doppelreiter, der in der Schorndorfer Straße wohnt. „Freitag und Samstag sind die schlimmsten Tage. Es hört sich an, wie wenn ein Böller in die Luft geht“, erzählt er von dem Krach vor seinem Fenster. „Die Fahrer machen extra Fehlzündungen und lassen den Motor höllenmäßig laut aufheulen, schließlich wollen sie ja ihr Auto selbst gerne hören.“

Anwohner in Schorndorfer Straße genervt

Doppelreiter ärgert sich vor allem über die Rücksichtslosigkeit, mit der die Selbstdarsteller im Auto unterwegs sind. „Der große Lärm passiert ja nicht einfach so, sondern mit Vorsatz“, sagt er. Manchmal drehten Autofahrer nachts die Musik laut auf, aber wenn er dann vom Fenster aus um Ruhe bitte, kämen sie dem nach und entschuldigten sich. Mit Posern sei das anders. „Die würde der Lärm nur stören, wenn man das vor ihrem eigenen Schlafzimmer machen würde“, sagt Doppelreiter. Er wohnt seit 2009 in der Schorndorfer Straße. Doch seit drei Jahren habe der Krach durch die PS-Protzer stark zugenommen.

Jan Kempe, der Chef des Fellbacher Polizeireviers, kennt das Problem und war bei einer umfassenden Kontrollaktion, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Fellbach stattgefunden hat, mit dabei. Bis 2 Uhr haben mobile Streifen gezielt nach getunten Fahrzeugen gefahndet. Insgesamt wurden dabei 21 Fahrzeuge kontrolliert, in zehn Fällen sind die Beamten fündig geworden. Dabei stellte die Polizei technische Veränderungen fest, die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis, zu Anzeigen und letztlich zur Untersagung der Weiterfahrt führten. Bei einem Auto seien die Veränderungen so massiv gewesen, dass ein technisches Gutachten nötig sei, um die Betriebserlaubnis wieder zu erhalten.

Getunter Mercedes mit 600 PS

Wenig Glück hatte auch der Fahrer eines 600 PS starken Mercedes CLS AMG, der nicht bemerkt hatte, dass ein Zivilwagen der Polizei an der Ampel neben ihm stand. Bei Grün trat er so stark aufs Gaspedal, dass die Polizei Mühe hatte, ihm zu folgen. Beim Stadttunnel konnte der Fahrer gestoppt werden. Der 24-Jährige muss nun wegen seiner rasanten Fahrweise mit einem polizeilichen Bericht an die Führerscheinstelle rechnen.

Es sei „unbegreiflich“, wie ein bereits ab Werk hochmotorisiertes Sportfahrzeug durch Tuning so verändert werde, dass die Verkehrssicherheit in erheblichem Maße darunter leide, sagt Ismail Sümer, der Leiter der Kontrollstelle. Wer mit einem Wagen mit weit mehr als 500 PS und einer Endgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde nicht diszipliniert fahre, verursache „nicht nur Aufsehen, sondern auch Ärger“.

Unterstützt wurde die Polizeiaktion von mehreren Spezialisten, unter anderem von der Bußgeldstelle und von der Dekra. „Die Sachverständigen sind wichtig, da man viele bauliche Veränderungen nicht auf den ersten Blick erkennt“, sagt Jan Kempe. Häufig seien es ganz individuelle Bauteile, die untersucht würden und mit den Daten in den Fahrzeugpapieren übereinstimmen müssten.

Schwerpunkt entlang der Flaniermeile

Bei der Kontrolle nahm sich die Polizei das gesamte Stadtgebiet vor. Schwerpunkte seien die „Flaniermeilen“ der Szene gewesen – also Hauptverkehrsachsen wie die Esslinger Straße, die Bahnhof- oder die Höhenstraße. Für Kempe ist es klar, dass die Polizei die Szene weiterhin gezielt kontrollieren wird.

Egon Doppelreiter hofft jedenfalls, dass dem Sound der schnellen Autos etwas entgegengesetzt wird. Der Lärm belaste ihn auch gesundheitlich. „Wenn ich wüsste, dass sie immer nachts um 1 Uhr in einer Kolonne durchfahren würden, dann könnte ich mich ja darauf einstellen und später ins Bett gehen“, sagt er. „Doch der Auftritt ist unkalkulierbar. Mal um eins, mal um zwei – teils bis 4 Uhr morgens“, sagt er. Für Doppelreiter wäre es schon ein Fortschritt, wenn die Schorndorfer Straße nachts zur Tempo-30-Zone würde. An ein Einsehen der Poser glaubt er nicht.




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