Bei der Speedweek 2025 stand die Polizei in Zuffenhausen (Archivbild). Foto: Lichtgut
Die Ankündigung des Blitzermarathons versetzt Autofahrer wieder in Aufregung. Dabei machen sie einen großen Denkfehler, meint unsere Polizeireporterin Christine Bilger.
Es ist wieder Blitzermarathon in Baden-Württemberg: In dieser Woche wird die Polizei intensiv die Geschwindigkeit überwachen. Auch Stuttgart ist bei den Städten dabei, in denen verstärkt kontrolliert wird. Mit der Ankündigung der Speedweek beschäftigt viele Autofahrer vor allem eine Frage: „Wo werden sie wohl stehen und blitzen?“ Dahinter steckt der Gedanke: Weiß man das, kann man dort vom Gas gehen und riskiert kein Bußgeld. Und genau da liegt der große Denkfehler.
„Wie viel drüber geht noch, ohne einen Punkt zu riskieren?“ „Ach, die 30 Euro, das geht noch!“ Auch diese Gedanken gehen in die gleiche – und damit falsche – Richtung. Wer denkt, es gehe nur darum, der Polizei zu „entwischen“, möglichst ungestraft davonzukommen und dann wieder Gas zu geben, sollte dringend mal in die Falle rauschen und dann ein paar Takte von den Ordnungshüterinnen und -hütern zu hören bekommen.
Denn Rasen und zu schnelles Fahren wird immer noch als Kavaliersdelikt angesehen, Geschwindigkeitsbeschränkungen nur als unverbindliche Empfehlungen. Das macht unsere Straßen gefährlicher, als es sein müsste.
Raserunfall in Ludwigsburg: Mordurteil als Warnsignal
Es muss nicht erst ein Raserunfall wie der in Ludwigsburg sein, der vergangene Woche mit einem Mordurteil beschieden wurde. Auch auf Landstraßen im normalen Verkehr können ein paar Stundenkilometer mehr oder weniger über eine sichere Weiterfahrt entscheiden.
Zwar ist innerhalb geschlossener Ortschaften die überhöhte Geschwindigkeit „nur“ auf Platz sechs der Unfallursachen. Aber: Das sind dann immerhin noch 197 Unfälle, bei denen jemand verletzt wurde. Und nicht erst, wenn es kracht, ist es ein Fehler, zu viel Gas zu geben. Kinder, die Angst auf dem Schulweg haben, Anwohnerinnen und Anwohner, die den Lärmpegel ertragen müssen sind nur zwei Beispiele von Leidtragenden, wenn zu viel gerast wird.
Wer sich an Regeln hält, muss nichts befürchten. Foto: dpa
Deutschland ist nach wie vor eines der nachsichtigsten Länder, wenn es um Strafen für zu schnelles Fahren geht. Die Schweiz langt zu, und Urlaubende in Norwegen halten penibel das Limit ein – weil sie sonst schnell 500 Euro los sind. Der Zusammenhang zwischen Risikobereitschaft und niedrigen Bußgeldern liegt auf der Hand. Es muss aber nicht immer gleich die höhere Strafe sein. Ein wenig Vernunft und Einsicht täte es doch auch schon.