Kontrollen in Leonberg Der Blitzer lauert im Anhänger am Straßenrand

Wenn der „Enforcement Trailer“ am Straßenrand steht, sind die Räder eingefahren. Foto: Hersteller/Jenoptik

Leonberg kauft für 192 000 Euro eine mobile Radarfalle, die für mehrere Tage am Straßenrand abgestellt werden kann. Offiziell geht es dabei nicht ums Geld, sondern um die Sicherheit.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Wenn Sie motorisiert in Leonberg unterwegs sind, und Ihnen fällt ein Auto mit einem sonderbar ausschauenden Anhänger auf, könnte es gut sein, dass eine mobile Radarfalle gerade auf dem Weg zum nächsten Einsatzort ist. Die Stadt kauft sich für knapp 192 000 Euro ein transportables Messgerät, das überall einsetzbar ist.

 

Da es kaum mehr Begrifflichkeiten frei von Anglizismen gibt, hat auch der neue Blitzer einen englischen Namen: „Enforcement Trailer“ nennt sich der Kasten auf Rädern; und die wörtliche Übersetzung sagt klar, worum es geht: Enforcement steht für Vollstreckung, der Trailer ist der Anhänger.

„Wahnsinnige Kontrolldichte“

Die meisten Kommunen machen mit dem Fotografieren allzu eiliger Verkehrsteilnehmern gute Geschäfte. Für den Leonberger Gemeinderat hat der Aspekt des schnöden Mammons bei seiner deutlichen Zustimmung für die Anschaffung dieses Hightech-Anhängers der Firma Jenoptik offiziell natürlich keine Rolle gespielt. Vielmehr, so der Tenor im Ratsrund, solle die Verkehrssicherheit mit dem Apparat weiter erhöht werden. Allein Axel Röckle, der Fraktionschef der Freien Wähler, wies darauf hin, dass „diese wahnsinnige Kontrolldichte für die Stadt ein durchaus lukratives Betätigungsfeld“ sei.

Auch Willi Wendel von der CDU war von der teuren Neuanschaffung nicht ganz so begeistert. Ginge es wirklich um Sicherheit durch mehr Kontrollen, seien Radarpistolen das probatere Mittel. Die aber, so entgegnete Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD), seien ausschließlich bei der Polizei im Einsatz. Und die würde „da nicht mitmachen“. Außerdem ginge es vor allem um das Eindämmen nächtlicher Autorennen, die an unterschiedlichen Stellen die Menschen aus dem Schlaf reißen würden.

Nun also der Enforcement Trailer, der vom Hersteller als so „kompakt und wendig“ gepriesen wird, dass er auch an „engen und unübersichtlichen Stellen positioniert“ werden könne, dennoch sehr leistungsstark sei.

Auf den ersten Blick ähnelt er einem „Klaufix“, jenem Kleinanhänger, mit dem die Menschen in der DDR einst sperrige Güter transportiert hatten. Tatsächlich kann das mobile Messgerät an jeden Wagen mit Anhängerkupplung gehangen werden. Wenn es denn einen gibt. Bei der Stadt ist das nicht so. Ordnungsbürgermeisterin Josefa Schmid (FDP) hofft nun, dass eines der Leasingfahrzeuge sich als Blitzer-Schlepper eignet.

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