Gefragt, ob es angesichts des angespannten Arbeitsmarkts nicht problematisch gewesen sei, geeignetes Personal zu finden, schüttelt die 30-Jährige den Kopf. „So schwierig war das gar nicht.“ Alle zehn Stellen hätten auf Anhieb besetzt werden können. „Wir hatten super Bewerbungen“, so Märsch. Das große Interesse führt sie darauf zurück, dass es sich beim Kinderhaus Deizisau um eine ganz neue Einrichtung handelt, die zudem in kommunaler Trägerschaft ist. „Auch ist Deizisau für seine schöne Kindergartenlandschaft bekannt“, sagt die gelernte Erzieherin. Es sei nicht normal, dass Kindergärten eine solche Qualität hätten.
Als Au-pair in die USA
Ihren Abschluss hat Jacqueline Märsch im Jahr 2013 an der Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen gemacht. Zur Schulausbildung gehörten auch zwei jeweils sechswöchige Praktika, die sie beide in Deizisau absolvierte – zum einen im Kinderhaus Arche Noah und zum andern im Jugendhaus Zehntscheuer. Für das abschließende Anerkennungsjahr ging sie in eine Kindertagesstätte nach Esslingen. Obwohl schon damals Fachkräfte wie sie händeringend gesucht wurden und sie nach ihrem Anerkennungsjahr übernommen worden wäre, entschied sich die damals 22-Jährige dafür, als Au-pair für ein Jahr nach Virginia in die USA zu gehen. „Ich wollte schon immer mal nach Amerika und wollte einfach die Welt sehen“, begründet sie ihren Auslandsaufenthalt. Bei der fünfköpfigen Familie in Springfield gefiel es ihr so gut, dass aus dem geplanten einen Jahr zwei Jahre wurden. Als Märsch im Juli 2015 wieder nach Deutschland zurückkam, arbeitete sie zuerst in einem bilingualen Betriebskindergarten in Stuttgart-Möhringen und wurde danach Leiterin des katholischen Regelkindergartens in ihrem Heimatort Wernau, wo sie derzeit mit ihrem Ehemann lebt.
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„Als ich im Jahr 2018 mitbekommen habe, dass Deizisau ein eigenes Kinderhaus bauen möchte, war für mich sofort klar, dass ich da hin will“, erzählt sie. Als Gründe für diese Entscheidung nennt Märsch einmal mehr den guten Ruf der Deizisauer Kindergärten und die guten Erfahrungen, die sie während ihrer Praktika gemacht hatte. Obwohl die Leitungsstelle noch nicht ausgeschrieben war, bewarb sich Jacqueline Märsch darum, wurde aber auf das offizielle Auswahlverfahren vertröstet, das erst Anfang 2021 gestartet wurde. „In der Zwischenzeit habe ich alles gelesen, was in der Zeitung über das Kinderhaus Himmelblau veröffentlicht wurde.“
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Tablets für die Kita-Gruppen
Der Reiz liegt für sie darin, ein eigenes Konzept erstellen und ein neues Team aufbauen zu können. In den vergangenen Jahren sei sie immer mit dem Satz „das haben wir immer schon so gemacht“, konfrontiert worden. Diesen Satz wolle sie von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht hören. Gefragt, wie sich das von ihr erarbeitete Konzept am besten beschreiben ließe, nennt Märsch die Begriffe „agil, modern und der Zeit angepasst“. Agil deshalb, weil sie mit keinem starren Konzept arbeiten, sondern aus verschiedenen Konzepten gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kontinuierlich das jeweils für die Kinder Passende auswählen und ständig anpassen will. Modern und der Zeit angepasst sind vor allem die digitalen Medien, mit denen die Kinder im Kinderhaus Himmelblau konfrontiert werden. Laut Märsch wird jede Gruppe ein Tablet erhalten, mit dem die Kinder bei auftauchenden Fragen mit den pädagogischen Fachkräften auf Entdeckungsreise gehen können. „Wir wollen die Kinder nicht belehren, sondern gemeinsam mit ihnen ihre Fragen beantworten“, sagt sie. Nach ihren persönlichen Zielen gefragt, braucht Jacqueline Märsch nicht lange zu überlegen. „Ich möchte meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die beste Chefin sein, die sie jemals hatten“, sagt sie. Zudem sei es ihr wichtig, dass sowohl die Kinder als auch ihre Kolleginnen und Kollegen sowie die Eltern jene Wertschätzung erhielten, die sie verdienten. Ihren Kindern will sie die Zeit einräumen, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Zudem sollen die Mädchen und Jungen in vielen Punkten im Kinderhaus mitentscheiden können. Deshalb plant Märsch einen Kita-Rat, der regelmäßig tagen soll.
Gestartet wird mit 55 Kindern
Kinderhaus
Das neue Kinderhaus Himmelblau ist die erste eigene Kinderbetreuungseinrichtung der Gemeinde Deizisau. Der Neubau soll am 6. Februar mit einem Tag der offenen Tür eröffnet werden. Platz ist für 70 bis 75 Kinder ab einem Jahr in vier Gruppen, wobei der Betrieb am 14. Februar mit 55 Kindern in drei Gruppen beginnen soll. Darunter sind auch einige Kinder aus dem benachbarten Altbach, mit dem Deizisau einen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat. Darin ist geregelt, dass bis zu 35 Altbacher Kinder in Deizisau aufgenommen werden können.
Kosten
Unterm Strich kostet der Neubau voraussichtlich sechs Millionen Euro und ist damit das bislang teuerste Einzelprojekt der Gemeinde. Vier Millionen Euro davon entfallen auf die Kindertagesstätte, jeweils eine Million Euro auf die Tiefgarage und die fünf Sozialwohnungen, deren Mieten ungefähr 30 Prozent unter denen der ortsüblichen Vergleichsmieten liegen werden.
Tiefgarage
Die Tiefgarage bietet Platz für insgesamt 26 Fahrzeuge, wobei 16 Plätze als öffentliche Stellplätze zur Verfügung stehen sollen. Schon jetzt steht fest, dass für das Parken dort Gebühren anfallen werden. Wie hoch die ausfallen, ist noch offen, denn die Gemeinde arbeitet derzeit an einem Konzept für die sogenannte Parkraumbewirtschaftung.