Das Land will die Einrichtung in Ellwangen erhalten. Die Stadt zögert. Im Frühjahr steht die Entscheidung an. Der Oberbürgermeister hat aber noch Fragen.

Politik/ Baden-Württemberg: Carola Fuchs (cls)

Ellwangen - Karl Hilsenbeck geht es ein bisschen zu schnell. Gleich mehrere Fraktionen im Ellwanger Gemeinderat haben im Zuge der Haushaltsberatungen beantragt, die Entscheidung über die Weiterführung der Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) in der Reinhardt-Kaserne vom zweiten Halbjahr 2018 auf das Frühjahr vorzuziehen. „Mir hätte es später noch gereicht“, sagt der Oberbürgermeister. „Mir fehlen einfach die Fakten.“ Schließlich sei noch völlig unklar, welche Funktionen die Leas künftig haben sollten. Der Nutzungsvertrag mit dem Land endet 2020.

Danach will das Land die Sigmaringer, die Ellwanger und die Karlsruher Lea weiter betreiben und in Freiburg eine neue einrichten. Mit Sigmaringen habe man bereits eine entsprechende Vereinbarung geschlossen, hieß es. Die Verhandlungen mit den anderen Städten stünden noch aus, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums. Derzeit sind im Heidelberger Aufnahmezentrum, in den drei Leas und den vier Erstaufnahmeeinrichtungen insgesamt 5100 Menschen untergebracht. Bis Mitte Dezember wurden für das vergangene Jahr im Land 15 200 Flüchtlinge registriert.

In Ellwangen leben gegenwärtig 425, davon sind 73 Frauen. Etwa ein Drittel der ehemaligen Reinhardt-Kaserne, deren künftige Nutzung noch unklar ist, wird von der Lea belegt. 200 Menschen arbeiten dort. Darüber hinaus engagieren sich nach Angaben von Berthold Weiß, dem Leiter der Einrichtung, hundert Ehrenamtliche regelmäßig, bieten Sprachkurse an, machen Sport- oder kulturelle Angebote, helfen in der Kleiderkammer. Das Zusammenleben habe sich aber eingespielt, auch wenn es nicht immer reibungslos verlaufe. Im vergangenen Frühjahr etwa hatte es Unmut in der Stadt gegeben, weil sich eine Gruppe von Flüchtlingen in der Innenstadt betrank und dann pöbelte. Die Stadt schaltete daraufhin das freie WLAN an bestimmten Plätzen ab.