Stephan Bergdolt, der Leiter des Schulorchesters, war sichtlich gut aufgelegt. Das Publikum konnte ihm am Samstagabend die Freude anmerken, dass nach über zwei Jahren nun endlich wieder Schulkonzerte stattfinden. Auch wenn Bergdolt entschuldigend vorausschickte: „Man wird die lange Pause hier und da hören, weil wir nicht richtig proben konnten. 39 Schüler sind heute zum ersten Mal am Start“, erläuterte er in der ordentlich gefüllten AEG-Aula. „Die Neuntklässler haben mit dem Juniororchester seit September geprobt und werden dieses auch mitwirkend unterstützen.“
Was dann zu hören war, lieferte allerdings keinerlei Hinweis auf mangelnde Vorbereitung. Ganz im Gegenteil, so viel musikalische Klasse ließ sich ob der Umstände kaum erwarten. Schon beim ersten der beiden Stücke des Juniororchesters, „Gopak“ von Modest Mussorgski, brillierte die junge Schlagzeugerin Antonia Körber am Marimbaphon. Auch wenn sie hinter dem riesigen Instrument fast verschwand, zeigte sie einen souveränen Vortrag, wie auch auf den Pauken beim Folgestück „Furiant op.48/1“ von Antonin Dvorák. Das Dirigat übernahm Anna-Sophia Körber – der neue Leiter des Juniororchesters, Alexander Burda (seit diesem Schuljahr am AEG), durfte in der ersten Sitzreihe entspannt genießen.
Szenenwechsel: Das große Symphonieorchester mit 73 Mitwirkenden betrat die Bühne. Nun schlug die Stunde der Flötistin Ina Teutsch. Die Abiturientin meisterte die wahrlich schwierigen Solopassagen des „Concertino für Flöte, op. 107“ von Cecile Chaminade mit Bravour. Mit irrsinnigen Tempi fegte sie über die drei Lagen ihres Instrumentes und erntete sowohl strahlende Gesichter als auch frenetischen Beifall, der freilich genauso dem gesamten Orchester galt, welches mit bestechender Dynamik eine tolle Komposition meisterte. Mit Jonathan Weiler übernahm ein weiteres großes Talent den Taktstock von Bergdolt. Mit „Danzon Nr. 2“ von Arturo Marquez, einem zeitgenössischen mexikanischen Komponisten, kam rhythmische Würze in den Saal. Nomen est omen: „Danzon“ veranlasste den jungen musikalischen Leiter mit fast tänzerischer Gestik dieses Werk zu dirigieren. Ein Karajan hätte seine Freude an diesem ausdrucksstarken Auftritt gehabt. Stephan Bergdolt bescheinigte ihm zudem ein großartiges Orgelspiel, das er inzwischen als Kirchenmusiker im Raum Herrenberg, Böblingen-Sindelfingen und Tübingen pflegt. Jonathan Weiler wurde nach seiner Glanzleistung gebührend gefeiert, bevor sich die Besucher in den Schulinnenhof begaben.
Dort erwartete sie bereits eine Rumpfbesetzung der AEG-Bigband, die es sich nicht nehmen ließ, trotz zum Teil konfirmationsbedingter Absagen mit drei Stücken aufzuwarten. „Die haben so noch nie zusammengespielt“, ließ Leiter Johannes Stephan wissen, der selbst zur Posaune greifen musste, um die einzig übrig gebliebene Posaunistin zu unterstützen.
Nach dieser gelungenen Pauseneinlage erwartete die Gäste zum Start der zweiten Halbzeit ein Werk, das für professionelle Orchester geschrieben wurde: „Rhapsodie in Blue“ von George Gershwin. „Ein Abend der Mutproben“, wie ihn Bergdolt nannte, sollte nun volle Fahrt aufnehmen. Um vorab zu demonstrieren, um welche Schwierigkeiten es sich handelt, ließ er die Klarinette die berühmte stufenlos hochgezogene Phrase des Intros demonstrieren. Der Flügel war in die Mitte der Bühne gerückt, und Abiturient Gion Kleiner, der im Gesamtorchester ansonsten vornehmlich die erste Geige spielt, schien die Welt um sich herum zu vergessen, als er sich der Tastenarbeit widmete. Hingebungsvoll, mit feinem Anschlag und Dynamik, meisterte er ohne Noten schwierigste Solopassagen.
Während der Flügel anschließend wieder auf die Seite geschoben wurde, ergänzte der 42-köpfige Chor am anderen Bühnenrand das große Orchester. „Finlandia, op.26“ von Jean Sibelius stand auf dem Programm. In der Reihenfolge Blechbläser-Holzbläser-Streicher-Chor tauchte man tief in eine Moll-Stimmung. Der glockenklare Klang des Chores, von Simone Reißing-Szabo geleitet, ging tief unter die Haut. Mit „Adiemus“ von Carl Jenkins folgte ein weiterer zeitgenössischer Komponist, der für tolle Stimmung und herausragende Dynamik mit Streichern, Schlagwerk und Gesangsensemble sorgte. Schließlich kam mit Adele Adkins‘ Pophit „Skyfall“ noch das i-Tüpfelchen, als Emely Lindner mit ihrer ersten gesungenen Note bereits für Gänsehaut sorgte. Pompöse raumfüllende Tutti mit Chor waren maßgeschneidert für dieses große Finale.