Konzert der Bachakademie Herztöne und Himmelsklänge
Die Internationale Bachakademie widmet sich im Stuttgarter Beethovensaal der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Musik.
Die Internationale Bachakademie widmet sich im Stuttgarter Beethovensaal der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Musik.
Die heilige Jungfrau Cäcilia wurde wegen eines einzigen, vieldeutigen Satzes in der Überlieferung zur Schutzpatronin der Musik: „Während die Instrumente spielten, sang Cäcilia in ihrem Herzen allein dem Herrn.“ Was ursprünglich wohl das innere Gebet als stilles Gegenbild zur tatsächlich erklingenden Musik meinte, wurde im Lauf der Überlieferung zum hörbaren, ausübenden Akt. Cäcilia verwandelte sich in der Bildkunst in eine Orgelspielerin, die den Gesang der Himmelschöre begleitete.
Cäcilia, eine Römerin aus vornehmer Familie, die um das Jahr 230 für ihren christlichen Glauben hingerichtet wurde, ist wegen dieser kreativen Wirkungsgeschichte zu einem der Lieblingsobjekte der Komponisten geworden. Besonders die Briten mögen sie. Die Internationale Bachakademie hat dieser Tatsache jetzt im Beethovensaal ein ganzes Abo-Konzert gewidmet – etwas verspätet, denn der Festtag der heiligen Cäcilia ist der 22. November.
Hans-Christoph Rademann und seine Gaechinger Cantorey begannen mit „Cecilia Virgo“, einem Lobgesang, den der schottische Katholik James MacMillan 2012 für Doppelchor komponiert hat. Die Gaechinger ließen schwingende, fluoreszierende Farbströme hören, in denen sich vibrierende Dissonanzen stets in paradiesischem Schönklang auflösen.
Dann Benjamin Brittens komplexe, bedeutende „Hymn to St. Cecilia“ für fünfstimmigen Chor, komponiert 1942. Kunst verbindet sich darin mit Politischem: Keine Hymne für Cäcilia, keine Apotheose der Musik, sondern ein Werk über Musik im Ausnahmezustand einer sich selbst zerstörenden Welt. Britten vertonte den bilderreichen Text enorm kontrastreich, hörbar gemacht in einer exzellenten Aufführung.
Hauptwerk des Abends war aber die nicht weniger ambitionierte Ode „Hail! Bright Cecilia“ des jungen Henry Purcell. Was hat er da nicht alles an Kompositionskunst und unterschiedlichsten musikalischen Tonfällen aufgefahren! Zum Chor traten nun das großbesetzte Barockorchester und die Zuständigen für die großen Solopartien, die außer der Sopranstimme (Lucy de Butts) alle männlich besetzt waren – entsprechend der englischen Countertenor-Tradition auch die vielen Alt-Gesänge.
Altus Alex Potter gelang das gewohnt solide und ruhig-kontemplativ. Warum Rademann auch dem lyrischen Tenor und Evangelistenstar Benedikt Kristjánsson zwei riskante Alt-Partien übertragen hatte, ist nicht ganz verständlich. Im hohen Register wirkte seine Stimme oft angespannt-gepresst und nicht immer sauber intoniert.
Besonders mitreißend gestalteten sich die Auftritte des Basses Matthew Brook, der nicht nur seine Anrufungen Cäciliens mit so viel Inbrunst, Lebens- und Musizierfreude sang, dass allein seine Performance einer Schutzpatronin der Musik Lobgesang genug gewesen wäre. Aber nicht nur deshalb gab’s am Ende frenetischen Applaus.