Mit Nightwish feierte Tarja Turunen Welterfolge. Alleine macht die Sängerin mit "Opera Metal" weiter. Im LKA war das zeitweise ermüdend.
Stuttgart - Triumphe waren es, die sie mit der band Nightwish gefeiert hatte. Ausverkaufte Häuser, riesige Arenen lagen ihr zu Füßen. Doch dann kam der Abgang. Ende 2005. Die finnische Sängerin Tarja Turunen musste unter eigenem Namen noch einmal neu anfangen und schuf mit ihrer klassisch ausgebilden Stimme das Genre „Opera Metal“. Wenn sie jetzt aber im völlig ausverkauften LKA tremolierte und arienhaft den Umfang ihrer Stimme demonstrierte, dann mochte das anfangs verblüffen. Mit der Zeit des Auftritts freilich ließ dieser Effekt nach und die geschwollenen Posen, zu denen sich auch ihre Songs aufschwangen, all die in bombastische Klänge getauchten Metalmotive mit den ach so schönen Schnörkeln, konnten auch ermüden. Manche fein konstruierten Melodien und ihr gesangliches Vermögen konnten durchaus beindrucken, vergleichbare Sängerinnen wie Doro bleiben da weit zurück: als Selbstzweck eingesetzt blieben aber hauptsächlich die etwas hölzernen Posen der finnischen Metalqueen im Gedächtnis hängen, stimmlich konnte sie nach gerade überstandener Krankheit noch keine absoluten Höhepunkt setzen.
Neben dem von Farmer Boys her bekannten Stuttgarter Gitarristen Alex Scholpp, der gelegentlich in der fünfköpfigen Band seine Gitarre mit schweren Metalriffs in den Vordergrund donnern ließ, ansonsten aber sehr gruppendienlich spielte, wusste vor allem der Schlagzeuger Mike Terrana zu gefallen. Er spielte einen extrem körperbetonten Stil, drosch und pumpte den Rhythmus auf spektakulärste Art ins Geschehene, machte aus seinem Auftritt eine regelrechte Zirkusnummer und konnte damit durchgehend beeindrucken. Was sich auch als billige Pose oder Effekthascherei denunzieren ließe, geriet bei ihm zur extremen Show mit hohem Unterhaltungswert: alleine schon die artistische Choreografie seiner Schlagzeugstücke wirkte bei ihm provozierend offensiv, das Berserkerhafte seines Auftritts schuf zudem erstaunliche Momente. Und so frästen sich Stücke wie „Dark Star“ oder „Until my last breath“ bis hin zum alten Alice-Cooper-Schlager „Poison“ in die Gehörgänge: das ist „Opera Metal“ wie in einem Comic.