Konzert im Merlin Nena 2.0: So war’s bei Gwen Dolyn in Stuttgart
Noch mehr Neue Neue Deutsche Welle: Gwen Dolyn (Die Tränen) hat am Freitag in Stuttgart ihr Album „X-Rated Feelings“ vorgestellt. Bilder und Kritik vom Konzert im Merlin.
Noch mehr Neue Neue Deutsche Welle: Gwen Dolyn (Die Tränen) hat am Freitag in Stuttgart ihr Album „X-Rated Feelings“ vorgestellt. Bilder und Kritik vom Konzert im Merlin.
Sie schwärmt von Jungs mit golden scheinenden Augen, singt vom Küssen und Rumfummeln, vom Tanzen mit dem Rücken an der Wand, davon, das trockene Münder und Hände was für Anfänger sind und immer wieder ziemlich explizit von der Lust auf Sex. „X-Rated Feelings“, der Titel von Gwen Dolyns Debütalbum, fasst ihre Themen ziemlich gut zusammen.
Beim Konzert am Freitagabend im Stuttgarter Merlin unterlegt sie diese Songs gerne mit hyperaktiv herumzappelnden NDW-Beats, wie man das auch von ihrer Band Die Tränen kennt, mit der sie vor gut einem Jahr im Merlin aufgetreten ist. Mal schimmert durch die Songs Extrabreit, mal Ideal, mal UKW, mal wird Heinz Rudolf Kunzes „Mein ist dein ganzes Herz“ gecovert – und Gwen Doyln mimt dabei die Nena 2.0, die gerne viel zwischen den Liedern quasselt.
Während die Original-Nena seit der Covid-Pandemie aber vor allem wegen ihrer Nähe zur „Querdenker“-Szene auffiel, hat Gwen Dolyn eine ganz andere politische Agenda, setzt sich für die queere Communitiy ein, fordert das Stuttgarter Publikum dazu auf, sich gegen den Rechtsruck in diesem Land stark zu machen – und erinnert daran, dass 1997 Friedrich Merz einer der wenigen Politiker war, der dagegen war, dass die Vergewaltigung in der Ehe ins Strafgesetzbuch aufgenommen wird. Und auch in ihren Liedern wird es zwischen Sex, Benzodiazepinen und New Wave immer wieder mal sehr ernst – etwa wenn sie in der verstörend-sperrrigen Ballade „After You Left My Body“ von einer Abtreibung erzählt – und anschließend die Abschaffung des Paragrafen 218 fordert.
Nicht nur in diesem Song verlässt Gwen Dolyn bei dem Konzert musikalisch die 1980er-Jahre-Komfortzone und wagt sich vor in die Neunziger, um auch mal mit Clubsounds ( „Benzos & Blut“) oder Grunge („Well Edcucated Brat“) zu flirten. Unterstützt wird sie dabei von etwas Elektronik, Henry Hamann an der Gitarre und Thomas Zehnle (Levin Goes Lightly) am Bass, der zusammen mit Max Rieger von den Nerven auch das Album „X-Rated Feelings“ produziert hat. Und die beiden sind nicht die einzige Stuttgart-Connection Gwen Dolyns. Denn wie schon damals beim Auftritt mit den Tränen spielt sie auch diesmal eine schrille Coverversion des obskuren Punkrockhits „Duell der Letzten“ der Stuttgarter Band Chaos Z.