Konzert im Wizemann Rotzfrech! So war’s bei Paula Carolina in Stuttgart

Paula Carolina am Mittwoch im Wizemann Foto: Ferdinando Iannone

Indiepop trifft Politik: Paula Carolina feiert in Stuttgart im Wizemann die Zersägung des Patriarchats – laut, nah am Publikum und mit viel Bewegung auf der Bühne.

Im Wizemann ist an diesem Mittwoch noch etwas Platz in der großen Halle, als hinter der Bühne das Schachbrettmuster aufleuchtet. Dann kommt Paula Carolina auf die Bühne. Die Haare in Pink und Grün, im Licht fast grell, ständig in Bewegung, weil sie sie im Gehen immer wieder zurückwirft. Trikot und Trainingshose greifen die Farben auf. Schwarz-weiße Stulpen an den Armen, schwarz-weiße Socken in Turnschuhen und eine Krawatte – alles im Muster des Bühnenhintergrunds.

 

Paula Carolinas Musik bewegt sich zwischen Indiepop und deutschsprachigem, NDW-angelehnten Synth-Pop mit klaren, treibenden Beats und eingängigen Refrains. Inhaltlich kreisen die Songs um Selbstpositionierung, Widerspruch, Feminismus und politische Alltagsbeobachtungen in direkter Sprache. Die aktuelle Tour führt sie durch Clubs und kleinere Hallen im deutschsprachigen Raum.

Dr. Dr. Dr. Paula Carolina verteilt Immatrikulationsbescheinigungen

Als ersten Song bringt die in Hannover geborene Paula Carolina „Darf sie das“. Vor der Bühne wird es eng, Menschen stehen dicht, erste Arme gehen nach oben, es wird gehüpft und mitgesungen.

Vor „Immatrikulationsbescheinigung“ sagt sie: „Stuttgart, wisst ihr eigentlich, dass ich sechs Semester Lehramt für euch abgebrochen habe? Ein kleines bisschen vermisse ich es ja auch. Ein winziges bisschen aber auch nur.“ Danach holt sie eine Person aus dem Publikum auf die Bühne, die das Wort buchstabieren soll. Die Person wird mit Absolventenhut ausgestattet, anschließend erhält sie eine überzeichnete „Immatrikulationsbescheinigung“, ausgestellt von „Dr. Dr. Dr. Paula Carolina“. Vor der Bühne entsteht ein Flinta-Moshpit.

Paula Carolina in Stuttgart Foto: Ferdinando Iannone

Das Cover von „Durch den Monsun“, im Original ziemlich punkig, kommt in Carolinas Version ruhig daher. Blaues Licht, künstlicher Wind, der die Haare ins Gesicht treibt. Zwischendrin ein Saxofonsolo bei Sonnenuntergangslicht, bevor die Gitarren einsetzten.

Mit der Säge geht’s ans Patriarchat

Den Song „Wo ist der Bus?“ leitet Paula Carolina mit einer längeren Ansage ein. „Der nächste Song den hab ich eigentlich für mich selbst geschrieben. Aber jedes Mal, wenn ich ihn singe, seh ich bei euch in den Gesichtern, dass es genau, dass euch gibt, was er mir auch gibt. Nämlich Mut meine Meinung zu sagen. Und die rauszuschreien, sie rauszusingen.“ Es gehe darum, miteinander zu reden, auch mit Menschen, die anders denken, und daran zu glauben, dass sich Meinungen verändern lassen.

Für die Zugabe „So ein Brett“ kommt die Band in Bauarbeiterkleidung zurück auf die Bühne, mit Helmen und Warnwesten. Paula Carolina trägt eine neonleuchtende Kreissäge. Auf einem Brett steht „Patriarchat“. Sie setzt die Säge an und trennt es durch, begleitet von lautem Applaus und Pfiffen. „Ziemlich gut für eine Frau“, sagt sie in den Saal.

Paula Carolinas Show wirkt direkt und unprätentiös

„Ich war hier“ ist der letzte Song des Abends. Das Publikum geht dazu noch einmal komplett mit, es wird laut, viele Stimmen singen mit, der Saal ist in Bewegung.

Paula Carolina ist an diesem Abend sichtlich in ihrem Element, lacht laut auf, wirft die Haare in der Gegend herum, springt von A nach B und trägt den Abend mit einer rotzfrechen Leichtigkeit. Nah am Publikum, ohne Distanz, alles wirkt direkt und unprätentiös – und immer wieder schwingt dieser Trotz mit, der sich durch den ganzen Abend zieht.

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