Konzert in Böblingen Musikalische Italianità mit Mendelssohn und Mozart
Die Camerata Viva begeisterte in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche in Böblingen. Die Musikerinnen und Musiker überzeugen das Publikum mit virtuosem Spiel.
Die Camerata Viva begeisterte in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche in Böblingen. Die Musikerinnen und Musiker überzeugen das Publikum mit virtuosem Spiel.
Bis zu seinem tragischen frühen Tod war Felix Mendelssohn-Bartholdy zunächst ein Wunderkind und dann einer der populärsten Musiker Europas. Legendär sind seine Tourneen als Pianist in England. Finanziell gut gepolstert durch seine Eltern bereiste er viele europäische Länder, auch die schottische Inselgruppe der Hebriden. In seiner gleichnamigen Ouvertüre setzte er vieles von der Atmosphäre der Nordseeregion um. Die Camerata Viva veranschaulichte unter dem Dirigenten Hannes Reich die eigentümliche Stimmung, die durch die unablässigen Wellen und Winde im Atlantik herrscht.
Bereits zum zweiten Mal hatten sich die Martin-Luther-Kirche und der Rotary Club Böblingen-Schönbuch zusammengetan, um ein bemerkenswertes Konzert zu realisieren, dass von zahlreichen Gönnern unterstützt wurde, so der Kreissparkasse, dem Förderverein junge Geiger und der Stadt Böblingen.
Die beiden Geigerinnen Mathilda Zeeb und Daria Hodorkovski, die Bratscherin Marlene Schwind und die Cellistin Clara Schwind sind Preisträgerin beim jüngsten Landeswettbewerb Jugend musiziert. Sie demonstrierten mit dem vierten Satz aus Mozarts Streichquartett KV421 prägnante Gestaltungskraft und Klangsensibilität. Sie werden beim Bundeswettbewerb, der in wenigen Tagen beginnt, erneut auftreten.
Ein grandioser Höhepunkt war die Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert KV 218. Auch wenn die Musik überwiegend transparent und heiter wirkt, so sind doch die Anforderungen an die junge Solistin Elisabeth Gühring beachtlich. Mozart war bei der Komposition seiner Violinkonzerte etwa gleich alt wie die Solistin des Abends und hatte sie für eigene Konzerte geschrieben. Elisabeth Gühring hat bereits etliche wichtige Preise gewonnen. Auf ihrer wertvollen italienischen Geige aus Cremona zeigte sie sich als ausgereifte Solistin, die warme wie brillante Klänge realisieren kann, ebenso herzhafte Rhythmen wie feinsinnig strahlende Melodien. Bemerkenswert war außerdem, dass sie die Solokadenz des ersten Satzes selber verfasst hat. Mozart leuchtete bei ihr auch im Zusammenspiel mit dem gut aufgelegten Orchester, ungewöhnlich schillernd und prägnant wurde Mozarts einzigartige Klangästhetik realisiert.
Im Alter von 21 Jahren begann Mendelssohn-Bartholdy eine fast zweijährige italienische Reise, nicht ohne vorher bei seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe vorbeigeschaut zu haben. Mozart bereiste als Jugendlicher übrigens drei Mal Italien. Goethe hat mit seiner „Italienischen Reise“ eine unglaubliche Reflexion seines Aufenthalts hinterlassen; bemerkenswert sind ebenso die erotischen Fantasien in seinen „Römischen Elegien“.
Mendelssohn zeigte sich interessanterweise weniger begeistert vom italienischen Musikleben, aber vor allem von der Natur und äußerte sich in einem Brief an seine Eltern: „Natur! Da steckt die Musik drin, da tönt's und klingt's von allen Seiten.“
Die italienische Sinfonie fordert vom Orchester eine hohe Gestaltungs- und Leistungsbereitschaft und die Tübinger Musikergruppe blieb dem nichts schuldig. Die pulsierenden Holzbläser und die intensiv singenden Streicher verkörperten italienisches Lebensgefühl. Traurig auch der langsame Satz, der eine schleichende Pilgergruppe charakterisiert. Fulminant in seinem rasenden Sechserrhythmus geriet der Schlusssatz, der einen italienische Saltarello (Hüpftanz) widerspiegelt. Dann bedankte sich Karl-Peter Hoffmann im Namen des Rotary Clubs beim Gastgeber, dem Team der Martin-Luther-Kirche, und bei den großartig spielenden Musikern, die begeisterten Applaus ernteten.