Konzert in der Fellbacher Lutherkirche Klezmer-Musik im Gotteshaus

Die Klezmer-Band „Mischpoke“ hatte richtig Freude am Spiel vor Publikum, und das Publikum Freude an ihrem Spiel Foto: Ingrid Sachsenmaier
Die Klezmer-Band „Mischpoke“ hatte richtig Freude am Spiel vor Publikum, und das Publikum Freude an ihrem Spiel Foto: Ingrid Sachsenmaier

Begleitend zu den „Jüdischen Kulturwochen Stuttgart“ hat die Kulturgemeinschaft Fellbach die Klezmer-Band Mischpoke aus Hamburg in die Lutherkirche eingeladen – sehr viele Gäste sind gekommen.

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Fellbach - Die Musik der fünfköpfigen Klezmer-Band Mischpoke aus Hamburg ist Ausdruck purer Lebensfreude. Überall, wo die Gruppe auftritt, sorgt sie mit ihrer hohen Musikalität, rasanten Rhythmen, sensiblen Adaptionen traditioneller Klezmer-Musik und eigenen jazzigen Arrangements für Begeisterung“ – mit diesen Sätzen hat die Kulturgemeinschaft Fellbach neugierig gemacht auf das von ihr veranstaltete Klezmer-Konzert am Samstagabend in der fast ausverkauften Lutherkirche in Fellbach.

Es wurde begeistert geklatscht

Sie hatte nicht zu viel versprochen. „Mischpoke“, so heißt die fünfköpfige Band aus Hamburg, erhielt vom Publikum schon nach dem ersten Stück Zwischenapplaus – und das setzte sich den ganzen Abend hindurch fort. Es wurde begeistert geklatscht, unkonventionell mit den Füßen getrampelt und mit Gesten signalisiert, dass diese fünf Musiker – vier Frauen und ein Mann -, die ihrem Konzert den Titel „High Life“ gegeben hatten, ein musikalisches „Highlight“ setzen würden. Und so war es. Aus angekündigten 80 Konzertminuten wurden unterhaltsame, künstlerisch anspruchsvolle 100. Es hätten gerne noch mehr sein dürfen. „Mischpoke“ ließ sogar die Unbequemlichkeit der Kirchenbänke vergessen. Am Ende klatschten alle Anwesenden im Rhythmus mit, als Zugabe gab es ein Stück mit dem Titel „Klezmer-Shtetl“, kleine jiddische Siedlung. Man spürte förmlich das pulsierende Leben.

Immer wieder wird es jazzig

Das Konzert hatte die Kulturgemeinschaft Fellbach als einen Beitrag zu „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“, das Jubiläum wird dieses Jahr begangen, ins Programm genommen. Aktuell finden die „Jüdischen Kulturwochen Stuttgart“ statt, das Konzert wurde dazu begleitend angeboten – und von der Wüstenrot Stiftung unterstützt.

Das Wort „Mischpoke“ ist jiddisch und steht für Familie, Gemeinschaft. Die fünf Musiker von „Mischpoke“ kommen zwar aus unterschiedlichen Familien, aber sie bilden musikalisch eine wunderbare Gemeinschaft. Basis dafür ist ihre klassische Musikausbildung und die Freude am Musik machen auf hohem Niveau. Mal traditionell, dann nehmen sie die jüdische Volksmusik – Klezmer – als Vorlage und schlüpfen in die Rolle der jüdischen Volksmusikanten - „Klezmorim“. Sie spielen zum Beispiel ein vertontes Gedicht, das an die Kindheit erinnert, oder ein Hochzeitslied. Mal warten sie mit eigenen Arrangements, denen beispielsweise eine Komposition des Jazz-Geigers Titi Winterstein zugrunde liegt, auf. Immer wieder wird es jazzig in der Lutherkirche. Immer wieder hört man Tango-Anklänge. Auch die Musik der Roma spielt eine Rolle bei „Mischpoke“.

Seit 15 Jahren spielen sie zusammen

Feurig, temperamentvoll und unglaublich flink und präzise spielt Cornelia Gottesleben ihre Geige mit sympathischer Verve. Sie sucht das Duett mit Magdalena Abrams und deren virtuosem, phrasierenden Klarinettenspiel oder ihrem jiddischen Gesang. Oft geben die beiden den Rhythmus vor und übergeben das Thema dann an Maria Rothfuss am Kontrabass oder Doro Gehr am Klavier, die mit exquisiten Soli antworten. Einziger Mann in dieser Mischpoke ist Frank Naruga an der Gitarre. Seit 15 Jahren spielen sie zusammen. Das hört man, das spürt man. Sie wechseln zwischen unterschiedlichen Stilrichtungen, sie interpretieren Stimmungen, sie überschreiten musikalisch Grenzen. Sie lassen ihre Instrumente ruhig erzählen, dramatisch aufschreien, sentimental seufzen und harmonisch plaudern. Eine Freude, ihnen dabei zuzuhören.




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