Konzert in der Liederhalle „Genau so muss sich ein Tourstart anfühlen“ – So war’s bei Kaffkiez in Stuttgart

Johannes Eisner von der Band Kaffkiez am Donnerstagabend im Beethovensaal der Liederhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Zwischen Linsen und Spätzle und Bausparern: Kaffkiez aus Rosenheim haben am Donnerstag in Stuttgart ihre Tour gestartet: Bilder und Kritik vom Konzert im Beethovensaal der Liederhalle.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Gerade als seine Band zum Endspurt angesetzt hat, als Kaffkiez kurz vor den Zugaben ihren größten Hit, das störrisch aufstampfende „Nie allein“, gespielt und das Publikum die Musiker auf der Bühne beim Mitsingen übertönt hat („Und ich sag 1, 2, 3, 4, ich bin gar nicht frustriert/Ich sag 5, 6, 7, 8, bin nie alleine in der Nacht“), atmet Sänger Johannes Eisner noch einmal ganz tief durch: „Ich habe kaum noch Luft in den Lungen“, gibt er zu: „Aber genau so muss sich ein Tourstart anfühlen!“

 

Am Donnerstagabend hat das Indiepop-Quintett aus Rosenheim im fast ausverkauften Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle das Auftaktkonzert ihrer Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gegeben. Immer wieder unterstützt von einer Saxofonistin und einer Trompeterin spielen sie Songs aus den drei Alben, die sie bisher veröffentlicht haben: Nach „Alles auf Anfang“ (2022) und „Ekstase“ (2024) ist in diesem Jahr „Wir“ erschienen. Und nach „Nie allein“ reicht die Luft Johannes Eisners dann doch noch für ein paar Stücke: für das rumpelige „Scheißegal“ und für aufbrausende Zugaben wie „Alles nur gelogen“ oder „Halb so schön wie du“, bevor das Konzert dann nach rund eindreiviertel Stunden zu Ende geht.

Kaffkiez beim Auftritt in Stuttgart Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Festzelt-Indie-Hits wie „Die Sonne scheint“ oder „In Nächten wie diesen“

Die Songs von Eisner (Gesang, Gitarre), Johannes Gottwald (Piano), Niklas Mayer (Schlagzeug), Florian Weinberger (Gitarre) und Benedikt Vodermaier (Bass) wirken dabei immer wieder wie Stimmungshits, die sich trotzig mit Liebeskummer vollgesogen haben, riechen nach Festzelt-Indiepop – irgendwo zwischen Sportfreunde Stiller und AnnenMayKantereit. Lieder wie „Die Sonne scheint“, mit dem Kaffkiez das Konzert eröffnen, oder „In Nächten wie diesen“ werden nicht nur von einem aufdringlichen Stampfbeat bestimmt, sondern auch von Mitgrölrefrains und Slogan-Versen, die sich auch gut in die bald startende Volksfestsaison passen würden („Die Sonne scheint aus deinem Arsch in mein Gesicht“ oder „ Ich wähl’ die 110, ich hoff’, die sperr’n dich ein/Blaues Licht und Siren’n, ich bin jetzt endlich frei“).

Zwar schleicht sich selbst in wehmütige Balladen wie „Zum ersten Mal nice“ in der Liveversion irgendwann ein stupides Stampfen ein, aber Kaffkiez können auch anders: Zum Beispiel bei der Akustiksession zum Klavier mitten im Publikum. Da ist dann auch der Song „Galaxis“ dran, in dem es Zeilen gibt wie: „Während ich hier mit der Wut und der Verzweiflung ring, wird ’n Nazi Bürgermeister, wie soll man das verstehen?“Und wahrscheinlich gibt es keine andere Band, die, bevor sie auf die Bühne kommt, ganz selbstverständlich erst Udo Jürgens’ „Griechischer Wein“ und dann Danger Dans „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ durch die Halle tönen lassen kann, ohne dass das unpassend klingt.

Kaffkiez-Sänger: Linsen und Spätze können Zuhause bedeuten

Die Fans beim Tourauftakt in Stuttgart sind jedenfalls begeistert. Dass einige Übergänge noch etwas holprig und die Bläsersätze manchmal arg schräg wirken, verzeiht man der Band und vor allem Sänger Johannes Eisner gerne. Schließlich versucht er sogar zu schwäbeln, will wissen, wer alles im Publikum einen Bausparvertrag hat, behauptet noch nie in einer so schicken Location wie dem Beethovensaal aufgetreten zu sein. Und er lobt das Stuttgarter Publikum, das der Band seit fünf Jahren die Treue hält: „Manche verbinden mit dem Begriff Zuhause vielleicht Linsen und Spätzle“, sagt er, „Zuhause kann vieles sein. Für uns seit das ihr: Danke, dass ihr uns seit fünf Jahre ein Zuhause bietet.“

Kaffkiez: Alle Tourtermine

  • 09.04.2026 STUTTGART
  • 10.04.2026 ZÜRICH
  • 12.04.2026 KÖLN
  • 14.04.2026 HANNOVER
  • 15.04.2026 BREMEN
  • 17.04.2026 HAMBURG
  • 18.04.2026 LEIPZIG (ausverkauft)
  • 19.04.2026 FÜRTH (ausverkauft)
  • 21.04.2026 MÜNCHEN
  • 22.04.2026 WIESBADEN (ausverkauft)
  • 23.04.2026 DORTMUND
  • 24.04.2026 BERLIN
  • 29.08.2026 DRESDEN
  • 30.08.2026 WIEN
  • 03.09.2026 LINZ
  • 05.09.2026 ERFURT

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