Konzert in der Liederhalle Stuttgart Merci, Mireille Mathieu!
Bei ihrem Abschiedskonzert in der Liederhalle hat Mireille Mathieu ihre Fans begeistert – und die haben sie mit Blumen überhäuft.
Bei ihrem Abschiedskonzert in der Liederhalle hat Mireille Mathieu ihre Fans begeistert – und die haben sie mit Blumen überhäuft.
Es dürfte ein guter Tag für die örtlichen Floristen gewesen sein. Geschätzte fünfzig Blumensträuße, die meisten davon Rosen, bekam Mireille Mathieu bei ihrem Auftritt im Hegelsaal von ihren Fans überreicht. Nach fast jedem Lied kamen einige Menschen an die Bühne, einer schenkte ihr gar eine Deutschland- und eine Frankreichflagge – „Vive l´Allemagne, vive la France“ quittierte es die Diva, die in diesen beiden Ländern ihre größten Erfolge gefeiert hat.
In Frankreich galt sie als legitime Nachfolgerin der Piaf, mit deren Chansons sie in den 60er Jahren bekannt wurde, in Deutschland schrieben ihr Komponisten wie Christian Bruhn Hits wie „Akropolis Adieu“ oder „Hinter den Kulissen von Paris“ – Schlager, die dem Fernweh in der prosperierenden Bundesrepublik Ausdruck verliehen und sie einem breiten Publikum bekannt machten.
Bei ihrem Abschiedskonzert im voll besetzten Saal – „Goodbye my Love, Goodbye“ ist ihre Tournee übertitelt – singt sie abwechselnd in beiden Sprachen, gleich als zweites „La Paloma“, in ihrem typischen Idiom: „So ist das Läben ein Kommen und Gehen/ wärr kann es je värrstehn“, und lässt dabei das R auf ihre unnachahmliche Weise rollen. Mireille Mathieu ist eine Marke, die sich über all die Jahrzehnte kaum verändert hat. Ihre charakteristische Stimme ist immer noch präsent, das schnelle Tremolieren, die Vokalfärbungen, ebenso unverwechselbar wie ihre Pagenkopffrisur. Körperlich wirkt sie etwas gehandicapt, sie humpelt leicht, aber ihr charismatisches Strahlen, ihre Bühnenpräsenz sind ungebrochen.
Ihre 13-köpfige Band, darunter vier Streicher und drei Backgroundsänger, agiert solide und hält sich ansonsten diskret im Hintergrund, überlässt ihr die Bühne.
Natürlich singt sie ihre bekannten deutschen Schlager, „Martin“, „An einem Sonntag in Avignon“, „Santa Maria“, aber am überzeugendsten ist sie bei den klassischen Chansons. Bei „Je ne regrette rien“, Edith Piafs legendärem Hit, verströmt ihre Stimme immer noch jene rückenschauererregende Intensität, die sie einst zum Weltstar gemacht hat, und – nicht nur – nach „Mon Credo“ erhebt sich das Publikum fast geschlossen von den Sitzen, um seinem Star zu huldigen. Dass sie einige Lieder tiefer singt als die Originale ist der einzige Tribut, den sie ihrem Alter zollen muss, aber das stört nicht, insgesamt singt sie 25 Lieder, nach knapp zweieinhalb Stunden gibt sie noch eine Zugabe: „Bravo, tu a gagné“, die französische Version von Abbas „The Winner takes it all“. Merci, Mireille! C’est si bon!