Konzert in der Porsche-Arena „Wir vermissen die Röhre!“: So war’s bei Revolverheld in Stuttgart
Die Band Revolverheld feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Bilder und Kritik der Show in der Stuttgarter Porsche-Arena.
Die Band Revolverheld feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Bilder und Kritik der Show in der Stuttgarter Porsche-Arena.
Ein wenig froh sein darf man schon, dass die große Menschenmenge, die am Dienstagabend vor dem sogenannten Stuttgarter Hallenduo lagert, nicht nur dort ist, um einem Sänger von sehr fragwürdiger Reputation zu huldigen. 5000 Menschen, ein Drittel all jener, die da stehen, scheren aus dem Heer der Till-Lindemann-Fans aus, um das Konzert einer erfreulich bodenständigen deutschen Band zu erleben. Revolverheld inszenieren sich mit großer Show in großer Halle – und feiern Jubiläum: Seit 20 Jahren spielen die Fünf aus Hamburg in nahezu unveränderter Besetzung zusammen. Sie feiern an diesem Abend lange in Stuttgart: Mehr als zwei Stunden stehen sie auf der Bühne.
Eröffnet wird der Abend durch Emy, ebenfalls aus Hamburg, einer Sängerin, so jung, dass sie gestehen kann, das erste Konzert ihres Lebens sei ein Revolverheld-Konzert gewesen - am 10. November 2016 in Rostock, sie weiß es noch genau. Johannes Strate, Sänger von Revolverheld, ist mittlerweile 45, hat ein Kind. Die Themen, die er mit seiner Band besingt, sind weiterhin seine Studentenjahre, Beziehungsleid, die große Liebe, Erinnerungen. „Das kann uns keiner nehmen“, der Revolverheld-Song von 2013, bringt es auf den Punkt: „Wir hab’n alle viel erlebt / und sind immer noch da.“
Zum Jubiläum veröffentlichte die Band ein Album, das vor allem neu eingespielte Versionen ihrer beliebtesten Songs enthält. Revolverheld gelten als eine sehr publikumsnahe, unprätentiöse Band, und sie haben treue Fans. Der Jubel ist groß in der Porsche-Arena, das Publikum singt mit bei allen Liedern, und genau dafür sind diese Lieder gemacht.
Johannes Strate, Kristoffer Hünecke und Niels Kristian Hansen, die beiden Revolverheld-Gitarristen, Arne Bischoff an den Keyboards, Chris Rodriguez am Bass und Jakob Sinn am Schlagzeug treten in bunten Trainingsjacken auf, spielen ihre frühen Hits „Generation Rock“ und „Freunde bleiben“. Dann flimmert ein Countdown über die Bühne und plötzlich sind die bunten Jacken weg. Die 20 als monumentale Ziffer leuchtet hinter der Band, der Innenkreis der 0 ist Projektionsfläche für Bilder, manche aus der Gegenwart, manche aus der Vergangenheit – und Johannes Strate fängt an zu plaudern zwischen den lang ausgespielten Rocksongs und Balladen, vielleicht ein wenig zu ausführlich erzählt er seine Anekdoten – auf einer Jubiläumstour allerdings muss das erlaubt sein, und der größte Teil seines Publikums folgt ihm sehr gerne.
Ehe 2007 ihr zweites, bis dahin bestplatziertes Album „Chaostheorie“ erschien, spielten Revolverheld in allen Jugendhäusern und Jugendzentren, die sie finden konnten, nicht nur in Herrenberg. Stahlen an anderem Ort, zu anderer Zeit und unter anderem Namen einer frühen Band von Mark Forster die Show. Sie traten viele Male in Stuttgart auf, im Wizemann, im LKA – und sie haben sehr lebhafte Erinnerungen an die Röhre. „Die Röhre“, sagt Johannes Strate, „werden wir nicht vergessen. Die war sensationell. War jemand von euch in der Röhre damals? Seid froh, dass ihr es dort heraus geschafft habt!“ Aber natürlich sind dies auch überaus liebevolle Erinnerungen: „Wir vermissen die Röhre!“
Johannes Strate, ein großer Fußballfan, brach sich ein Bein, tritt in Stuttgart nun ohne Krücken, aber mit speziellem Schuh auf. Er singt so leidenschaftlich, wie er plaudert und geht zuletzt, dem Beinbruch zum Trotz, weit hinaus ins Publikum, für die letzten Lieder des Abends – „Mit Dir chilln“, was für manch einen Revolverheld-Fan der erste Hit der Band war, „Licht an“ und „Darf ich bitten“. Davor spielt seine Band knapp 20 vielgeliebte Songs in neuem, harten Sound, oder träumt locker, akustisch, vom „Sommer in Schweden“. Revolverheld schießen mit Konfetti auf ihre Fans, sie lassen Luftballons tanzen, und Johannes Strate singt: „Ich werde nie erwachsen, ich bleibe immer jung“.