Konzert in der Schleyerhalle Metal-Geburtstagsparty: So war’s bei Slipknot in Stuttgart
Die US-Metalband Slipknot ist am Sonntagabend in Stuttgart aufgetreten. Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert in der ausverkauften Schleyerhalle.
Die US-Metalband Slipknot ist am Sonntagabend in Stuttgart aufgetreten. Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert in der ausverkauften Schleyerhalle.
Die Bühne strahlt giftig grün. Die Menschen, die hier mit unglaublicher Präzision auf Instrumente eindreschen oder in Mikrofone schreien, tragen rote Overalls. Rot leuchten auch Alex Venturellas Bassgitarre und die Augen des Sängers Corey Taylor, der wie alle neun Männer in dieser außergewöhnlichen Band eine Maske trägt. „You can’t kill me ’cause I’m already inside you!“, kreischt er wieder und wieder wild die künstlichen Rastazöpfe schüttelnd beim Eröffnungssong „(sic)“: Du kannst mich nicht umbringen, weil ich bereits in dir bin!
Willkommen in der düster-makaberen Welt von Slipknot! Die US-Metalband ist am Sonntagabend vor 12000 Fans in Stuttgart in der ausverkauften Schleyerhalle aufgetreten. Doch so furchteinflößend die Musiker in ihren originellen Masken aussehen, so rabiat die Songs inszeniert, so nihilistisch die Texte sind, so nett gibt sich Corey Taylor zwischen den Liedern. Mit deutschen Worten wie „Dankeschön“ und „Wunderbar“ bedankt sich der Slipknot-Sänger, der am Tag des Konzerts seinen 51. Geburtstag feiert, beispielsweise überaus höflich beim Publikum, als dieses erst unaufgefordert und später noch einmal auf Zuruf zum „Happy Birthday“-Chor wird.
Taylor macht aber auch Werbung für die Vorband Bleed From Within und schwärmt vom deutschen Publikum: Als vor 25 Jahren das Slipknot-Debütalbum erschien, wären die Menschen in Deutschland die ersten gewesen, die verstanden hätten, worum es der Band geht. Und tatsächlich ist dieser irre-radikale Metalmix, bei dem es zwischen spektakulären Gitarrenriffs und rasanten Beats auch Platz für Rap, für DJing, für Samples, für Industrial-Noise oder elektronische Grooves gibt, immer noch sehr aufregend und viel zu gut, um mit dem populären Label Nu-Metal treffend beschrieben zu sein. Und wer glaubt, die roten Overalls, die Slipknot auf der Bühne tragen, könnten sie sich von der TV-Serie „Squid Game“ abgeschaut haben, sollte wissen, dass das eher andersherum stimmen dürfte.
Als Dankeschön für all die Fans, die der Band aus Des Moines, Iowa, von Anfang an die Treue gehalten haben, gibt es an diesem Abend nur das Frühwerk von Slipknot zu hören. „Welcome Back to Fucking 1999“, sagt Taylor und hält, was er verspricht: Kein Song, der am Sonntag in Stuttgart auf der Setlist steht, stammt aus diesem Jahrtausend: Das Programm reicht vom überraschend harmonisch daherkommenden „Wait and Bleed“, bei dem die Bühne passender Weise blutrot leuchtet, bis zum Finale mit „Scissors“. Diese Nummer kündigt Taylor mit den Worten an: „Wir nehmen euch jetzt mit an einen sehr düsteren Ort.“ Doch obwohl sich das Lied tatsächlich aus einem zunächst fast harmlos von Percussion-Elementen angetriebenem Stück in ein wild kreischendes, stöhnendes, zuckendes, pfeifendes Monster verwandelt, ist das Seltsame an dieser außergewöhnlichen Band, dass bei ihr selbst das Schreckliche in seiner grotesken Zurschaustellung irgendwie wunderschön wirkt.