Shaggy, Dave Stewart von den Eurythmics, Max Giesinger und die Überreste mehrerer Rockbands sind am Donnerstagabend bei der „Night of the Proms“ in Stuttgart aufgetreten. Kritik, Fotos und Setlist von einer bombastischen Show in der Schleyerhalle.
Michael Werner
06.12.2024 - 13:44 Uhr
Huch, Animation wie im Cluburlaub? Bei der Pop-meets-Klassik-Show „Night oft the Proms“ fordert der Moderator Marcus Fahn die knapp 8000 Zuschauer in der Stuttgarter Schleyerhalle gleich nach der Ouvertüre zum Tanzen und Schunkeln auf. „Nehmen Sie die Lämpchen, wippen Sie im Takt“, empfiehlt er auch. Und schon bewegen sich unzählige Lichtpunkte in der gut gefüllten Halle, während das Antwerp Philharmonic Orchestra Walzerseligkeit zelebriert. Bevor später Max Giesinger versiert stimmliche Nebelwände generiert, die einen interessanten Kontrast zu seinem Sunnyboy-Auftritt abgeben, fordert der Moderator die Besucher auf: „Sie dürfen ruhig klatschen!“ Teile des Publikums tun nicht nur das, sondern eilen zur Bühne, während Giesinger „Wenn sie tanzt“ singt.
Auch die Dirigentin Alexandra Arrieche widmet sich mit zunehmender Dauer des dreistündigen Konzerts dem Anspornen des Publikums: Zur Ouvertüre von Rossinis Oper „Wilhelm Tell“ fordert sie vier Klatscher pro Takt ein – die „Night oft he Proms“ bemüht sich seit 30 Jahren um einen möglichst barrierefreien Zugang zur Klassik. Der orchestrale Bombast steht auch dem Achtzigerjahre-Hit „(I Just) Died In Your Arms“ nicht schlecht, den die Überreste der Band Cutting Crew in Stuttgart darbieten. Der Schmalz der Streicher entfaltet auch seine Wirkung, wenn sich Mickey Thomas mit hoher Rockstimme den Starship-Hits „We built This City“ und „Sara“ widmet.
Max Giesinger (in Weiß) bei der „Night of the Proms“ Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Doch ausgerechnet wenn Shaggy, der coolste Animateur des Abends, mit erstaunlich voluminöser Stimme seinem Mitneunziger-Hit „Boombastic“ energisch huldigt, gerät die Allzweck-Dienlichkeit der opulenten Sinfonik an ihre Grenzen: Zu seinen Macho-Medleys, die Shaggy mit viel Ironie und noch mehr Charme kredenzt, wirkt die orchestrale Erhabenheit mitunter bizarr. Die ausgiebige Eurythmics-Feier inklusive „Here Comes The Rain Again“ und „Sweet Dreams“ zum Schluss wird hingegen von ihr bereichert.
Dennoch hat der großartige Songwriter und Produzent Dave Stewart als Headliner eines Abends mit Dschungelcamp-Reminiszenzen nicht hundertprozentig funktioniert. Denn ein großer Live-Performer war er nie. Und das Charisma der fehlenden Eurythmics-Hälfte Annie Lennox vermögen weder die sich wacker durch die Oktaven wühlende australische Gastsängerin noch die Nahaufnahmen seiner alten, tätowierten rechten Gitarrristenhand auf der Videoleinwand zu ersetzen.