Konzert in Esslingen Der Abschied des Kirchenmusikerpaars Schüssler

Gestützt von Truhenorgel, Theorbe und Violoncello entwickelte der von Uwe Schüssler souverän geführte Chor vokale Strahlkraft. Foto: kell

Uwe und Hanna Schüssler haben die Esslinger Kirchenmusik maßgeblich geprägt. So war das letzte Konzert unter ihrer Leitung in St. Dionys.

Ein Hauch von Wehmut lag am Samstagabend über der „Stunde der Kirchenmusik“ in der Esslinger Stadtkirche St. Dionys: Es war das letzte Konzert der seit 1964 bestehenden Reihe, die von Uwe und Hanna Schüssler verantwortet wurde. Die Liturgie des musikalischen Gottesdienstes lag in den Händen des ehemaligen Esslinger Dekans Bernd Weißenborn, der die beiden Kirchenmusiker am Sonntagmorgen im Rahmen eines Kantatengottesdienstes auch in den Ruhestand verabschiedete.

 

„In den 36 Jahren des Wirkens als Kantor an der Esslinger Stadtkirche fanden unter meiner Ägide etwa 800 Stunden der Kirchenmusik statt“, sagt Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler, der in den Anfangsjahren von Hans Georg Bertram unterstützt wurde.

Viel geleistet für die Esslinger Konzertreihe

Schüsslers Anliegen war es stets, in diesen musikalischen Gottesdiensten die Kirchenmusik in all ihren Facetten vorzustellen. Neben großen Oratorienaufführungen der Kantorei und kammermusikalischen Programmen waren immer wieder renommierte Gastensembles zu hören. Und gelegentlich gaben Querverbindungen zum Jazz und der neuen Musik der Reihe besondere stilistische Impulse.Der programmatische Bogen des Abschiedskonzerts spannte sich von Chorwerken der Renaissance, über eine Motette von Johann Sebastian Bach und eine romantische Psalmvertonung Felix Mendelssohn Bartholdys bis hin zur aufrüttelnden Tonsprache zeitgenössischer Chorsätze. Da zu Ehren von Uwe und Hanna Schüssler zahlreiche ehemalige Sängerinnen und Sänger von weither angereist waren, füllte ein gewaltiger Chor den Altarraum der Stadtkirche. Beim eröffnenden „All praise to thee“ von Thomas Tallis stand jedoch zunächst der vor dem Altar platzierte Kinderchor im Zentrum. Im musikalischen Dialog mit den um die Zuhörer herum aufgestellten erwachsenen Choristen entstand eine faszinierende Stereowirkung, die die Renaissanceklänge bestens zur Wirkung brachte.

Der Esslinger Chor-Nachwuchs kann sich hören lassen

Die hellen Kinderstimmen begeisterten überdies, als die fröhliche Schar unter der Leitung von Hanna Schüssler Lieder von Hans-Peter Braun und Kurt Enssle anstimmten. Man spürte die hervorragende stimmliche Schulung des Nachwuchses - ein Pluspunkt, den auch die Jugendkantorei auszeichnet.

Was die jugendlichen Sängerinnen und Sänger unter der souveränen Leitung von Uwe Schüssler in Knut Nystedts a cappella vorgetragenen „I will praise Thee, O Lord“ und im jazzig angehauchten „Hold me, Rock me“ boten, reichte nahe an professionellen Chorgesang heran: Die Intonation war mustergültig und die Transparenz des Stimmgeflechts brachte die verschiedenen Melodiestränge zum Leuchten.

Chorische Disziplin war auch zu bewundern, als sich Jugendkantorei und Kantorei zum Großchor verbanden. Von Truhenorgel, Theorbe und Violoncello gestützt, entwickelte das mehrchörige „Lobe den Herren, meine Seele“ von Heinrich Schütz vokale Strahlkraft. Und in Ausschnitten aus Johann Sebastian Bachs Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ baute sich im doppelchörigen Dialog ein eindrucksvolles, dynamisch differenziert geformtes Klanggebäude auf.

Minutenlanger Applaus für Uwe und Hanna Schüssler

Uwe und Hanna Schüssler Foto: Roberto Bulgrin

Auf ähnlich hohem Niveau bewegte sich Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des zweiten Psalms „Warum toben die Heiden“. Und auch die spannungsvolle Umsetzung der Choralmotette „Gott unser Schöpfer“ von Zsolt Gárdonyi begeisterte.

Ehe die „Stunde der Kirchenmusik“ mit dem Gemeindelied „Bleib bei uns, Herr“ ausklang, gab es herzliche Dankesworte von Dekan a.D. Weißenborn und minutenlang anhaltenden Applaus für Uwe und Hanna Schüssler.

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