Ein Streichquartett mit Rahel und Sara Rilling steht beim ersten Warmbronner Konzert in diesem Jahr auf der Bühne.

Leonberg - Damit auch alle, die das erste Warmbronner Konzert in diesem Jahr hören wollten, einen Platz bekommen konnten, hat die Veranstaltung in der Pfarrkirche St. Johannes stattgefunden. Sonst lädt die Christian-Wagner-Gesellschaft ins etwas kleinere evangelische Gemeindehaus ein. Aber es war nicht irgendein Streichquartett, das sich für diesen Abend angekündigt hatte. Die in Warmbronn aufgewachsenen Schwestern Sara und Rahel Rilling statteten ihrem früheren Heimatort einen Besuch ab.

Mitgebracht hatten sie den Violinisten Tilman Hussla und den Cellisten Meciej Kulakowski. Gemeinsam musizierten sie feine Kammermusik auf höchstem Niveau. Durchweg bezauberte dabei die Transparenz und Intensität des Klangs. Wunderbar war zudem die Farbigkeit ihres Spiels, ganz gleich, ob es sich um ein Werk aus der Epoche der Wiener Klassik oder des französischen Impressionismus handelte. Ebenso hinreißend war die allzeit präsente Lebendigkeit ihrer Darbietung.

Warme Grundstimmung voller Energie

So nahm auch das Sonnenaufgangsquartett B-Dur (op. 76 Nr. 4) von Joseph Haydn von der ersten Note an gefangen: Fein und leicht wie ein zarter Sonnenstrahl am frühen Morgen stieg die erste Violine (Rahel Rilling) auf, während die drei anderen Streicher akustisch eine wunderbare Atmosphäre zauberten. Bei geschlossenen Augen konnte man die lichtgetränkten Dunstschwaden der Morgendämmerung förmlich vor sich sehen. Zärtlich und behutsam schuf das Quartett so eine warme Grundstimmung voller Energie. Heiter und friedvoll war der Duktus, dem aber bereits die Glut innewohnte, die sich später temperamentvoll Bahn brach. Zarte Abstufungen machten den zweiten Satz besonders ausdrucksstark – ein wie aus dem Nichts erscheinendes Traumgebilde. Umso stärker war da der Kontrast zum dritten Satz, mit seiner kraftvoll-rustikalen Fröhlichkeit, die dennoch nicht auf Kosten der hinreißenden Leichtigkeit ging, die das Spiel des Ensembles auszeichnete. Neckend und gut gelaunt machte der vierte Satz den Abschluss mit einer unnachahmlichen Mischung aus Kraft, Eleganz und Humor.

Typischer Polka-Rhythmus

Bei den zwei Stücken für Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch legte das Quartett nochmals eine Schippe drauf. Vorsichtig zögernd tastete sich die „Elegie“ voran. So fein sang dabei die erste Geige auf der von den anderen geschaffenen, brüchig wirkenden Basis, dass man beinahe Angst hatte, sie könne an der Wirklichkeit zerbrechen. Unerbittlich pulsierte hernach der typische Polka-Rhythmus, dessen positiver Schwung gekonnt ins Groteske überzeichnet wurde. Unwillkürlich stellte sich da das Bild eines tollpatschigen Tanzbären ein.

Akustischen Pointillismus gab es zum Schluss mit Maurice Ravels Streichquartett F-Dur (op. 35). Schillernd schwebte hier das feine Tongewebe in die Höhe, voller Sehnsucht und Melancholie umschlangen sich die Stimmen. Nervöses Irisieren prägte den zweiten Satz, der stellenweise vor Energie fast bersten wollte. Feinnervig sprühten hier die impressionistischen Harmonien. Voller Tiefe und Aufrichtigkeit folgte der dritte Satz, schwelgerisch, dabei stets transparent und beweglich mit flirrenden Linien und reizvoller Chromatik. Fast furchterregend brach dann der vierte Satz los, ein Sturm entfesselter Leidenschaften, der jedoch an keiner Stelle zu dick oder hastig geriet.

Viel Applaus gab’s dafür – und nochmals Schostakowitschs Polka als Zugabe.