Die Punkrock-Band Donots ist im Ludwigsburger Scala aufgetreten – mit einem Akustik-Set, der keine Wünsche offen ließ. Viele Hits klangen allerdings komplett anders als gewohnt.
Bei den Donots weiß man im Normalfall, was man kriegt: eine Punkband, die Bock auf das Konzert hat, die eineinhalb Stunden alles gibt. Schweiß, der auf und vor der Bühne in Strömen rinnt. Und am Ende, nachdem der letzte Refrain von „So Long“ gesungen ist, gehen alle glücklich nach Hause respektive in den Nightliner. Der Fünfer aus Ibbenbüren, das liegt ein paar Kilometer westlich von Osnabrück, hat sich in den 31 Jahren seines Bestehens zu einer sicheren Punkrock-Bank entwickelt.
Die Donots als sichere Punkrock-Bank – aber auch akustisch?
Was aber, wenn sich eine Band dazu entschließt, aus gewohnten Mustern auszubrechen? Im Falle der Donots bedeutet das: ein Akustik-Best-of-Album aufzunehmen. „Schwert aus Holz“ heißt die am vergangenen Freitag erschienene Liedersammlung, die die Combo auf einer Mini-Tour mit im Gepäck hat – und die sie am Montagabend zum allerersten Mal in ihrer Karriere nach Ludwigsburg geführt hat. Dort, im altehrwürdigen Scala, wird schnell klar: Was die Gruppe, angeführt von den Brüdern Ingo (Gesang/Klavier) und Guido Knollmann (Gitarre) da erschaffen hat, funktioniert ganz prächtig.
Donots-Gassenhauer entfalten sich im Scala auf völlig neue Weise
Doch nicht nur das: In fast exakt eindreiviertel Stunden entfaltet sich manch großer Donots-Punk-Gassenhauer auf eine völlig neue Art und Weise. „Whatever Happened To The 80s“ etwa, einer der größten Hits der Band, wird mit ein, zwei veränderten Akkorden von der Partyhymne zur melancholischen Rock-Rückschau. „Calling“, ebenfalls eine der bekanntesten Donots-Nummern, glänzt im Reggae-Ska-Gewand. „Keiner kommt hier lebend raus“, eigentlich ein Vollgas-Rocker mit zynisch aufgeladenem Text, sorgt im zurückhaltenderen Ton nur für noch mehr Gänsehaut.
Sänger auf (!) dem Publikum: Donots-Fronter Ingo Knollmann geht im Scala auf Tuchfühlung. Foto: Marius Venturini
Gar nicht zurückhaltend ist man indes bei den Ansagen. Da wird munter aus dem Nähkästchen geplaudert. Es geht, nach Anstoß von Gitarrist Alex Siedenbiedel, um „Pissflecken auf Matratzen“. Guido Knollmann berichtet von einer Kettensäge namens Attila und von Erbrochenem in einer Plastiktüte mit Loch – in Sachen Spontanhumor pures Gold.
Zurück zur Musik: Die reguläre Donots-Besetzung, zu der noch Drummer Eike Herwig und Bassist Jan-Dirk Poggemann gehören, wird für die aktuelle Tour um eine weitere Gitarre und ein Keyboard erweitert. Den Fans gefällt’s. Sie sind zu einem Gutteil mit der Band gealtert, viele haben sie schon zigmal live erlebt – und sie füllen an diesem Abend das Scala bis fast auf den letzten Platz. Keine schlechte Bilanz für einen Montag.
Belohnt wird das Publikum nicht nur mit allen 13 Songs des neuen Albums. Fünf weitere, teils unvermeidbare Stücke haben es in akustischen Versionen in die Setlist geschafft: der Hoffnungsmacher „Hey Ralph“ zum Beispiel. Oder der Moshpit-Garant „Kaputt“, den Sänger Ingo aus und auf dem Publikum singt. Oder die obligatorische Verneigung vor den Heavy-Metal-Wurzeln der Knollmann-Brüder, die Twisted-Sister-Coverversion „We’re Not Gonna Take It“.
Emotionale Ansage von Donots-Froner Ingo vor Coverversion
Apropos Coverversion: Mit einer emotionalen Ansage widmet Frontmann Ingo zuvor eine weitere Fremdkomposition deren Schöpfern: „All die ganzen Jahre“ von den Toten Hosen soll jener Band zur Ehre gereichen, die stets an der Seite der Donots gestanden hat – und von der in Person von Sänger Campino und Gitarrist Kuddel auch zwei Mitglieder auf „Schwert aus Holz“ zu hören sind, neben weiteren illustren Gästen wie Frank Turner oder Chuck Ragan, der Frontmann von Hot Water Music.
Im Scala läutet das von Guido Knollmanns rauer Stimme getragene „Eine letzte letzte Runde“ die, nun ja, letzte Runde ein. „We’re Not Gonna Take It“ und „So Long“, dann ist Schluss. Es bleibt die Erkenntnis, dass Punkrock nicht nur brachial auf die Zwölf gehen muss. Er funktioniert auch mit leisen Zwischentönen. Und ein guter Song bliebt eben ein guter Song – gut, dass die Donots davon so einige geschrieben haben.
Vorband als gelungene Einstimmung auf die Donots
Der Vollständigkeit halber: Eine Vorband gab es auch: Das Duo Schreng Schreng und La La zeigte, dass es lediglich einen starken Sänger und einen Akustik-Gitarristen braucht, um mit emotionalen Texten in 40 Minuten das Publikum rum zu kriegen – eine gelungene Einstimmung.