Die Marbacher Kantorei sang und spielte Engel-Lieder aus fünf Jahrhunderten und bot dabei ein breites Spektrum.

Zu „Engel-Liedern aus 500 Jahren“ hatte die Marbacher Kantorei in die Alexanderkirche geladen. Was die zahlreichen Zuhörer erlebten, war ein breites Spektrum von Gesang und Musik – nicht von Engeln, wohl aber über Engel. Die mehr als zwei Dutzend Sänger und Instrumental-Solistinnen unter der Leitung von Bezirkskantor Andreas Willberg führten das Publikum in höchst unterschiedliche Klangwelten, von irdischer Schwere bis hin zu himmlischer Leichtigkeit.

 

Motto: 500 Jahre Gesangbuch

„Wir singen und musizieren heute in der Kantoreipraxis,“ erklärte Willberg zum Auftakt der musikalischen Reise durch die Jahrhunderte, „etwas typisch Evangelisches“. So habe man es in den Gemeinden gehalten: Alle, die am Ort Musik gemacht haben, fanden sich zusammen. Tatsächlich war es bemerkenswert, was die Kantorei der Schillerstadt an diesem Abend zu bieten hatte, neben den vielen ausdrucksstarken Stimmen waren Musikerinnen zu hören, die virtuos Violine, Viola, Violoncello, Klavier und auch die neue Truhenorgel zu spielen verstanden. Die Veranstaltung stand unter dem Motto 500 Jahre Evangelisches Gesangbuch.

Zur Eröffnung intonierte Andreas Willberg selbst am Klavier „Angelus Priere aux anges gardiens“ von Franz Liszt, ein feierliches, nachdenkliches Stück, den zur Nacht wachenden Engeln gewidmet. Mächtig erklang der Chor dann im folgenden „Singe auf Gottes Wegen“, ein modernes Lied von Christian Matthias Heiß, munter und fröhlich, mit wohlklingendem Schwung von den Streicherinnen begleitet. Gerhardt Zieglers „Lobe den Herrn, meine Seele“, gerne auch in Gottesdiensten gesungen, schloss sich an.

Musikalisches Können zeigte die Kantorei bei Johann Hermann Scheins frühbarockem „Nun lob, mein Seel, den Herren.“ Mit ihren hellen Sopranstimmen jubilierten Jutta Bass und Miriam Haag, Willberg begleitete auf der neuen Truhenorgel. Ein Stück nach dem Psalm 103, den Dekan Ekkehard Graf anschließend las. Auch die anderen Lesungen im Lauf des Konzertes widmete er Bibelstellen, in denen von Engeln die Rede ist – beispielsweise Jakobs Vision der Himmelsleiter in 1. Mose oder Michaels Kampf mit dem Drachen in der Offenbarung.

„May the Lord send angels“, mit diesem Lied von Heinz-Helmut Jost-Naujoks waren Anklänge an Gospel-Musik zu hören. Ein starkes Solo sang Monika Bund am Klavier, mit drängender, bittender Stimme: „Touch me Lord, I need your helping hand“ – Berühre mich, Herr, ich brauche deine helfende Hand, ein Part, der emotional berührte.

So wechselten sich moderne Lieder mit klassischen Kompositionen ab. Zu Gerd-Peter Mündens flottem „Du bist heilig, du bringst Heil“ erklang ein Cajon, ein lateinamerikanisches Perkussions-Instrument, gespielt von Matthais Collmer. Die älteste Vorlage, vermutlich aus dem 6. Jahrhundert, hatte Johann Sebastian Bachs Partita über den Choral „Christ, der du bist der helle Tag“, auch hier zeigte Willberg wieder, welche Bandbreite an Klängen die neue Truhenorgel möglich macht.

Stimmungsvolle Zugabe

In einem grandiosen Finale vereinte sich die Kantorei zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Denn Er hat seinen Engel befohlen über dir,“ gleichsam ein Abendsegen zu dieser besonderen Musik. Ein Stück, das gewissermaßen alle Engel noch einmal im hohen Raum der Alexanderkirche versammelte. Und weil es so schön war , gab es nach viel Beifall noch eine stimmungsvolle Zugabe: Den Paul-Gerhardt-Klassiker „Nun ruhen alle Wälder.“