Die Fans jubeln Ronnie Radke und seiner Band Falling in Reverse schon zu, als auf der Bühne der Stuttgarter Schleyerhalle noch gar nichts passiert. Denn eine Kamera begleitet die Gruppe, die in diesem Monat durch Europa tourt, unmittelbar vor ihrem Auftritt. Übertragen werden die Bilder aus den Katakomben auf der Leinwand. Durch die Boxen ertönt indes „Highway to Hell“ von AC/DC, die Stimmung kocht hoch.
Und wenn die Anhänger vorab nach dem wuchtigen Auftritt der japanischen Metalcore-Band Crossfaith noch nicht genug eingeheizt gewesen sein sollten, dann sind sie es wohl spätestens jetzt. Weitere AC/DC-Songs haben Falling in Reverse natürlich nicht im Gepäck. Dafür aber 15 eigene Stücke, mit denen sie am Samstagabend für etwa eineinviertel Stunden 6200 Zuschauer – so viele kamen laut dem Veranstalter – beschallen. Und wie.
Falling in Reverse zeigen sich facettenreich
Die US-Band um ihren als kontrovers geltenden Frontmann Ronnie Radke – Sänger, Songwriter und Gründer – besticht mit ihrer perfektionierten Vielseitigkeit. Und dadurch mit einem explosiven, aber auch melodischen Mix. Wo sie sich dadurch verorten lässt? Kaum in Kürze zu beantworten. Dafür ist der Stil im Gesamtbild zu facettenreich, zu genreübergreifend.
Das offenbart die Setlist auch in Stuttgart. Dort begeistert die Band mit ihrer Mischung – etwa aus Post-Hardcore, Metalcore, Rap Metal und Rock. Sinnbildlich dafür ist, wie auf das raplastige „NO FEAR“, bei dem die Parts des kürzlich erst eingestiegene Bassisten Daniel Laskiewicz auffallen, das neue, eher entschleunigte Feature mit Marilyn Manson („God Is A Weapon“) folgt und sich daran wiederum „All My Life“ mit Jelly Roll anschließt, das Country-Einfluss hat.
Letzterer Song ist Teil des Albums „Popular Monster“, das im August 2024 erschienen ist – mehr als sieben Jahre nach der vorherigen und zugleich vierten Platte der Band. Die Werke aus dem Vorjahr – darunter auch das epische Stück „Watch The World Burn“, mit dem das Konzert endet – bilden den Schwerpunkt der Setlist.
Ronnie Radke geht nicht nur in diesen Songs voll auf. Energisch untermauert er an diesem Abend, welch talentierter Sänger er ist. Nach vielen Wechseln in der Band ist der 41-Jährige das einzig verbliebene Mitglied der ursprünglichen Besetzung.
Einst war er Mitgründer und Sänger von Escape the Fate. Die Band ersetzte ihn, nachdem er gegen Bewährungsauflagen verstoßen und eine Gefängnisstrafe erhalten hatte. Hinter Gittern rief er 2008 die Band Falling in Reverse ins Leben, die zunächst From Behind These Walls hieß.
Ende 2010 kam er nach zweieinhalb Jahren frei. Die Erfolgsgeschichte seines neuen Projekts begann 2011 mit dem Album „The Drug in Me Is You“.
Nach Rock am Ring: Ronnie Radke und Band in den Schlagzeilen
Ronnie Radke war schon mehrfach eng verbunden mit Kontroversen. Beispielsweise wird ihm wegen mehrerer Äußerungen vorgeworfen, transphob zu sein.
Kürzlich, nach dem Auftritt bei Rock am Ring, gerieten er und seine Band wieder in die Schlagzeilen. Was war passiert? Eine Kamera begleitete die Gruppe – wie in Stuttgart – kurz vor dem Auftritt, die Fans bekamen die Szenen zu sehen. Ronnie Radke lief dabei zu einem Lkw-Anhänger, dessen seitliche Aufschrift mit „Trans“ begann und zeigte mit einem Daumen nach unten.
Vereinzelte Medien griffen die Videosequenz auf und betitelten sie als Anti-Trans- beziehungsweise transfeindliche Geste. Dass Ronnie Radke kurz darauf wiederholt beide Daumen nach oben in die Kamera hielt, tauchte – zumindest in den ersten Fassungen – nicht in den Artikeln auf.
In Stuttgart bleibt eine ähnliche Provokation des Sängers abseits der Bühne aus. Voller Fokus also auf die Musik – und somit auf einen facettenreichen Auftritt.
Setlist von Falling in Reverse in Stuttgart
- Prequel
- ZOMBIFIED
- I’m Not A Vampire
- Fuck You and All Your Friends
- Bad Guy
- Losing My Mind
- The Drug In Me Is You
- Just Like You
- NO FEAR
- God Is A Weapon
- All My Life
- Popular Monster
- Voices In My Head
- Ronald
- Watch The World Burn