Konzert in Stuttgart Die wunderbaren Siebziger: So war’s bei The Sweet im LKA

Ein jährliches Ritual im LKA: The Sweet. Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

The Sweet nahmen das LKA wieder einmal mit auf die rockige Zeitreise.

Vor 50 Jahren liebte sie jeder. Mancher mag sich heute vielleicht nicht mehr daran erinnern – viele aber doch noch, das LKA ist nahezu ausverkauft, als The Sweet dort ihr Konzert geben. Auftritte der Glamrocker im LKA sind ein fast jährliches Ritual, das 2024 leider ausfallen musste – Andy Scott, 75 Jahre alt, war erkrankt. Am Donnerstag erzählt er, in unzufriedenem Tonfall, sein Arzt habe ihm den Alkohol verboten. Aber er verspricht auch, wiederzukommen, mit seiner Band, so oft wie möglich. Andy Scott ist der letzte Überlebende jener Formation von The Sweet, die zwischen 1973 und 1974 insgesamt sieben Nummer-eins-Hits in die deutschen Charts knallte. In keinem anderen Land waren The Sweet erfolgreicher.

 

Scott trägt heute einen spitzen weißen Bart und eine lange, glatte, silberglänzende Perücke. Paul Manzi, energischer Lead-Sänger der Gegenwart, war gerade einmal zehn Jahre alt, als „The Ballroom Blitz“ zuerst durch den Saal schoss. Adam Booth, furioser Schlagzeuger, wurde geboren, im Jahr bevor die Band mit „Love is like Oxygen“ ihren letzten großen Hit hatte. Bassist Lee Small könnte als Kind noch den einen oder anderen Sweet-Song im Radio gehört haben, und Tom Cory, Keyboarder und Produzent des jüngsten Sweet-Albums „Full Circle“, kam 30 Jahre nach „Teenage Rampage“ zur Welt. Neu im Team ist der versierte britische Blues-Gitarrist Jim Kirkpatrick. Einmal, bei „Burn on the Flame“, geht Andy Scott von der Bühne und überlässt Kirkpatrick ganz die Lead-Gitarre – und der überzeugt.

The Sweet feiern mit kleinem Augenzwinkern die Vergangenheit. Paul Manzi lädt die gut gelaunten Fans ein, in die „wonderful Seventies“ und sie folgen ihm gerne. Im LKA sieht man Fans, von denen manche vielleicht irgendwo eine alte Jeans ausgegraben haben, gealterte Rocker und erstaunlich viele Menschen mittleren oder jüngeren Alters, die 1970er Jahre möglicherweise gerne selbst erlebt hätten.

The Sweet enttäuschen sie nicht. Eine kompetente Band, die offenbar sehr großen Spaß bei der Arbeit hat, ausgelassen, selbstironisch, ihrer Hörerschaft eine große Packung Pralinen reicht – von „Don’t bring me Water“ und „Circus“, den neuen Songs, die klingen wie die alten, bis zum Bubble-Rock-Medley mit „Co-Co“, „Funny Funny“ und „Poppa Joe“.

In der Zugabe schlägt der „Blockbuster“ zu, davor gibt’s jeden Hit von The Sweet, mit jubelndem Synthesizer, glamourösen Riffs und Silberperücke.

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