Die Stuttgarter Band Sex im Dunkeln verbindet DIY-Ästhetik mit Punk, New Wave und Progrock. Im Werkstatthaus gibt sie ein Konzert, das alles ist – nur nicht berechenbar.
Dass diese Stuttgarter Band ein bisschen anders ist als andere, merkt man schon an den Merchandiseartikeln, die sie nach ihrem Konzert am Freitagabend im Werkstatthaus in Stuttgart verkauft. Da gibt es nicht die üblichen T-Shirts oder CDs, sondern Selbstgedrucktes, Selbstgenähtes, Selbstgestricktes. Aber auch sonst musiziert diese Band lieber ungewöhnlich: Leona Efunas Bass hat fünf Saiten, Dario Volpps Gitarre sieben. Wer braucht schon ein Keyboard oder eine zweite Gitarre, wenn man Felicitas Kaiser an der Geige hat. Und Feli Utz drischt auf sein Schlagzeug ein, als gäb’ es kein Morgen – oder als wäre er der nächste Kevin Kuhn.
Progpunk mit DIY-Charme
Und auch die Songs, die die Band Sex im Dunkeln eine Stunde lang spielen, haben diesen Do-It-Yourself-Charme, der alles sein kann außer langweilig. Die Stücke ihrer EP „Rage und Exzess“, die sie den rund 80 Besucherinnen und Besuchern, die sich in dem Kellergewölbe drängeln, vorspielen, heißen „Pissgrün“, „halbsooft“ oder „Spitzenunterwäsche“ und feiern die Wiedergeburt des Progrock aus dem Geist des Punk und New Wave.
Sex im Dunkeln im Werkstatthaus Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
Selten enden die Stücke an diesem Abend so, wie sie begonnen haben. Immer wieder schummelt das Quartett ungerade Rhythmen in die Lieder. Mal stürmen die Songs rabiat nach vorne, mal erlauben sie sich kuriose Schnörkel, mal gibt es ein romantisch-lyrisches Streicherintermezzo, mal wird ein Blumenstrauß auf einer Trommel massakriert.
Leona Efuna, die schon als Schülerin ihren Debütroman „eXtRaVaGant – Mond und Sterne“ veröffentlicht hat, singt dazu Lieder, in denen es um Panikattacken in Supermärkten, um Koks, Schnaps, rosa Schlaftabletten, um tellergroße Pupillen und Therapiesitzungen geht. In den Songs knallen auch mal die Türen und irgendwann darf das Publikum auch mitsingen und davon träumen, von einer Abrissbirne getroffen zu werden. „Insane!“, freut sich Efuna hinterher, „das war echt insane!“
Termin Wer das Konzert im Werkstatthaus verpasst hat: Sex im Dunkeln treten am 24. April gemeinsam mit Violent Vortex und Prison of Hope im Club Zentral erneut in Stuttgart auf. Infos und Tickets gibt es hier.