Konzert in Stuttgart So war Konstantin Weckers Auftritt in der Liederhalle
Am Donnerstagabend hat der Liedermacher seine Fans auf eine musikalische Reise mitgenommen und sein Programm „Utopia 2.0“ präsentiert.
Am Donnerstagabend hat der Liedermacher seine Fans auf eine musikalische Reise mitgenommen und sein Programm „Utopia 2.0“ präsentiert.
Drei Stunden dauert Konstantin Weckers Konzert am Donnerstagabend. Der 76-Jährige tritt im Rahmen seiner „Utopia 2.0“-Tour im Beethoven-Saal der Stuttgarter Liederhalle auf und hat von Anfang an einen Draht zu seinem Publikum. Der Funke springt bereits beim ersten Lied „Im Namen des Wahnsinns“ über, obwohl der Musiker noch gar nicht auf der Bühne ist. Nur seine Stimme ist zu Beginn zu hören.
Auch nachdem Wecker die Bühne betritt, bleibt der Künstler als Person dezent: schwarzes Hemd, schwarze Hose. Aber das ist es auch. Künstliche Aufmerksamkeit braucht Wecker nicht. Es sind seine Stimme und die Texte seiner Lieder, die seine Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln.
Der gebürtige Münchner ist ein Bühnenprofi, ein Vollblutmusiker, einer der sein Herz und seine Haltung auf der Zunge trägt. Beim anwesenden Publikum erntet er dafür regen Applaus.
„Utopia 2.0“ ist ein Programm für alle, die „Utopia“ im Jahr 2021 coronabedingt nicht sehen konnten. Der Liedermacher hat das Repertoire weiterentwickelt und einige Neuarrangements vorgenommen. An den Instrumenten begleiten ihn seit Jahren vertraute Menschen. Seit zehn Jahren spielt Fany Kammerlander Cello. An diesem Abend greift sie auch zur E-Gitarre und Ukulele.
Norbert Nagel, er und Wecker kennen sich seit 40 Jahren, spielt Klarinette, greift mehrfach auch zum Saxofon und zur Querflöte. Schlagzeug und Pauken spielt der Stuttgarter Musiker Jürgen Spitschka, der seit fünf Jahren auf seinen Tourneen dabei ist. Am längsten dabei ist Weckers seit 30 Jahren treuer Pianist Jo Barnikel. Konstantin Wecker selbst spielt an diesem Abend nur selten selbst, auch dann, wenn er am Klavier sitzt.
Das Licht im Zuschauerraum geht während des gesamten Konzerts nie ganz aus. Der Musiker hält den Kontakt zu den Menschen, die dort sitzen und singt für jeden einzelnen. An diesem Abend singt er einige seiner Klassiker, darunter auch vierzig Jahre alte Hits wie „Der Baum“ oder „Totgeboren, aber nicht verloren“. Auf der Bühne wirkt er in der zweiten Hälfte etwas erschöpft und fragil. Nichtsdestotrotz: Bis auf die reguläre Pause sitzt der Musiker nur wenig.
Das dreistündige Programm meistert er mit Bravour und der Kontakt zu seinem treuen Publikum reißt bis zum letzten Augenblick nicht ab. Dabei hatte er bereits bei der Begrüßung über sich und die Konzertlänge gewitzelt: „Ich bin älter geworden, mein Programm aber nicht kürzer.“
Als er zum Ende kommt, stehen die Zuschauerinnen und Zuschauer auf und Wecker bekommt Standing Ovations. Während die fünf Musiker sich auf der Bühne umarmen, gehen zahlreiche Zuschauer vor.
Vier Zugaben werden Wecker und sein Ensemble am Ende geben, darunter auch „Gracias a la Vida“ von Mercedes Sosa, das er Fany Kammerlander singen lässt. Und die Menschen vor der Bühne tanzen. Es ist bereits nach elf Uhr, als er noch ein letztes Gedicht aufsagt, bevor er die Bühne an diesem Abend endgültig verlässt: „Jeder Augenblick ist ewig“.
„Im Namen des Wahnsinns“, „Totgeboren, aber nicht verloren“, „Stürmische Zeiten, mein Schatz“, „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“, „All die unerhörten Klänge“, „Schafft Huren, Diebe, Ketzer her“, „Wenn du fort bist“, „Wenn die Börsianer tanzen“, „Waffenhändlertango“, „Wir werden weiter träumen“, „Utopia“- Pause - „Der Baum“, „Und das soll dann alles gewesen sein“, „Wie lieb ich es, den Tieren zuzusehen“, „Was ich an dir mag“, „Warum ich kein Patriot bin“ (Text), „Sage Nein“,
„Utopie“ (Autor: Hanns Dieter Hüsch, Vertonung), „Wiegenlied“ und Einspielung der Ansprache von Ernst Toller von 1930.
„Es ist an der Zeit“ (Original von Eric Bogle / Hannes Wader), „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“, „Ach es regnet“ (Text), „Was einem der Regen raunend erzählt“, „Denkt mit dem Herzen“ (Text), „Schäm dich, Europa“, „Ich habe einen Traum“, „Nur dafür lasst uns leben/Das wird eine schöne Zeit“, „Heiliger Tanz“, „Questa nuova realta Gracias a la Vida“, „Schlendern“, „Jeder Augenblick ist ewig“ (Gedicht).