Konzert in Stuttgart Mit Rumours of Fleetwood Mac geht’s in der Liederhalle auf Zeitreise

Die Tribute-Band Rumours of Fleetwood Mac spielt die größten Hits des Originals. Foto: Rumors of Fleetwood Mac

Rumours of Fleetwood Mac ist eine der erfolgreichsten Tribute-Bands. Mit Hits wie „Gypsy“ und „Dreams“ haben sie das Publikum in der Stuttgarter Liederhalle von den Stühlen gerissen.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

„Natürlich stehen wir heute nicht selbst auf der Bühne“ – mit diesen Worten begrüßt Mick Fleetwood höchstpersönlich per Videobotschaft das Publikum im fast ausverkauften Hegelsaal. Stattdessen wehe „der Spirit“ der nach ihm benannten legendären Band Fleetwood Mac an diesem Sonntagabend durch die Stuttgarter Liederhalle: „Habt einen fantastischen Abend“, wünscht der 78-Jährige – und gibt somit zugleich dem Auftritt der Tribute-Band Rumours of Fleetwood Mac seinen Segen.

 

Mit Tribute-Bands ist es ja so eine Sache. So mancher Musikfan rümpft die Nase und spricht von müdem Abklatsch. Ob Pop, Rock, Schlager oder Heavy Metal: Die Gattung boomt dennoch. Mit Songs von Fleetwood Mac, einer der erfolgreichsten Pop- und Rockbands aller Zeiten, touren seit Jahren gleich mehrere Projekte regelmäßig durch die Welt. Rumours of Fleetwood Mac, 1999 in Liverpool gegründet, ist eine der erfolgreichsten und als einzige mit Zustimmung des Mitbegründers und Schlagzeugers der Originalband unterwegs. Schon im vergangenen Jahr gastierten sie in Stuttgart, nun sind die sieben Musikerinnen und Musikern erneut auf Tour.

Stevie Nicks Stimme bleibt einzigartig

Den Auftakt macht ein Hit aus den 80ern: „Gypsy“ – bei dem sich Sängerin Hattie Chandler wie einst das Vorbild Stevie Nicks (77) im schwarzen, flatternden Glitzerkleid immer wieder um die eigene Achse dreht. Nicks einzigartig nasale und rauchige Altstimme bleibt unerreicht. Doch Chandler und Co. sind Profis und liefern über zweieinhalb Stunden eine sehr solide Show, im Lauf des Abends werden sie immer spielfreudiger.

„Sara“, „Songbird“, „The Chain“ – und natürlich „Dreams“, einer der größten Hits der Band und gleichzeitig einer der bewegendsten Trennungssongs der Musikgeschichte: Ein Kracher folgt auf den nächsten. Mit dem phänomenalen „Rhiannon“, das Chandler gefühlvoll interpretiert, geht es in die Pause. Hört man den Zuschauern bei ihren Gesprächen zu, erklärt sich, was sie in den Hegelsaal geführt hat. An den Ticketpreisen, die spätestens seit der Corona-Pandemie bei allen Großen explodiert sind, liegt es zumindest nicht. Auch die Karten für Rumours of Fleetwood Mac schlagen in Stuttgart mit 60 bis 80 Euro zu Buche.

Rumours of Fleetwood Mac machen ihre Sache gut

Klar ist aber, viele der Stars machen sich rarer, Bands lösen sich auf, setzen sich zur Ruhe – oder ihre Mitglieder sterben. „Mit dem Tod von Christine McVie war es besiegelt: Fleetwood Mac wird nie wieder auftreten“, begründet Axel (88) seinen Konzertbesuch. „Ich wollte diese unerreichten Songs einfach noch mal auf großer Bühne hören.“ Ans Original, das er in den 70er und 80er Jahren mehrfach live gesehen hat, komme die Truppe „nicht ran“: Es fehle an Charisma und „diesem unbeschreiblichen Drive“. Dennoch sagt er: „Die machen die Sache gut, sind mit Leidenschaft dabei.“

Überhaupt: Coverversionen gibt es fast so lang wie die Rock- und Popmusik selbst. Tribute-Bands haben also auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung. Und sei es nur aus nostalgischen Gründen. Man kann die Zeit zwar nicht zurückdrehen, aber zumindest für den flüchtigen Moment des Konzerts Erinnerungen und das Gefühl von damals wieder aufleben lassen. Oder auch einfach nur Spaß an der Musik haben. So wie Trang (24), die mit einer Freundin da ist: „Ich kenne nicht alle Lieder, aber einige sind so ikonisch – die haben sich eingeprägt, unabhängig von der Generation.“ Dass außer ihr so manche jüngere Leute gekommen sind, liegt wohl auch an der Renaissance von Fleetwood Mac seit 2020 ein mit „Dreams“ unterlegtes Tik-Tok-Video viral ging.

Die letzte halbe Stunde hält es keinen auf den Sitzen

Nach der Pause wird die Frühphase der Band zelebriert – mit einigen prägenden Songs des Gründungsmitglieds und Gitarristen Peter Green (1946–2020). Bei der Instrumental-Bluesballade „Albatross“ oder dem Progrock-inspirierten „The Green Manalishi“ stehen zur Abwechslung die fünf Herren der Tribute-Band im Mittelpunkt. Schon zuvor haben einige Zuschauer getanzt. Bei „Hold me“, bei dem sich Keyboarderin und Sängerin Sara Leanne als würdige Erbin von Christine McVie erweist, reißt es dann alle Fans von den Sitzen.

„Little Lies“, „Everywhere“, „Don’t Stop“ – gut eine halbe Stunde, bis zum Schlussakkord von „Tusk“, wird mitgesungen und mitgewogt. Man spürt: Die Zuschauer sind beglückt. Und schon jetzt steht für viele fest: Sollte die Truppe im nächsten Jahr erneut nach Stuttgart kommen, sind sie wieder dabei. Wenn schon die echten Helden die Bühnen dieser Welt nicht mehr betreten, gibt es mit Rumours of Fleetwood Mac immerhin die zweitbeste Option.

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