Konzert in Stuttgart Philharmonie-Sound mit Klasse – So war’s bei den Prinzen in der Liederhalle

Begleitet von der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach feierten Die Prinzen in der Stuttgarter Liederhalle eine viel bejubelte Party. Foto: Ferdinando Iannone

35 Jahre nach ihrer Gründung begeistern Die Prinzen Generationen. Ihre „Symphonica“-Tour lässt Hits mit 50 Philharmonie-Musikern neu erklingen. So war das Konzert.

Wer hätte das geahnt im Jahr 1991, als sich in Leipzig die Band Die Prinzen formierte, dass sie auch 35 Jahre später mit großem Erfolg tourt und in Stuttgart frenetisch gefeiert wird. War da mal was mit Osten und Westen? Doch Musik verbindet, im Fall des Konzerts am Freitagabend in der Liederhalle haben drei Generationen gleichermaßen Freude – und selbst die Jüngsten sind erstaunlich textsicher.

 

„Symphonica“ ist die aktuelle Tour überschrieben. Wenn gleich vier Akteure der Prinzen einst Mitglieder des Leipziger Thomanerchors waren und einer im Dresdner Kreuzchor mitsang, scheint es nur folgerichtig, sich von der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach mit rund 50 Musikerinnen und Musikern fulminant begleiten zu lassen, dirigiert von Christian Dellacher. Ab und an darf das Orchester auch allein brillieren, doch überwiegend werden die sieben Prinzen von teils kräftig-poppigen Rhythmen durch den Abend getragen. Es ist kein klassisches Konzert, aber eines mit Klasse.

Sebastian Krumbiegel (links) und Tobias Künzel prägen die Prinzen – und sind privat seit 53 Jahren befreundet, wie sie stolz erzählen. Foto: Ferdinando Iannone

Prinzen in der Liederhalle: Bei „Mann im Mond“ wird das Publikum zum Prinzen-Chor

Mit „Die Krone der Schöpfung“ vom gleichnamigen Album von 2021 startet das Ensemble selbstbewusst, bei „Mann im Mond“ (1991) wird der volle Beethoven-Saal zum großen Chor: „Dann holt er die Laterne raus“ stimmen alle mit ein. Das entspricht ganz „unseren Spielregeln“, wie sie Frontmann Sebastian Krumbiegel erklärt: „Das Publikum singt besser und lauter als die Band.“ Das tut es ausgiebig, vor allem aber bei frühen Ohrwürmern wie „Millionär“, „Gabi und Klaus“, „Schwein sein“ oder „Ich will dich haben“.

Nach der Pause, bei „Küssen verboten“, hält es bis zum Ende des Konzerts kaum mehr einen auf dem Platz: Das Publikum steht, klatscht, tanzt, singt und jubelt auch in den Gängen. Neben manchem Fan in feiner Garderobe, adäquat zu den Philharmonikern, haben sich die meisten für legeren Freizeitlook oder auch kurze Hosen entschieden. Kein Wunder, wo sich dieser Mai-Abend doch wie Sommer anfühlt.

Eine Coverversion und zugleich eine Reminiszenz haben Die Prinzen auch zu bieten. „Blaue Augen“ bringen sie in neuem musikalischen Gewand, ungewohnt langsam, mit monumentalem Background der Philharmoniker. Anfang der 1980er Jahre tönte der Hit im Original von Ideal während der Neuen Deutschen Welle aus allen Lautsprechern. Deren Sängerin Annette Humpe verhalf den Prinzen später zum Durchbruch.

Rund 30 Titel präsentieren Die Prinzen in Stuttgart

Das Repertoire der Prinzen, die auch in Stuttgart mit bewährtem mehrstimmigen Gesang begeistern, umfasse etwa 120 Titel, wie der zweite bekannte Frontmann Tobias Künzel erzählt. Rund 30 davon sind bei der „Symphonica“-Tour zu erleben. „Es war nicht alles schlecht“ von 2010 ist auch dabei. Auf den Bühnen nicht mehr dabei sein wollen Die Prinzen nach ihrer Abschiedstour Ende 2027.

Diese angekündigte Trennung sei „nicht schlecht“, sagt Sebastian Krumbiegel ohne Wehmut: „Die Musik wird bleiben.“ Nicht nur sie – der Merchandise-Stand im Foyer war vor und nach dem Konzert schwer belagert. Es muss ja nicht gleich ein Tour-Shirt für 40 Euro sein. Kühlschrank-Magnete für sechs oder Buttons zum Anstecken für zwei Euro sind auch eine haptische Erinnerung an das Prinzen-Fest. Nach Auflösung der Band haben manche Stücke womöglich sogar Wertsteigerungspotenzial.

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